Düster.Weltschmerz.Hoffnung - gelungenes Sound-Projekt bei kunstwerden

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Die Band „Bondage & Kleist“ beeindruckte bei „kunstwerden“.

Bei „kunstwerden“ in den Werdener Toren trat das Sound-Projekt „Bondage & Kleist“ auf. Geboten wurde Düsteres, wohltuend fern ab von aller sentimentaler „Gothic“- oder „Dark Wave“-Attitüde.

Die Schauspielerin und Sängerin Charis Nass, von 1999 bis 2003 Schauspiel-Studentin an der Werdener Folkwang-Hochschule, macht auch Musik, seit vier Jahren zusammen mit dem Elektro-Musiker Michael Pieper. Unter dem Titel „Bondage & Kleist“ sucht das Duo die Avantgarde, die musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten reichen ihnen nicht, so werden auch Elemente der Perfomance, des Tanzes, Videoprojektionen eingesetzt. Das Ganze ist ein rundes, gleichzeitig „kantiges“ Gesamtkunstwerk, das Motto „Es knarrt im Weltenscharnier“ deutet an, wohin die Reise geht. Im Keller des Werdener Kunstvereins, in stimulierender Fabrik-Atmosphäre, fühlen sich die Protagonisten spürbar wohl. Die Bühne wird durch ein Seilgespinst vom Publikum getrennt, Pieper, im Maschinisten-Look mit Uniformmütze, betritt die Szene und verschmilzt mit seinem technischen Gerät, wird sich bis zum Ende der Show kaum noch bewegen. Hier meint man Wurzeln bei der Düsseldorfer Kult-Band „Kraftwerk“ zu spüren, der Sound ist metallisch, industriell, jedoch mit satten Beats fast schon „tanzbar“. Charis Nass robbt sich durch den Saal, windet sich durch das „Spinnennetz“, nimmt ihren Platz am Mikrophon ein.

Ein bisschen Hoffnung

Wechselnd in Deutsch oder Englisch werden düstere Szenarios beschworen – ein unheimlicher Fremder, Alpträume, Weltschmerz, aber auch fast naive Hoffungsschimmer: „When I was a child…I loved the rain. To see the raindrops fall, to feel the raindrops in my face. To feel alive…“ Die Stilbrecher von „Bondage & Kleist“ nehmen mit auf einen Seelentrip, der wie ein Schreck in die Glieder fährt und den Zuhörer nicht loslässt. Charis Nass präsentiert sich als Mix einer Lene Lovich und einer getunten Anne Clark, verarbeitet persönliche Texte zu dichten Bildern, echt verschroben. „Die Ohnmacht sitzt tief im kollektiven Geist, die Angst macht sich breit, so dass Gelächter entgleist. Hohl treten Stimmen an Dein Ohr!“ Ein Dank für diesen Abend gilt den Musikern, aber auch „kunstwerden“. Mehr davon!
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