Eine, die die Welt gesehen hat

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Claudio Schlegtendal begrüßte seine Freundin Heidi Hetzer in Essen. Fotos: Hubernagel
  Rallyefahrerin Heidi Hetzer umrundete die Welt in 87-jährigem Oldtimer

Auf die Kreuzung am Rüttenscheider Stern biegt ein wunderliches Automobil ein. Blau, mit Stickern und Weltkarte beklebt, kommt ein Hudson Great Eight, Baujahr 1930, vor dem neuen Gebäude Rü 62 zum Stehen.

Heraus klettert Heidi Hetzer, 79 Jahre jung, und wird von allen Seiten bejubelt, beklatscht und fotografiert. Etliche Minuten vergehen, bis die Berlinerin nicht mehr belagert wird. Warum der Aufruhr? Heidi Hetzer ist eine der bekanntesten Rallyefahrerin der 60er bis 80er Jahre und erlangte in den letzten Jahren wieder vermehrt Aufmerksamkeit durch ihr Weltreiseprojekt. Auf den Spuren von Clärenore Stinnes, die von 1927 bis 1929 als erster Mensch in einem Personenwagen die Erde umrundete, reiste Heidi Hetzer in ihrem Oldtimer über zwei Jahre lang durch sechs Kontinente. Bei manchen Strecken hatte sie dabei Begleitung, große Abschnitte befuhr die fünffache Großmutter jedoch allein. Wie den Torugart-Pass, der den Süden Kirgisistans mit China verbindet, und den Heidi Hetzter bei -21° Celsius mit Müh und Not passierte. Denn offiziell einzureisen war verbunden mit erheblichen Schwierigkeiten: in China ist es nämlich nur unter 69-Jährigen erlaubt, selbst Auto zu fahren. „180 Euro, schwarz“, erzählt die Weltumrunderin auf die Frage, wie sie denn das flächenmäßig viertgrößte Land der Welt durchquert hat.

Woher nimmt Heidi Hetzer diese Energie, was treibt sie an? „Als Frau musste ich immer kämpfen, vor allem in der Automobilbranche“, erklärt die gelernte Kfz-Mechanikerin. Jetzt möchte sie ein Beispiel für andere Frauen sein, „nicht rumsitzen, sondern machen“ ist ihr Motto.
Gesessen hat Heidi Hetzer in den letzten zweieinhalb Jahren nur auf ihrem Autositz und dabei 84.000 Kilometer hinter sich gelegt. Über Asien nach Australien, mit dem Schiff nach Nordamerika, mit Oldtimer „Hudo“ bis nach Argentinien, wieder per Schiff in den Süden Afrikas, von dort zum Hafen in Portugal und quer durch Europa reiste sie, bis sie schließlich in Essen zum Stehen kam. Dabei war die Unternehmerin schon einmal Anfang 2016 in der Ruhrstadt. Eine Krebserkrankung machte ihr damals einen Strich durch die Rechnung, der befreundete Essener Chirurg Claudio Schlegtendal holte sie aus der peruanischen Hauptstadt Lima ins Uniklinikum.
Doch auch schöne Erinnerung verbinden Heidi Hetzer und Essen. So fuhr sie schon bei der Oldtimer-Ausfahrt „Tour de Rü“ mit. „Natürlich ist sie auch dieses Jahr, am 22. April, wieder herzlich eingeladen“, lässt IGR-Vorsitzender Rolf Krane verlauten.
Erst geht es aber nach kleinen Zwischenstops in Köln, Rüsselsheim, Bad Homburg und einem Familientreffen im Harz am 12. März nach Hause, nach Berlin. „Über den Kudamm, vorbei an der Siegessäule zum Brandenburger Tor“, freut sich Heidi Hetzer auf die letzten Meter der Tour, „dann werde ich von 45 Vertretern der 45 Länder begrüßt.“

Eine Woche noch bis nach Hause

Wird Heidi Hetzer dann sesshaft und lässt das Fahren sein? „Erstmal muss ich meine Geburtstagsfeier planen, ich werde ja schließlich 80 im Juni“, erzählt sie, „aber der nächste Reiseplan steht.“ Wohin? „Von Ägypten bis nach Südafrika“, verkündet die fast-80-Jährige, „ich möchte gern mal die Pyramiden sehen.“
Auf die Frage, ob sie plant, ein Buch über ihr Abenteuer zu schreiben, lacht Heidi Hetzer nur: „Das werde ich wohl müssen.“ Nur sieben Jahre älter als seine Fahrerin ist der Hudson Great Eight, der hier von Rolf Krane willkommen geheißen wird.
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