Achtung! Knuddelalarm

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In der Jona-Kirche lesen Großeltern den Kita-Kindern vor. Foto: Bangert
 
Die Mienen der Kleinen spiegeln die Faszination des Vorlesens wider. Foto: Bangert

Das Evangelische Jona-Familienzentrum am Schwarzen legt großen Wert aufs Vorlesen und Erzählen

Kennen Sie IGLU? Gerade erschienen die neuesten Ergebnisse der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung und ein Aufschrei geht durchs Land: „Unsere Kinder können nicht mehr lesen.“ Deutschland hat schon besorgniserregende Daten aufzuweisen: Der Anteil an Kindern, die zu ihrem Vergnügen lesen, ist gesunken. Die Schere zwischen besonders lesestarken und Grundschülern mit starken Leseschwächen klafft immer mehr auseinander. Die Herkunft spielt eine Rolle. Ein Drittel der Eltern liest ihren Kindern zu selten vor. Schon bei der Einschulung liegen viele i-Dötzchen um Jahre zurück.

Die Fantasie der Kleinen anregen

Warum sind Vorlesen und Erzählen so wichtig? Besonders das frühe Vorlesen stärkt Kinder auch sozial und emotional, vermittelt Freude und Interesse an Sprache und an Texten. Lesen ermöglicht, erst einfache und später komplexe Informationen zu entschlüsseln. Das Evangelische Jona-Familienzentrum am Schwarzen bietet verschiedene Zugänge zur Welt der Bücher. Sandra Mintrop leitet die Jona-Kita und zählt die Wege auf, um den Kindern Appetit aufs Lesen zu machen: „Wir lesen ständig vor. Schön ist es, wenn man die Kinder zum Mitmachen animieren kann. Uns hilft da eine Handpuppe, unsere kleine Schnecke. Die begleitet das Vorlesen und regt die Fantasie der Kleinen an. Sie fordert auch schon mal Unachtsame zu mehr Konzentration auf. Das zieht übrigens besser, als wenn es die Erzieherin sagt.“ Einmal in der Woche geht es nach Werden in die Stadtteilbibliothek. Im Flur steht eine Kiste mit aussortierten Büchern, da darf man sich bedienen. Die Kita hat sogar eine kleine Elternbibliothek. Sandra Mintrop lächelt: „Das sind aber beileibe keine Kindererziehungs-Ratgeber, sondern Belletristik. Das Team liest auch sehr gern und tauscht sich eifrig aus. Zwei Lese-Omas sind bei uns fest verankert, wir freuen uns über weitere Vorleser.“

Gemütliche Leseinseln

Ein Beispiel: Vorlesenachmittag am Schwarzen. Aus der Jona-Kirche dringt leises Murmeln. Die Großeltern sind eingeladen, den Kleinen vorzulesen. Jeder sucht sich einen schönen Platz aus, ob auf der Empore, an der Orgel oder auf den Stufen zum Altar. Die ausgestellten Werke von Künstlern der JonArt Malschule runden das stimmige Bild ab. Es ist mollig warm im Gotteshaus, mit Decken und Kissen werden noch kleine gemütliche „Leseinseln“ geschaffen und los geht’s: Ausgesucht wurden völlig verschiedene Bücher, einige textlastig, andere mit vielen Bildern. Auf dem Bauernhof ist Sommerfest. Doch der frischgebackene Apfelkuchen ist verschwunden! Eine höchst verdächtige Krümelspur scheint die Kuh Lieselotte zu belasten. Da wird berichtet von den beiden Wollschweinen Krümel und Fussel, für die es nichts Schöneres gibt, als sich stundenlang im Schlamm zu suhlen. Oder wie wäre es mit der Geschichte von Tüftler Hieronymus Frosch und seinen aberwitzigen Erfindungen? Fast schon Programm ist der Buchtitel „Achtung! Knuddelalarm“. Die Wirkung ist verblüffend. Die Kinder fühlen sich geborgen, tauchen mit ein in die Welt der Bücher. Nur wenige müssen ein kleines Bewegungsdefizit mit etwas Herumrennen kompensieren, ein Kind schläft sogar wohlig ein.
Natürlich bekommen die Vorleser eine Belohnung. Die Vorschulkinder haben Waffeln und Doughnuts gebacken, dazu gibt es Kaffee, Wasser und Schorle. Sandra Mintrop träumt noch etwas vor sich hin: „Bei 25 Kindern in einer Gruppe fällt es natürlich schwer, allen beim Vorlesen gerecht zu werden. Daher hätten wir so gerne einen ‚Raum der Stille‘, dort könnte man in kleinen Gruppen vorlesen und erzählen, dabei die Seele baumeln lassen…“
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