Wochen-Anzeiger-Gesundheitsdialog zum Thema Atemnot: die wichtigsten Fragen und Antworten

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Großer Andrang im "Schiffchen" beim 4. WA-Gesundheitsdialog in Kooperation mit dem Helios Klinikum Duisburg. (Foto: Frank Preuß)
 
Dr. Nikolaus Büchner, Chefarzt der Abteilung für Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin und Teil des neu eröffneten Lungenzentrums am Helios Klinikum Duisburg, bei seinem Vortrag. (Foto: Frank Preuß)
 
Dr. Viachaslau Halaunia, Leiter der Thoraxchirurgie im Duisburger Helios Lungenzentrum, im persönlichen Gespräch mit einer Teilnehmerin.
  Duisburg: Museumsrestaurant "Schiffchen" | Rund 120 Interessierte drängten beim vierten Wochen-Anzeiger-Gesundheitsdialog in Kooperation mit dem Helios Klinikum Duisburg ins Ruhrorter Museumsrestaurant „Schiffchen“. So groß war die Wissbegier zum Thema „Ursachen und Therapien bei Atemnot“.

Ausführlichen und kostenfreien Expertenrat gab es diesmal von Privat-Dozent Dr. Nikolaus Büchner, Chefarzt der Abteilung für Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin und Teil des neu eröffneten Lungenzentrums am Helios Klinikum Duisburg, und Dr. Viachaslau Halaunia, Leiter der Thoraxchirurgie im Duisburger Helios Lungenzentrum.

Nach ihren beiden Vorträgen und einer gemeinsamen kleinen Kaffeepause mit den Teilnehmern nahmen sich die beiden Mediziner ausgiebig Zeit, die vielen, teils sehr persönlichen Fragen des Publikums zu beantworten.

=> Welche Ursachen gibt es für eine Atemnot?

Das medizinisch auch Dyspnoe genannte Symptom der Atemnot kann viele verschiedene Ursachen haben. Besonders häufig tritt es aber bei Erkrankungen der Lunge oder Herzens auf, denn diese beiden Organe sind für die Sauerstoffversorgung des Körpers verantwortlich und eng miteinander verbunden. Daher sollten Ärzte bei der Diagnosestellung immer beide Organe im Blick behalten. 
Im Bereich der Lunge und der Atemwege können zum einen akute Erkrankungen wie eine Lungenentzündung oder eine Bronchitis ursächlich sein. Dann treten die Beschwerden aber in der Regel kurzfristig auf. Bei chronischen Erkrankungen wie etwa der Chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) oder Asthma bronchiale entwickelt sich die Atemnot meist über Jahre.
Im Bereich des Herzens können unter anderem eine Herzschwäche, Bluthochdruck oder bestimmte Herzgefäß- und Herzklappenerkrankungen ursächlich sein. Durch die verringerte Pumpfunktion gelangt der Sauerstoff schwerer ins Blut, es entsteht außerdem ein Rückstau des Blutes in der Lunge, der das Luftholen erschwert. Betroffene weisen in vielen Fällen auch Wassereinlagerungen, etwa in den Beinen, auf.´

Woran erkennt man eine COPD?


Ein besonders weit verbreitetes Phänomen ist die nächtliche Atemnot, die sogenannte Schlafapnoe, bei der die Betroffenen mehrmals in der Nacht Atemaussetzer erleiden und nach Luft schnappen müssen. Häufigste Ursache hier ist Übergewicht oder das Alter.
Übrigens: Die Schlafapnoe ist eine der häufigsten Ursachen für Bluthochdruck und erhöht zudem das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Betroffene sollten sich daher im Schlaflabor untersuchen lassen, um zeitnah die bestmögliche Therapie zu finden.


=> Wie erkennt man eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD)?

