Neue Flüchtlingsunterkunft in Bövinghausen: Die ersten kommen im November

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Für die praktische Umsetzung der „Willkommenskultur“ warben bei der Bürgerinformation in Bövinghausen (v.l.) der kath. Pfarrer Guido Hoernchen, Sozialdezernentin Birgit Zoerner, Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp und Pfarrer Hans Otto Witt von der ev. Christus-Gemeinde. (Foto: Schütze)
 

Mindestens 600 Asylbewerber will die Stadt auf dem Gelände der ehemaligen Hauptschule Bövinghausen unterbringen. Bei einer Bürgerversammlung erklärten viele ihre Bereitschaft, sich für die Flüchtlinge zu engagieren. Aber es gibt auch Anwohner, die Angst vor dem haben, was auf sie zukommt.

Rund 400 Menschen waren in die ev. Katharinen-Kirche gekommen, um von der Verwaltung zu hören, was in Sachen Flüchtlingsunterkunft auf Bövinghausen zukommt. Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp, Sozialdezernentin Birgit Zoerner und weitere Mitarbeiter der Verwaltung stellten sich gut zwei Stunden den Bürgern. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ist an der Hauptschule Bövinghausen geplant?
Die Stadt will an der Bövinghauser Straße eine Übergangsunterkunft „für mindestens 600 Asylbewerber schaffen“, erklärte Zoerner. Voraussichtlich im November sollen auf dem Gelände die ersten Wohncontainer für rund 170 Personen errichtet werden. Im ersten Quartal 2016 soll die Einrichtung schrittweise erweitert werden. Vorgesehen ist, dass 250 Menschen im Schulgebäude untergebracht werden und weitere Container aufgestellt werden.

Ist das ehemalige Schulgebäude, in dem Asbest- und PCB-Verunreinigungen festgestellt wurden, überhaupt geeignet?
Ein Bürger bezeichnete es als „menschenunwürdig“, das Gebäude als Unterkunft zu nutzen. Das leerstehende Schulgebäude stand wegen der bekannten Kontaminationen auch „hinten auf der Liste“, räumte die Sozialdezernentin ein. Das Gebäude sei „nicht unbedenklich“, sagte ein Vertreter des Liegenschaftsamtes. Er sicherte eine gründliche Überprüfung zu, auch im Hinblick auf Brandschutz. Bei der Entscheidung, ob das Gebäude als Unterkunft genutzt werden kann, werde es „keine anderen Regelungen als bei anderen Nutzungen“ geben.

ie ist es um die Sicherheit der künftigen Bewohner bestellt?
Die Stadt lässt alle Flüchtlingsunterkünfte einzäunen, um die Bewohner vor Attacken von außen zu schützen. Besucher und ehrenamtliche Mitarbeiter haben natürlich Zugang – durch den Vordereingang.

Müssen Anwohner um ihre Sicherheit fürchten?
„Ich habe Angst um meine Kinder und um meine Familie.“ So drückten einige Sprecher bei der Bürgerversammlung ihre Sorgen aus. „Diese Ängste haben sich bisher als unbegründet erwiesen“, hielt Sozialdezernentin Zoer­ner dagegen. Im Gegenteil: Vielfach seien die Bewohner der Notunterkünfte und die Anwohner gute Nachbarn geworden, „manchmal sogar Freunde“. Zoerner: „Wichtig ist, dass man aufeinander zugeht.“ Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp berichtete über die Erfahrungen, die man in den vergangenen vier Jahren mit der Unterkunft im Grevendicks Feld gesammelt habe. „Alle vorher geäußerten Befürchtungen haben sich zum Glück nicht erfüllt. Es ist absolut ruhig.“ Eine Zuhörerin appellierte an ihre Mitbürger: „Geben Sie den Menschen eine Chance!“ So sieht es auch FDP-Ratsherr Lars Rettstadt: „Haben Sie Mut! Wir schaffen das zusammen.“

Eigentlich sollte die alte Schule abgerissen und das Gelände für Wohnbebauung genutzt werden. Haben diese Pläne Bestand?
Ja, versicherte Dezernentin Zoerner. Anders als die Dauer-Unterkunft im Grevendicks Feld, werde der Standort Bövinghausen nur so lange bleiben, wie er als Unterkunft für Flüchtlinge gebraucht wird. Allerdings: Wie lange der Flüchtlingsstrom anhalte, könne niemand sagen.

Ich möchte den Asylbewerbern in der Unterkunft helfen. An wen kann ich mich wenden?
Das Dialogforum Lütgen­dortmund kümmert sich bisher um das bürgerschaftliche Engagement in der Asylbewerberunterkunft im Grevendicks Feld. Künftig soll das Forum auch die Einrichtungen in Bövinghausen und Kley begleiten. „Wir brauchen ganz viel Unterstützung“, sagt Pfarrer Michael Mertins vom Dialogforum. Mit Sachspenden soll man allerdings warten, bis die Unterkunft in Bövinghausen tatsächlich ans Netz geht.
Jederzeit willkommen sei aber ehrenamtliches Engagement, ergänzt die Leiterin der Zentralen Kommunalen Unterkunft in Lütgen­dortmund, Sandra Holtmann. Hilfe würde vor allem bei der Sprachförderung, Hausaufgabenbetreuung und der Organisation von Freizeitangeboten gebraucht. Kontakt: Pfr. Michael Mertins,  967 869 99, Mail: mertins@christusgemeinde-dortmund.de


Mit Fotos von Stephan Schütze
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