„Off Road“: Weihnachtsbäume als Jugendhilfe – Verkauf am 16./17. Dezember

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Verkäuferteam an der Frohnhauser Nelli-Neumann-Schule: Michaela Böntgen (stellvertretende Schulleiterin) und Christian von Witzleben (Sonderpädagoge) mit Jason und Dustin.
 
Winterliche Bedingungen an der Raumerstraße.
Essen: Nelli-Neumann-Schule | Eine besondere Schülergruppe der Nelli-Neumann-Förderschule verkauft in Frohnhausen und Überruhr Tannen aus dem Sauerland. Der Erlös fließt in ein erlebnispädagogisches Schulprojekt.

Frohnhausen, Raumerstraße 55 am Samstag vor dem zweiten Advent. Schneegriesel, Dämmerlicht. „Möchten Sie einen schmalen oder einen ausladenden Baum?“ Auf dem Lehrerparkplatz der Nelli-Neumann-Schule trotzen drei Schüler und zwei Lehrer dem Winterwetter, um Weihnachtsbäume zu verkaufen. Der Service stimmt hier: Hilfsbereit werden verschiedene Tannenbäume gezeigt, das Modell der Wahl mit dem Beil angespitzt, eingenetzt und zum Auto getragen. Selbstgebackene Kekse und handgefertigte Mützen sind auch erhältlich, dazu Kakao oder Punsch, den mir der 12-jährige Jason besonders ans Herz legt.

Klassenkonzept für Schulverweigerer

„Off Road“: Was verbirgt sich hinter dem Begriff? „Ein erlebnispädagogisches Programm“, erklärt Michaela Böntgen, stellvertretende Schulleiterin der Nelli-Neumann-Schule. „Damit können einige unserer besonders schwierigen Schüler eine Auszeit nehmen.“
Seit 2007 gibt es dieses besondere Konzept der Nelli Neumann Schule in Kooperation mit dem Diakoniewerk Essen und dem Jugendamt der Stadt Essen. Betreut wird die Off-Road-Gruppe von den Sonderpädagogen Yasha Dahlmann und Christian von Witzleben sowie Heiko Bielan vom Karl-Schreiner-Haus in Überruhr. Die Diakonie engagiert sich u. a. dadurch für das Projekt, indem der Gruppe im Karl-Schreiner-Haus Unterrichtsräume zur Verfügung gestellt werden. Das Jugendamt finanziert eine Sozialpädagogenstelle.
Insgesamt 8 Schüler im Alter zwischen 11 und 15 Jahren nehmen an „Off Road“ teil – alles Schulverweigerer mit großen Versagensängsten und misslungenen Schulkarrieren. Für die Off-Road-Gruppe steht ein Jahr lang eine Kombination aus Unterrichtseinheiten und abenteuer- bzw. erlebnispädagogischen Aktionen auf dem Stundenplan, darunter mehrtägiges Wandern und Zelten in den Alpen, Skifahren mit Aufenthalt in einer Selbstverpflegerhütte im Sauerland, Klettern in Belgien, Holzhacken und Feuermachen im Wald bei Langenberg.

„Hohe Erfolgsquote“

Klingt nach Urlaub? Ist es aber nicht. Regelmäßig verweigern sich Schüler auch den Aktivitäten im Freien. Und kommen dabei an ihre Grenzen, denn der Smartphone-Akku ist irgendwann leer – und draußen in der Natur ist „Abhauen“ nicht so leicht. Lehrer Christian von Witzleben: „In solchen Situationen überlegen wir dann alle: Wie kriegen wir das hin? Bis derjenige, der gerade aussteigen will, erkennt, dass es nur mit der Gruppe weitergeht. Dass er sich anschließen muss.“ Michaela Böntgen ergänzt: „Die Schüler kommen an ihre Grenzen. Wenn sie die Herausforderung meistern, bekommen sie ein besseres Selbstwertgefühl. Wir haben hier eine hohe Erfolgsquote. Gut die Hälfte der Schüler sind nach einem Jahr Off-Road-Programm voll und ganz gestärkt.“ Das bedeutet Wiedereingliederung in eine Klasse, Schulabschluss und Ausbildung statt Drogenabhängigkeit oder Abrutschen in die Kriminalität.

Viele frische Nordmanntannen

Durch den alljährlichen Weihnachtsbaumverkauf helfen die Off-Road-Schüler im Projekt mit und können sich etwas Taschengeld verdienen. Seit Herbst laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Die Gruppe hat Flyer vorbereitet, Straßenschilder gebaut, nebenbei etwas über Kalkulation gelernt und in die Arbeit eines Tannenbaumanbieters hineingeschnuppert. Anfang Dezember sind Schüler und Lehrer einen Tag zu dem Waldbauern Tacke ins Sauerland gefahren, haben ca.350 frisch abgeholzte Nordmanntannen aus der Plantage gezogen, aufgeladen und verpackt. Nun läuft der Verkauf. Der Erlös fließt zu 100 Prozent projektgebunden aufs Fördervereinskonto und soll 2018 erlebnispädagogische Aktionen ermöglichen.

Verkauf am 16. und 17. Dezember

Gelegenheit, eine der Tannen zu erwerben, gibt es noch am 16. und 17.12. (10 bis 17 Uhr) und vom 18.12. bis 22.12. (14–19 Uhr) an der Raumerstraße 55 in Frohnhausen.

Daneben läuft der Weihnachtsbaumverkauf am Wochenende 16.und 17.12. (10 bis 17 Uhr) auch am Karl-Schreiner-Haus, Krummecke 9-11 in Essen-Überruhr.

Je nach Größe kostet ein Baum 24 bis 54 Euro. Wer noch keinen Weihnachtsbaum hat, ist herzlich eingeladen – das Off-Road-Team freut sich über reges Interesse.
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