1:6: Kleine Fohlen demütigen RWE!

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Das war beste Werbung für Borussia Mönchengladbach: Rot-Weiss Essen karrte zum Familientag ganze Schulklassen an die Hafenstraße - und ließ sich dann von den kleinen Fohlen mit 1:6 demütigen. Hätte nur noch gefehlt, dass der Fan-Shop Borussia-Artikel anbot. Der treue Anhang unter den optimistisch gezählten 10.500 Zuschauern (inklusive Dauer- und Freikarten) fühlte sich „verarscht“.

An der Hafenstraße herrscht jede Menge Redebedarf. Wenn die Packung denn mal verdaut ist. Kurz nach dem 1:6-Schlusspunkt durch Dennis Dowidat, gleichbedeutend mit dem Abpfiff, fehlten den Beteiligten die Worte. Kevin Grund, einer der wenigen Akteure, die nicht flugs in der Kabine verschwanden, entschuldigte sich mit leiser Stimme; die Mannschaft konnte sich glücklich schätzen, dass Trainer Waldemar Wrobel erst gar nicht ausholte – sein Urteil wäre ungewohnt unsachlich ausgefallen: „Dazu fällt mir nichts Objektives mehr ein.“

Die Schelte seitens des Publikums war ohnehin derbe genug: Pfeifkonzerte schon nach einer halben Stunde, einige Fans auf der Stehtribüne brachten die Truppe auf dem Rasen mit dem ungeliebten Nachbarn aus Gelsenkirchen in Verbindung. „Wollt Ihr uns verarschen?“, fragten die Ultras lautstark.

Das 1:6 musste als Antwort vorerst genügen. Wie will man auch erklären, dass man vermeintliche Tiefpunkte (0:5 gegen Hüls, Pokalaus gegen einen Oberligisten) durch einen noch größeren Offenbarungseid vergessen machen kann? „Wir wissen, was wir vermissen lassen. Wir nehmen uns eine gute Zweikampfführung, eine gute Ordnung vor. Und dann so etwas“, lässt Wrobel ratlos durchblicken.

Als Beobachter kann man nur vermuten: Das ist eine Frage des Charakters. Dass eine Not-Abwehr mit Thomas Denker, Kai Nakowitsch und Holger Lemke als Rechtsverteidiger nicht sattelfest stehen kann – akzeptiert. Aber so ziemlich jeder Treffer war mit nur einem Funken Vehemenz zu verhindern gewesen. So durfte sich ein Stürmer wie Guiseppe Pisano ungestört aus der Krise ballern. Vier Stück gingen auf dessen Konto. Mal eben in zweistellige Sphären geschossen (zehn Saisontreffer): „Wie im vergangenen Jahr. Damals hat Marcel Podszus vier Tore gemacht“, bemerkte Gäste-Trainer Sven Demandt. Ein 35-Jähriger schoss Rot-Weiss ab. Pisano - der von Stadionsprecher Walter Ruege zwischenzeitlich zum Pizarro geadelt wurde – ist zehn Jahre jünger. Was die neuerliche Heimpleite gegen Gladbach natürlich nicht schmälert.

Wenn man diesem Nachmittag unbedingt etwas Positives abgewinnen möchte: Mit Marcel Platzek hat Rot-Weiss Essen einen Mann verpflichtet, der Geschenke dankend annimmt. Der Rückkehrer traf gegen seine künftigen Kameraden. Und: „Trotz der letzten Ergebnisse bin ich der Ansicht, dass Essen eine gute Saison spielt“, meinte Demandt. Ganz ohne Hohn wohlgemerkt. Viele Fans wird diese Feststellung aber kalt lassen. Den ordentlichen Gesamteindruck hat die Mannschaft in diesen Wochen verspielt.
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