Die COPD ist mit über acht Millionen Betroffenen allein in Deutschland eine der häufigsten Erkrankungen. Dabei sind die Atemwege dauerhaft entzündet und verengt, es bilden sich zudem oftmals Blasen in der Lunge, die sogenannten Emphyseme. Das größte Risiko für diese Erkrankung liegt bei Rauchern, aber auch Umweltgifte können ursächlich sein. Prägnantestes Anzeichen für eine COPD sind meist die AHA-Symtome: Atemnot, Husten, Auswurf. Klarheit bringt eine Untersuchung beim Facharzt, der unter anderem einen Lungenfunktionstest macht, die Lunge abhört und die Vorgeschichte des Patienten in Augenschein nimmt.
Bisher ist die Erkrankung nicht heilbar, jedoch können die Auswirkungen gelindert und die Lebensqualität der Patienten verbessert werden. Was die Betroffenen selbst tun können: Nikotinverzicht, viel Bewegung und ausreichender Impfschutz, um zusätzliche Infektionen zu vermeiden.


=> Welche Regionen eignen sich für Lungenpatienten als Urlaubsziel oder sogar Wohnort?

Patienten mit Lungenerkrankungen fühlen sich oftmals am Meer oder in den Bergen am wohlsten. Das liegt vor allem daran, dass die Luft dort klarer und weniger verschmutzt ist. In den Bergen etwa wachsen zum einen ab einer bestimmten Höhe weniger Pflanzen, das heißt die Belastung durch Pollen ist stark reduziert, zum anderen gibt es dort so gut wie keine Hausstaubmilben und die Umweltgifte verringern sich. Am Meer ist es ähnlich, die Luftmassen über dem Wasser sind überwiegend allergen- und schmutzfrei. Ein weiterer Pluspunkt an der Küste ist das Salz in der Luft, es bindet die Feuchtigkeit in der Atemluft und legt sich wie ein Film auf die Schleimhäute. So bekommen die Atemwege mehr Feuchtigkeit und tiefsitzender Schleim kann besser abgehustet werden. Am stärksten ist der Effekt direkt an der Brandung, da dort besonders viele Wasser- und Salzteilchen in die Luft gewirbelt werden.


=> Oftmals hört man bei der Therapie von Lungenerkrankungen von dem Einsatz sogenannter Ventile. Wie genau funktioniert das Verfahren?

Vielen Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen stehen im Laufe der Zeit immer weniger funktionierende Lungenbläschen für den Sauerstoffaustausch zur Verfügung. Diese Alveolen reißen ein und verbinden sich zu ausgedehnten Blasen, in denen die Luft quasi ‚hängenbleibt’, sogenannte Emphysemblasen. Dadurch verringert sich unter anderem die Gesamtfläche der Lunge und weniger Sauerstoff wird in das Blut abgegeben. Den Patienten fällt das Luftholen mit der Zeit immer schwerer. Ärzte können dann zur Linderung der Symptome kleine Ventile in bestimmte Bronchienzweige einsetzen. Sie lassen die eingeschlossene Luft entweichen und verhindern, dass neue hinein gelangt. Damit wird der erkrankte Bereich vom Luftkreislauf abgeschnitten und der Rest der Lunge ist leistungsfähiger. Ist das Lungengewebe allerdings noch nicht genug oder schon zu schwer geschädigt, müssen die Ärzte auf Alternativverfahren zurückgreifen. Für letzteres kommen dann meist elastische Spiralen aus dünnen Drähten, sogenannte „Coils“, in Frage. Auch sie werden schonend eingesetzt und sorgen dafür, dass sich das erkrankte Lungenareal quasi zusammengefaltet und so die Überblähung reduziert.

Tipps für Atemübungen



=> Sind Atemübungen bei Lungenerkrankungen sinnvoll und wenn ja, welche?

Den Großteil unseres Lebens schenken wir dem Luftholen nur wenig Beachtung, im Alltag atmen wir deshalb oftmals viel zu flach. Bei Patienten mit schweren Lungenerkrankungen wiederum kehrt sich das oftmals um und ihr Leben kreist nur noch um das Ringen nach Luft. Hier können entspannende Übungen und Techniken sinnvoll dazu beitragen, das Atmen zu erleichtern und Ängste oder sogar Panik bei Luftnot zu vermeiden. Durch eine gezielte Atemgymnastik können Patienten zudem die Atemmuskulatur stärken und sogar ihre Atemleistung erhöhen. Dabei ist allerdings meist die Anleitung durch Atemtherapeuten notwendig.

