Schön und doch fremd

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Nur zu gerne lässt die Künstlerin den Betrachter im Ungewissen. Foto: Bangert
 
Gerda Schlembach lädt ein zu einer Reise in die menschliche Imagination. Foto: Bangert

Werke aus Glas und Silikon - Gerda Schlembach stellt bei „kunstwerden“ aus

Ein Material, das fasziniert. Glas ermöglicht den Blick auf die Welt, lässt Licht herein, hält gleichzeitig die Umwelt draußen. Gerda Schlembach lädt ein zu einer Reise in die menschliche Imagination.

Die Künstlerin lebt und arbeitet seit 1995 in Werden. Mit ihren Arbeiten steht sie in großer Tradition, etwa der „Lichtmühlen“ der Gruppe Zero oder Adolf Luther und seiner Spiegelobjekte. Gerda Schlembach wohnt am Wesselswerth, nun sind ihre Werke ganz in der Nähe zu sehen. Bei „kunstwerden“ in den Werdener Toren an der Ruhrtalstraße sind bei der Ausstellung „Tauchgang“ Arbeiten rund um den „immateriellen“ Werkstoff Glas zu erleben.

Schemenhafte Formen

Die Mitte des industriellen Raumes wird bestimmt von einer Installation mit Schichtungen quadratischer Glasträger mit Silikonzeichnungen, die auf Tischen förmlich „aufgedeckt“ sind. Die einzelnen Komponenten sind durchaus verschieden kombinierbar, immer wieder neu zu erfinden, zu konstruieren. Hier bekommt der Titel „Tauchgang“ seinen ganz eigenen Sinn, die an eine Holgraphie erinnernden 3D-Objekte ziehen in die Tiefe, sie entwickeln eine geradezu magische Sogwirkung. Schwebend, schemen-, fast geisterhaft werden Formen sichtbar. Es öffnen sich immer neue Vorstellungsebenen, Lichtbrechungen und Spiegelungen. Das erhöht den ästhetischen Genuss, lässt auch Fragen offen. Gerda Schlembach spielt hier mit der Wahrnehmung, möchte „verrätselt“ bleiben und dadurch beim Betrachter einen gedanklichen Kreislauf anregen.

Stimmiges Ensemble

Berückend schön und doch fremd ist die Serie der „Drusen“. Sorgfältig abgeschliffene Gipsfragmente sind mit Bruchglas ausgekleidet. Sie assoziieren
bereits im Titel kristalline Gesteinsformen. Gerda Schlembach möchte „das unbekannte Innere sichtbar machen“. Der haptische Kontrast könnte größer kaum sein: Hier die schmeichelnde Oberfläche, dort das zersplitterte Glas. Und doch fügt es sich zu einem stimmigen Ensemble.
An den Wänden wirken die großformatigen Siebdrucke auf Floatglas oder Transparentpapier mit ihren botanisch anmutenden Formen wie ein riesiges Herbarium. In einem ambitionierten Prozess werden „flott dahin geworfene“ Skizzen digitalisiert, am Computer ein 3D-Modell entwickelt. Die so entstandenen Gitterzeichnungen „Wireframes“ vermitteln eine scheinbare Tiefenwirkung.
Nur zu gerne lässt die Künstlerin den Betrachter im Ungewissen, ob es sich um reale oder „erfundene“ Strukturen handelt: „Als würde man die Natur neu konstruieren.“ Der Prozess bleibt spürbar und der Betrachter wird beteiligt.

Heiterer Aspekt

Einen heiteren Aspekt bringen die „Ableger“. Elastische Silikon-Objekte, die in serieller Arbeit eigens für die Ausstellung angefertigt wurden. Frei assoziierend gitterförmige, organische Formen gefunden, die oft an Tiefsee-Bewohner erinnert, etwa an Quallen. Hier hat die Künstlerin hochwertiges Silikon verwandt, welches eine verspielte Eigenschaft hat: Das Objekt kann in der Hosentasche transportiert werden, springt aber wieder zurück in seine ursprüngliche Form.
Die Lichtkästen mit den auf Plexiglas gezogenen Diapositiven sind Blicke in eine hermetische Welt, im kleinen, eigentlich alltagsbekannten. Das abgestandene Wasser einer Blumenvase ersetzt der Künstlerin einen Tauchgang im Ozean.

Zu sehen ist ihre Ausstellung „Tauchgang“ bis zum 12. März, Öffnungszeiten sind freitags von 20 bis 24 Uhr, sonntags von 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.
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