Die neuen Nachbarn - Neueste Infos zur Landeseinrichtung in der gut besuchten Aula des Gymnasiums

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Die noch vorhandenen Betriebsgebäude des Kutel werden abgerissen.
 
Sozialdezernent Peter Renzel.

Essens Sozialdezernent Peter Renzel stellte sofort klar: „Unsere Einrichtungen sind voll - wir brauchen mehr Plätze!“

Die Infoveranstaltung der Stadt über den aktuellen Sachstand zum Bau der Landeseinrichtung auf dem ehemaligen Kutel-Betriebsgelände war gut besucht, an die 150 interessierte Bürger, Bezirkspolitiker, Ratsleute und Landtagsabgeordneter Thomas Kufen hatten den Weg in die Aula des Gymnasiums Werden gefunden.
Zunächst referierte Peter Renzel über die weltweit bedrohliche Lage in Krisenregionen und Kriegsgebieten, die wachsenden Flüchtlingszahlen, das Asylverfahren, die für alle Essener Einrichtungen geplante 24-Stunden-Betreuung, die neue Ratsvorlage.
Wie viele Asylbewerber Essen aufnehmen muss, berechnet sich nach dem sogenannten „Königsteiner Schlüssel“, der die Einwohnerzahl und das Steueraufkommen einer Kommune berücksichtigt. NRW muss 21,22 Prozent aller Flüchtlinge aufnehmen, Essen davon drei Prozent. Und da die neueste Prognose des Bundes um die 230.00 Asylbewerber erwartet, werden Plätze in Dauereinrichtungen fehlen. Also wurden neue Standorte vorgeschlagen, am 25. März soll der Rat entscheiden.

Erstaufnahmeeinrichtung

Dann soll sich die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes für Asylbewerber schon im Bau befinden. Auf dem Gelände des ehemaligen Kutel werden auf einem 15.400 Quadratmeter großen Areal mit zehn Gebäuden bis zu 800 „Bewohner“ untergebracht, geplant ist eine mittlere Belegung von 500 Menschen. Die Baukosten belaufen sich auf 32,883 Millionen Euro, die Einrichtung wird für 25 Jahre an das Land vermietet.
Es gibt eine Mensa mit 400 Plätzen, ein Spielhaus für Kinder, ein Frauenhaus, Frei- und Grünflächen, ein Bolzplatz, Fitnessräume, Kiosk, Cafeteria, Sanitätsstation, Waschmaschinenräume, Räumlichkeiten für Religionsausübung, eine zentrale Ausländerbehörde und einer Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge.
Die Gebäude werden in Modulbauweise errichtet, sind um einen zentralen „Dorfplatz mit Aufenthaltsqualität“ angeordnet.
Auch sollen ausreichend Platzangebote den ehrenamtlichen Helfern ermöglichen, zusätzliche Betreuungs- und Sprachprojekte sowie eine Kleiderkammer anbieten zu können. Hier wurde mehrmals die Flüchtlingshilfe-Organisation „Werden hilft!“ lobend erwähnt, die zurzeit Strukturen aufbaut, um gezielt helfen zu können. Peter Renzel begrüßte diese Initiative engagierter Bürger: „Wir sind da sehr dankbar und stolz!“

Wenig Ängste

Die Fragen der Bürger deuteten an, dass man sich in der Abteistadt bereits mit dem Thema beschäftigen konnte und ließen erfreulicherweise wenig Ängste oder gar Unmut über die „neuen Nachbarn“ erkennen.
Gezielt wurde nach dem Betreuungsschlüssel gefragt, ob es denn wirklich Stacheldraht und Flutlicht wie im Gefängnis gebe? „Es ist doch keine JVA, die Menschen dürfen natürlich vom Gelände runter. Aber viele werden gar keine Zeit haben, die Einrichtung zu verlassen. Die Flüchtlinge werden nicht jeden Tag bei Kika‘s vor der Tür stehen!“ Aber da es eine Einrichtung neuen Typs werde, fehlten hier natürlich die Erfahrungswerte.

Von Schleusern am Tor abgesetzt

Besonders beklemmend waren die Schilderungen Renzels, wie denn so eine Flucht bei uns enden könne: „Die Ärmsten der Armen kommen gar nicht hier an. Die Schleuser sind windige Geschäftsleute, die den Menschen die letzten Ersparnisse abnehmen. Die kommen dann morgens um fünf und setzen die Flüchtlinge vor dem Tor ab und sind dann weg!“
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