Prävention zum Schutz der Kinder vorantreiben

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Regina Hallmann (Foto: Privat)
Der Antrag ist auf den Weg gebracht. Im Frühjahr sollen die Ergebnisse dem Jugendhilfeausschuss vorgestellt werden. SPD- und CDU-Fraktion beauftragen in dem gemeinsamen Papier die Verwaltung, "die Instrumente der bisherigen Präventionsoffensive zu überprüfen und zu einer umfassenden Präventionsstrategie im Kontext der frühkindlichen Bildung und der frühen Hilfen weiter zu entwickeln".



Hintergrund sind die aktuellen Zahlen des Jugendamtes. "Prüfungsverfahren und Fälle von Kindeswohlgefährdung haben in Essen zugenommen. Auch Inobhutnahmen und die Zahl der Notaufnahmen sind gestiegen", liest die Sprecherin des Jugendhilfeausschusses, Regina Hallmann, die Statistik. Von den 2.309 Prüfungen in 2016 ergaben 346 eine akute Kindeswohlgefährdung, in 2015 waren es noch 233 Fälle. "Allerdings wurden trotz des Anstiegs nicht überproportional mehr akute Kindeswohlgefährdungen festgestellt als in der Vergangenheit." Der Anteil latenter Kindeswohlgefährdungen (32 Prozent) ist sogar proportional rückläufig.

Hilfebedarf ist gestiegen

Einen deutlichen Anstieg (61 Prozent) gab es hingegen beim Hilfebedarf. "In diesen Fällen wurde keine Kindeswohlgefährdung festgestellt, allerdings ein Hilfebedarf der betroffenen Familien", so die Ratspolitikerin. Proportional gering fiel mit 28 Prozent der Anstieg der Fälle aus, in denen letztendlich eine Form von Inobhutnahme als notwendig angesehen wurde.
Gründe für den Anstieg der Zahlen sind nach Meinung der Verwaltung unter anderem in der Bevölkerungsstatistik zu suchen. Die Zahl der Essener im Alter zwischen 0 und 18 Jahren ist von 89.749 (31.12.2015) auf 92.558 (31.12.2016) gewachsen. Und auch der starke Zuzug von Flüchtlingen im Jahr 2016 habe eine Rolle gespielt, ist man sich im Jugendamt sicher. "Es gab viele Meldungen gerade aus Übergangseinrichtungen", hat Regina Hallmann erfahren. "Erziehungs- und Versorgungsvorstellungen in den Herkunftsländern unterscheiden sich teilweise deutlich von hier geltenden Normen. Und jeder Hinweis auf mögliche häusliche Gewalt wird als Gefahrenlage bewertet und taucht damit in der Statistik auf."

Mehr Kontrollen, größere Sensibilität

Trotz des Anstiegs ist sich Hallmann sicher: Die Präventionswerkzeuge in Essen greifen. "Es wurde mehr kontrolliert, Gesellschaft und Institutionen sind sensibler geworden im Umgang mit dem Thema", so die Schönebeckerin. 28 Prozent der Meldungen seien aus dem direkten Umfeld (Familie, Verwandte, Nachbarn) erfolgt, 33 Prozent über die Polizei und Justiz sowie 23 Prozent von Kitas und Schulen. "Die Kooperationen greifen, die die vor zehn Jahren entwickelte Präventionsoffensive auf den Weg gebracht hat." Dennoch soll diese jetzt noch einmal auf den Prüfstand. "Wir müssen uns der Herausforderung stellen, die die Zahlen darstellen", so Hallmann. SPD und CDU erhoffen sich durch die in Auftrag gegebene Überprüfung der bisherigen Instrumente eine weitere Verbesserung. Durch deutliche Stärkung der Familien sollen Kindeswohlgefährdungen wirksam verhindert werden. "Mit dem Ziel, die Zahl der Inobhutnahmen durch das Jugendamt zu senken."
Eine zentrale Rolle soll nach Vorstellungen der beiden großen Fraktionen dabei den Familienzentren zukommen. "Sie sollen bei der Weiterentwicklung der Essener Präventionsoffensive zur Verhinderung von Kindeswohlgefährdungen und Inobhutnahmen mit neuen Aufgaben betraut werden", erklärt Regina Hallmann. Regina Hallmann ist Sprecherin des Jugendhilfeausschusses. Foto: privat  Die Maßnahmen der Begleitung junger Familien mit Risikofaktoren sollen im Zeitraum Beginn der Schwangerschaft über die Geburt des Kindes hinaus bis zu seinem sechsten Lebensjahr erfolgen.
 Der in Essen bereits erfolgreich erprobte "Sichere Start" soll ausgebaut werden. Weitere Träger sollen dazu mit eingebunden werden, die Angebote werden an die Essener Familienzentren angebunden.
 Die Babybesuche sollen auf alle Geburten in Essen ausgedehnt werden. Durchgeführt werden sie durch Mitarbeiter des Jugendamtes.
 Begleitung von mehr Familien durch Familienbegleiter und -coaches.
 Stärkung der Familienzentren durch Begleitung, Coaching und personelle Unterstützung.
Besonderer Schutz von Kindern psychisch kranker Eltern. Ein Netzwerk ist im Aufbau und soll mit entsprechenden Ressourcen ausgestattet werden. Essener Präventionsstrategie
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