Zweigleisiger Stadtbahn-Ausbau und Hellweg-Erneuerung zwischen Brackel und Asseln nur mit öffentlichen Fördermitteln realisierbar

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Richtig eng und gefährlich wird‘s häufig auf dem Brackeler und Asselner Hellweg zwischen Stadtbahn-, Individual- und Lkw-Lieferverkehr zu den Großlagern von Tedi und Rewe. Die Planungen von DSW21 und Stadt zur Entschärfung könnten mit dem zweigleisigen Strecken- und Straßenausbau nebst Kanal-Erneuerung schon ab Anfang 2016 in die Tat umgesetzt werden, doch hängt das 12,7-Mio.-Euro-Projekt von der Förderung durch den Bund ab, so die Verantwortlichen von Stadt und DSW21. (Foto: Günther Schmitz)
 
Vor Ort, an der Stadtbahn-Haltestelle „Döringhoff“ gegenüber der beiden Logistikzentren, stellten die Verantwortlichen von DEW21 um Verkehrsvorstand Hubert Jung (r.) und der städtische Baudezernent Martin Lürwer (2.v.r.) die Problematik nebst den Planungen für den zweigleisigen Ausbau vor. (Foto: Schmitz)
 
Auf dem Brackeler bzw. Asselner Hellweg – vor allem gegenüber der Einfahrten zu den Logistikzentren von Rewe und Tedi, hier im Bild an der Stadtbahn-Haltestelle „Döringhoff“ – geht es derzeit angesichts der hier ein- und ausfahrenden Lkw oft recht eng zu. (Foto: Wischnewski)
Dortmund: Stadtbahn-Haltestelle "Döringhoff" |

Gefährlich nah passiert die U43 die im Stau vor den Lagereinfahrten zu Tedi und Rewe wartenden Lkw-Linksabbieger. Und Pkw-Fahrer überholen sogar schnell mal rechts übers Gleisbett die Warteschlange. Auch diese gefährlichen Situationen wollen DSW 21 und Stadt mit dem zweigleisigen Ausbau der Stadtbahn-Strecke zwischen Brackel und Asseln entschärfen.

Vor Ort, an der U43-Haltestelle „Döringhoff“, stellten am Dienstagnachmittag (15.9.) die Verantwortlichen der DSW21 um Verkehrsvorstand Hubert Jung und den Dortmunder Baudezernenten Martin Lürwer die Problematik und die Planungen detailliert vor.

1,2 Kilometer lange Ausbaustrecke von Brackel bis nach Asseln


Auch um die Attraktivität der Stadtbahn zu erhöhen, planen Stadt und DSW21, ab Mitte 2016 einen 1,2 Kilometer langen Abschnitt der Stadtbahnstrecke zwischen Brackel und Asseln zweigleisig auszubauen sowie Straße, Rad- und Gehwege entlang dieser Strecke zu erneuern. Weiterer Bestandteil des Projekts ist die Erneuerung der Entwässerung durch einen Mischwasserkanal.

Die Realisierung der Maßnahme werde jedoch nur dann möglich sein, wenn diese mit öffentlichen Mitteln gefördert wird, machten die Verantwortlichen beim Ortstermin klar.

Bislang verkehrt die Stadtbahnlinie U43 am Übergang vom Brackeler zum Asselner Hellweg einspurig, das Gleis ist nur per Fahrbahnmarkierungen vom Individualverkehr getrennt. Zudem befinden sich auf diesem Abschnitt die Zufahrten zu den Großlagern von Rewe und Tedi. Deshalb ist die Höchstgeschwindigkeit der Stadtbahn hier bereits auf 30 km/h reduziert worden.

Unliebsame Begegnungen zwischen Bahnen, Pkw und Lkw


Weil es durch unliebsame Begegnungen zwischen Bahnen und Indidualverkehr dennoch immer wieder zu Gefahrensituationen kommt, sollen auf dem Abschnitt nun zwei Gleise verlegt werden. Er beginnt etwa 200 Meter westlich der Straße In den Erlen in Brackel und endet in Höhe der Einmündung Aplerbecker Straße in Asseln (L566). Im Ortskern von Asseln war die Stadtbahn-Strecke bereits 2006/2007 zweigleisig ausgebaut worden, um die U43 unabhängiger vom Indidualverkehr zu machen.

Barrierefreier Ausbau der Stadtbahn-Haltestelle "Döringhoff"


DSW21-Verkehrsvorstand Hubert Jung: „Der zweigleisige Ausbau ermöglicht uns zudem, die Haltestelle ,Döringhoff‘ barrierefrei auszubauen. Sie erhält einen Mittelbahnsteig von 61 Meter Länge, mobilitätsgerechte Rampen und taktile Bodenelemente, die seheingeschränkten Fahrgästen den Ein- und Ausstieg erheblich erleichtern wird.“

„Ferner“, so ergänzte Jung, „wird die Haltestelle mit Lautsprechern sowie Notruf- und Informationssäulen ausgestattet. Die Fußgängerüberwege über das Gleis am westlichen Bahnsteig-Zugang und über Gleise und Straße am östlichen Bahnsteig-Zugang erhalten Lichtsignalanlagen mit Zusatzeinrichtungen für blinde und sehbehinderte Menschen.“

Eine weitere Verbesserung: Die Bushaltestelle „Döringhoff“, die vom NachtExpress und von Bussen im Schienenersatzverkehr angefahren wird, erhält einen höheren Bordstein, so dass auch hier künftig ein stufenloser Ein- und Ausstieg möglich sein wird.

