ENSEMBLE RUHR: BRIDGES

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Im eigens für das Publikum abgehaltenen Gottesdienst lernt man Gebetssaal und Rituale kennen. (Foto: Foto: Fatih Kurcuren)
Essen: Hindu Tempel |

"Bitte Schuhe ausziehen!"


Das Ensemble Ruhr baut mit seinen musikalischen Mitteln Brücken zwischen Religionen
Am Eingang des afghanischen Hindu-Tempels im Essener Ostviertel wird der Besucher als erstes gebeten, seine Schuhe auszuziehen. Auf Socken taucht man in eine andere Welt ein, die man vor dem Gebäude stehend nicht erwartet hätte, und glaubt sich in einem fernen Land.
Am vergangenen Donnerstag empfingen wohlklingende Streicher- und Bläserklänge und traditionelle Musik mit dem Tabla, ein nordindisches Schlaginstrument, und Harmonium das Publikum. Ein weiteres Mal hat das Ensemble Ruhr ein Projekt auf die Beine gestellt, das seine Grundideen, klassische Musik an ungewöhnliche Orte zu bringen und mit aktuellen Themen der Gesellschaft zu verbinden, realisiert. Als Ensemble aus der und für die Region wollen die jungen Musiker andere Kulturen und Religionen willkommen heißen und mit ihren Mitteln Grenzen überwinden und Brücken bauen. An drei Tagen besuchten die jungen Musiker mit einem klassischen Kammerorchesterprogramm mit Werken von B. Bartók, W.A. Mozart, A. Bruckner und N. Rota die Gemeinde der chaldäischen Christen aus dem Irak in der Kirche St.- Magnus in Essen-Beissen, den afghanischen Hindu-Tempel in Essen und die Yeni-Camii Moschee in Essen-Altenessen. Vor Ort gestalteten sie mit Mitgliedern der Gemeinden ein abwechslungsreiches Konzertprogramm: Von Kirchenliedern in aramäischer Sprache, gesungen vom Kirchenchor der chaldäischen Christen, über traditionelle afghanische Musik mit Tabla, Harmonium und Gesang bis zu türkischen Gedichten, vorgetragen von Jugendlichen der Moscheegemeinde und Volksliedern in Begleitung vom traditionellen Zupfinstrument, der Sass. Bei jedem Konzert erhielt das Publikum Informationen zu der jeweiligen Religion aus erster Hand und konnte im Tempel und in der Moschee sogar an einem Gebet teilnehmen. Das professionelle Kammerorchester unter der sensiblen und nuancierten Leitung des Geigers Stefan Hempel, der auf herausragende Weise den Solopart des 1. Violinkonzertes in B-Dur von W.A. Mozart übernahm, bewies wieder einmal sein hohes Niveau durch facettenreiches und dynamisches Spiel, einerseits temporeich und fast perkussiv, andererseits einfühlsam und hochemotional.
Wenn nach den uns bekannten klassischen Werken die Musik der Gemeinden erklang, entstanden ganz besondere Momente. Wie schön, wenn so unterschiedliche Kulturen friedlich aufeinandertreffen und eine universelle Sprache finden, die Sprache der Musik. Schade nur, dass dieses besondere Projekt so wenig Beachtung in der Öffentlichkeit und der Presse gefunden hat. Denn man muss sagen: „Bitte mehr davon!“
Text: Antje Weltzer-Pauls
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