Hier deshalb nur einige Basisinformationen:
Bei den Übungen gilt grundsätzlich: Das Einatmen sollte langsam über die Nase erfolgen. Der Mund bleibt dabei geschlossen. Das Ausatmen wiederum erfolgt über den Mund, so langsam wie möglich, gerne mit hörbaren Lauten, etwa einem „sss“ oder „sch“.
Häufigste Übung: Die Lippenbremse
Diese Übung ist die Grundlage vieler anderer Techniken und kann besonders bei akuter Atemnot helfen. Dabei wird die Luft durch die Nase eingeatmet und durch den gespitzen, nur leicht geöffneten Mund langsam und kontrolliert wieder ausgeatmet. Durch diese Methode weiten sich die Atemwege und die Lunge kann sich entleeren.
Eine weitere Übung: Der Kutschersitz
Für diese Übung sitzt man aufrecht auf dem vorderen Teil eines Stuhls. Dann lässt man sich langsam mit rundem Rücken zusammensacken. Die Unterarme ruhen dabei auf den Oberschenkeln und die Hände hängen locker herunter. So wird der Brustkorb entlastet und geweitet.


=> Welche chirurgischen Verfahren können bei der Therapie von Luftnot zum Einsatz kommen?

Die meisten Patienten können gut mit den konservativen Methoden oder bronchoskopischen Verfahren wie den Ventilen behandelt werden. Ein größerer operativer Eingriff ist daher immer nur die letzte Option und kommt meist bei akuter Atemnot, etwa bei einem Lungenzusammenfall (Pneumothorax), bei Lungentumoren oder bei schweren Verläufen chronischer Erkrankungen zum Einsatz. Dann können die Chirurgen beispielsweise mit Hilfe von Drainagen Flüssigkeit aus der Lunge oder dem Brustkorb saugen, nicht funktionstüchtige Teile der Lunge oder bösartiges Gewebe entfernen sowie Verletzungen versorgen. Ist das Herz die Ursache gibt es zahlreiche weitere Verfahren wie etwa der Einsatz von Stents oder das Legen von Bypässen.


=> Seit ich ein Atemspray nutze, bin ich fast durchgängig heiser. Woran liegt das?

In vielen Sprays ist Kortison enthalten. Solange es dort landet, wo es seine Wirkung entfalten soll, nämlich in den Atemwegen, verursacht es in aller Regel keine spürbaren Nebenwirkungen. Manchmal können Reste des Sprays aber auf dem Weg in die Lunge im Rachen verbleiben und dort zu Heiserkeit oder auch einer Pilzinfektion führen. Das ist unangenehm, aber harmlos. Helfen kann es, wenn die Patienten nach dem Inhalieren den Mund kräftig mit Wasser ausspülen, gurgeln oder auch direkt die Zähne putzen. Wichtig ist es dann aber, das Wasser nicht herunterzuschlucken, sondern auszuspucken.

Tierhaltung bei Lungenerkrankung?



=> Ist es möglich trotz einer Lungenerkrankung Tiere zu halten? Welchen Einfluss kann das haben?

Hier müsste zunächst geklärt werden, ob der Patient auf die Tiere oder die dazugehörige Umgebung (etwa das Heu im Stall) allergisch oder zumindest empfindlich reagiert. Denn Allergien können die Beschwerden, etwa von Asthma- oder COPD-Patienten erheblich verschlimmern, weil sie die Atemwege zusätzlich reizen. Das lässt sich am schnellsten durch einen Allergietest etwa beim Hautarzt herausfinden. Liegen keine Allergien vor, spricht in den meisten Fällen nichts gegen eine Fortführung der Tierhaltung.

Text: Kathrin Unterberg / Sabine Justen, Fotos: Frank Preuß
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