Doch nicht nur für den Nahverkehr, sondern auch für den Individualverkehr sowie für Radfahrer und Fußgänger zeichnen sich deutliche Verbesserungen ab.

Linksabbiege-Spuren zu Rewe- und Tedi-Lagern


Baudezernent Martin Lürwer kündigte an: „Der Brackeler und Asselner Hellweg wird auf dem Abschnitt vollständig erneuert. Die Großlager von Rewe und Tedi sind künftig über zusätzliche Linksabbiege-Spuren zu erreichen. Die Ausfahrt der Lkw auf den Hellweg wird mit Fertigstellung der Baumaßnahme in die östliche Fahrtrichtung zur L566 gelenkt, Pkw können weiterhin auch in Richtung Brackel abbiegen, wenn sie eines der Gelände verlassen. Damit werden auch der Asselner Ortskern und die Holzwickeder Straße erheblich entlastet.“

Entflechtung von Straße, Schiene, Geh- und Radweg


Laut Lürwer werden die Rad- und Gehwege wie die beiden Stadtbahn-Gleise auf der nördlichen Seite des Hellwegs verlaufen, vom Bahnkörper durch einen Zaun sowie vom Straßenverkehr durch eine Grünfläche getrennt. Lürwer: „Diese Entflechtung von Straße, Schiene, Geh- und Radweg sorgt für deutlich mehr Sicherheit als die heutige Situation. Zudem erhält der Streckenabschnitt künftig einen Allee-Charakter und damit eine städtebauliche Aufwertung.“

Kanalerneuerung mit Mischwasser-System in zwei Bauabschnitten

Die künftige Entwässerung soll vollständig im neu hergestellten Mischwassersystem erfolgen. Wesentliche Grundlage für die hydraulische Bemessung der Kanäle sind die Abflüsse der Firmen Rewe und Tedi. Der Kanalbau teilt sich in zwei Bauabschnitte auf: In den westlichen Bauabschnitt mit der Einleitung in den vorhandenen Vorflutkanal der Straße In den Erlen und in den östlichen Bauabschnitt mit der Ableitung über einen Spitzen-Abflussspeicher in das vorhandene System im Ortskern Asseln.

Die Gas- und Wasserleitungen können in ihrer heutigen Trassierung erhalten bleiben, lediglich eine 10 KV-Stromleitung von DEW21 muss von der südlichen Straßenseite auf die nördliche Seite unterhalb des Geh- und Radwegs verlegt werden.

Projektkosten in Gesamthöhe von 12,7 Millionen Euro veranschlagt


Für das Projekt sind Kosten in Höhe von rund 12,7 Millionen Euro € veranschlagt, wovon 7,6 Millionen auf den zweigleisigen Stadtbahn-Ausbau, 3 Millionen Euro auf den Straßenbau und 2,1 Millionen Euro auf die Entwässerung entfallen.

Möglicher Baubeginn könnte Anfang 2016 sein


Ein Planfeststellungsbeschluss wird für Ende 2015 erwartet, so dass mit den Arbeiten, die insgesamt etwa drei Jahre dauern dürften, Anfang 2016 begonnen werden könnte.

Die Realisierung sei aber davon abhängig, dass die Fördermittel – 7,4 Millionen Euro für die Stadtbahn-Trasse und 2 Millionen Euro für den Straßenbau – bewilligt werden, so Jung und Lürwer.

DSW21-Verkehrsvorstand Jung erläuterte die Problematik: „Das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) und das Entflechtungsgesetz als Grundlage für die Förderung von Infrastrukturmaßnahmen sind Auslaufmodelle, die zudem seit Jahren nicht dynamisiert wurden. Werden sie ganz oder teilweise eingefroren, sind sinnvolle und verkehrssichernde Maßnahmen wie der zweigleisige Ausbau der Stadtbahn-Strecke zwischen Brackel nach Asseln nicht mehr zu finanzieren.“


"Ab 2019 außer Betrieb?"



Um der Forderung nach mehr öffentlichen Mitteln für Erhalt und Erneuerung von Fahrzeugen und Anlagen Nachdruck zu verleihen, hat der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen die Infrastruktur-Initiative „Damit Deutschland vorne bleibt“ ins Leben gerufen. Unterm Motto „Ab 2019 außer Betrieb?“ machen viele Verkehrsunternehmen in diesen Tagen auf notwendige Projekte aufmerksam, die nicht mehr zu realisieren wären, wenn Fördermittel ganz oder teilweise gestrichen würden. Der oben genannte Ausbau wäre ein solches Projekt, die 150-Millionen-Investition von DSW21 in die Beschaffung und Modernisierung von Stadtbahn-Fahrzeugen ein weiteres. Symbolisch sollen entsprechende Aufkleber in älteren Bahnen auf die Notwendigkeit der Förderung von Infrastrukturprojekten aufmerksam machen.
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