Beste Anthrazitkohle

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Die Kumpel trafen sich mit Hanslothar Kranz und "Jungspund" Dirk Hagedorn. Foto: Bangert
 
Am 27. April 1973 steht der Bergmann Richard Voigt unter Tage vor zwei Kohlehunten. Foto: Richardt Voigt

In „Krüger’s Landgasthaus zum Hespertal“ trafen sich die Ehemaligen von Pörtingssiepen

Das jährliche Treffen der Ehemaligen von Pörtingssiepen und Carl Funke führt in Ehren ergraute Herren ins „Krüger’s Landgasthaus zum Hespertal“. Dort wird über alte Zeiten philosophiert und von damals erzählt.

Die Treffen wurden vom früheren Betriebsrat Walter Heininger angeleiert. Die „Tagungsstätte“ war schnell gefunden: Das Hespertal-Gasthaus lebt die Tradition der nahegelegenen Zeche Pörtingssiepen auf besondere Art weiter. Geradezu einmalig ist die Kegelbahn, die unter der Leitung des früheren Wirts Ehrenfried Ruf stilecht als „Erbstollen Marianne“ gebaut wurde. Die Anfänge von Pörtingssiepen reichen weit zurück, Kohle wurde in der Gegend schon seit mindestens 1578 abgebaut. Der Name der Zeche geht auf den Begriff „Siepen“ für ein kleines Tal und den 832 erstmals urkundlich erwähnten Hof Poerting zurück.


Belegschaft von 3008 Mann

Mit einer Concession aus dem Jahr 1779 wurde zunächst im Stollenbergbau gefördert, schon 1835 im Schachtbergbau. Als Schacht II im Hespertal abgeteuft wurde, bekam er einen gemauerten Malakoffturm, der später durch ein Stahlfördergerüst ersetzt wurde. Im Jahre 1962 wurde die Förderung komplett auf die neue sechste Sohle in 700 Meter Tiefe verlegt. Vor fünfzig Jahren wurde aus den Zechen Pörtingssiepen und Carl Funke ein Verbundbergwerk, zum dem noch weitere Anlagen gehörten. Das Bergwerk bot einer Belegschaft von 3008 Mann Arbeit und Lohn. Damals wurde auch die höchste Jahresfördermenge mit über einer Million Tonnen bester Anthrazitkohle erreicht. Das Verbundbergwerk umfasste 53,3 Quadratkilometer bei einem untertägigen Gesamtstreckennetz von 74 Kilometern. Am 30. April 1973 erfolgte die Stilllegung, heute erinnert im renaturierten Gebiet noch eine rote Ablenkseilscheibe an die unterirdische Maloche. Bei der Sprengung des Förderturms 1982 blieb sie unversehrt.

Der Großvater war Bergmann

Bei den Treffen reden die Kumpel über ihre harte Arbeit unter Tage, servieren dazu nur zu gerne die eine oder andere saftige Anekdote. Mittendrin ein verdienter Ortspolitiker und ein „Jungspund“. Denn als Walter Heininger starb, fürchtete Schirmherr Hanslothar Kranz, mit dem Tod des Organisators gerate wieder ein Stückchen lokale Geschichte in Vergessenheit: „Immerhin ist Fischlaken das älteste Dorf im Ruhrgebiet.“ Also machte sich Kranz auf die Suche nach einem neuen „Vorsitzenden“ und wurde bei Dirk Hagedorn fündig: „Mach Du das doch!“ Der 47-Jährige übernahm nur zu gerne den Staffelstab: „Diese erlebte Geschichte darf nicht sterben.“ Wie kam Dirk Hagedorn in diesen illustren Kreis? Zunächst einmal war da sein Großvater. Bergmann Wilhelm Zander lebte am Scheppener Weg, in unmittelbarer Nähe zum Pütt. Als gelernter Schlosser reparierte Zander auf Pörtingssiepen unter anderem die überlebenswichtigen Pumpen.
Sein Enkel ist schon seit 20 Jahren Mitglied im Hespertalbahn-Verein. Der Informatiker übernahm den Aufbau der Homepage, dort entstand ein umfangreiches Archiv. Das Buch „Kohle, Kalk und Erze“ berichtet über die alten Bahnstrecken, die Bergbauhistorie im Hespertal. Joachim Leitsch hatte die erste Auflage herausgegeben, damals noch ein kleines Büchlein. Als 2008 eine umfangreichere Neuauflage angedacht wurde, übernahm Hagedorn und kniete sich rein. Viel Material kam zusammen, inzwischen ist die dritte Auflage in Planung: „Ich habe tolle neue Bilder gefunden.“

Alles wäre unwiederbringlich verloren

Bei seinen Recherchen stieß er auf Richardt Voigt. Der war neben seinem Beruf als Bergmann auch ein leidenschaftlicher Hobbyfotograf: „Ihm ist es zu verdanken, dass uns so viele und schöne Aufnahmen aus dem Betrieb Unter- und Übertage erhalten geblieben sind.“ Man lernte sich kennen, funkte auf einer Welle, es wurde Freundschaft. Eine Fundgrube mit über 40.000 Bildern war die Voigtsche Sammlung, allerdings ohne Benennung des Aufnahmeortes und genauer Daten. „Warum auch? Richardt hatte zu jedem Foto die dazugehörige Geschichte parat. Als er zu Ostern 91-jährig starb, sind diese Geschichten mit ihm von uns gegangen.“ Ein anderes Beispiel? „Im Bochumer Bergbaumuseum sah ich ein Bild von Vater und Sohn vor der Markenkontrolle. Habe weiter recherchiert, die Witwe besucht, mit dem Sohn gesprochen. Sie hatten aber fast schon alles weggeschmissen. Nur ein schönes altes Foto blieb mir noch. Wir müssen das für die Nachwelt aufbewahren. Bilder, Pläne, Berichte im Originalton, das alles wäre sonst unwiederbringlich verloren.“

Tütenkohle

Für Dirk Hagedorn wurde die Suche nach zeitgeschichtlichen Dokumenten zur Aufgabe: „Ich suche überall, bei facebook auf Seiten für Bergbau-Interessierte, auf Trödelmärkten, bei ebay, durchstöbere alte Telefonlisten. Manchmal werde ich auch fündig, wie etwa bei diesem Blechschild einer Verkaufsstelle für Tütenkohle.“ Zu Beginn des Treffs konnte er etliche dieser Gegenstände und Filme zeigen sowie Ruhrkohle-Magazine verteilen. Erst gegen 22.30 Uhr ging die fröhliche Runde nach „Glück Auf“-Lied und einem Schnaps auseinander.
Dirk Hagedorn ist erreichbar unter 0151-17423797 oder dirk.hagedorn@hespertalbahn.de und freut sich über alte Fotos, Unterlagen sowie Anekdoten zur Zeche Pörtingssiepen / Carl Funke und der Hespertalbahn.
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