Charlotte Salomon: Der Tod und die Malerin im Musiktheater im Revier

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Charlotte Salomon hinterließ ihr Leben in Gemälden. Foto: Sébastian Galtier
Gelsenkirchen: Musiktheater im Revier |

Die Uraufführung von „Charlotte Salomon: Der Tod und die Malerin“ am Samstag, 14. Februar, 19.30 Uhr im Großen Haus des Musiktheaters im Revier nur als Ballett-Premiere zu beschreiben, würde dem Werk, was da gerade in Gelsenkirchens bester Stube entsteht, nicht gerecht.


Vielmehr ist es eine vielfache Premiere: Die renommierte Komponistin Michelle DiBucci aus den USA liefert die Musik, Bridget Breiner die Ballett-Choreografie und zum zwölfköpfigen Kammerorchester gesellen sich sechs Sänger des Musiktheaters, die alle mit Charlottes Stimme sprechen, „aber eigentlich Teil des Orchesters sind“, wie Dramaturgin Juliane Schunke erklärt.

"Heben Sie das gut auf, es ist mein ganzes Leben."

Bereits seit fast drei Monaten kann man im Foyer des MiR die digitale Ausstellung zum Leben und Werk Charlotte Salomons besichtigen. „Heben Sie das gut auf, es ist mein ganzes Leben“, soll die 27-jährige Deutsch-Jüdin einem französischen Arzt gesagt haben, kurz bevor sie nach Auschwitz deportiert wurde. Und er bewahrte die 769 Gemälde mit Begleittexten, Szenenanweisungen und Hinweisen auf Musikstücke für die Nachwelt.

Leben? Oder Theater?

„Wie verhält man sich respektvoll gegenüber einem solchen Werk?“ Diese Frage, so berichtet Jürgen Kirner, verantwortlich für Bühne, Kostüm und Masken, beschäftigte das Kreativteam. Es beschloss, die autobiografische Geschichte, die genau dieses Gesamtwerk der jungen Künstlerin umfasst, als Grundlage zu nehmen. Überschrieben ist es mit „Leben? oder Theater?“ - eine Frage, die Menschen, die in der Theaterwelt arbeiten und leben durchaus nicht unbekannt ist.
Und so wie Charlotte Salomon, deren Mutter sich umbrachte als sie neun Jahre alt war, und die als junge Erwachsene vor den Nazis nach Frankreich zu den Großeltern flüchten musste, wo sich dann auch noch die Großmutter das Leben nahm, ihre persönliche Gefühlswelt mit exzessivem Malen (es entstanden 1.000 Werke in zwei Jahren) versuchte, in den Griff zu bekommen, so zeigt Bridget Breiner diese mit der Ausdruckskraft des Balletts. „Tanz ist so viel abstrakter als Gesang, man zeigt Emotionen ganz anders“, erklärt sie. „So wie Charlotte es in ihren Bildern auch gemacht hat.“

Kostüme, die aussehen wie Zeichnungen

Und die Bilder spielen eine große Rolle in der Inszenierung, sie erscheinen in den gemalten Masken der Tänzer, sogar Kostüme sehen aus wie Zeichnungen und die Video-Inszenierung trägt ebenfalls dazu bei. „Ich hoffe, wir sind wirklich nah dran“, sagt Kirner. Alles wird umrahmt von einer überdimensionalen Staffelei, die den Rahmen des gesamten Bühnenbildes ausmacht. „Manchmal muss Charlotte sich ihre Werke von außen ansehen, deshalb gibt es einen Steg ins Publikum“, führt Bridget Breiner aus.
Seit Monaten arbeiten die Verantwortlichen separat an dem spartenübergreifenden Stück. „Selten sind so viele E-Mails zwischen New York und Gelsenkirchen hin und her gegangen“, schmunzelt Ballett-Manager Florian König. Michelle DiBucci ist Dozentin an der Juilliard-School dort. „Die Musik würde ich als typische zeitgenössische amerikanische Komposition beschreiben“, erklärt er. „Freunde klassischer Musik werden viele musikalische Zitate heraushören, was eine große Freude ist.“ DiBucci legte die Anregungen aus Salomons Gesamtwerk dabei zugrunde.

Welturaufführung: Ballett, Gesang, Musik

Seit zehn Tagen probt man zusammen für die Welturaufführung. „Es ist ein sehr spielerisches Stück“, beschreibt Bridget Breiner. „Wir haben lange separat gearbeitet, ich war bei der ersten Probe mit Orchester wirklich sehr berührt.“ Wie die anderen Verantwortlichen spricht sie von „Charlotte“, wenn sie erklärt, warum sie welche Entscheidung für das Stück getroffen haben. Im Ballettsaal hängen rundum ihre über 700 Werke. Den Titel „Der Tod und die Malerin“ haben sie gewählt, weil der Tod in Charlottes Leben immer so nah war. „Doch sie hat auch gesagt: „Ich will nie vergessen, dass ich das Leben liebe und dreifach bejahe“,“ merkt Breiner an. „Das kann sie sagen, weil sie dem Tod ins Auge gesehen hat.“
Nach der Uraufführung wird das Stück noch am 22. Februar, 7. und 29. März sowie am 23. April gezeigt. Karten (11 bis 48 Euro) gibt es unter Telefon 4097200.


Auf der Bühne:

- Die Tänzer sind Kusha Alexi (Charlotte), Jonathan Ollivier (Der Tod), Junior Demitre (Daberlohn), Ayako Kikuchi (Paulinka) sowie in verschiedenen Rollen Maiko Arai, Francesca Berruto, Nora Brown, Rita Duclos, Sara Zinna, Fabio Boccalatte, Ordep R. Chacon, Valentin Juteau, Hugo Mercier, Jose Urrutia.

- Die Sänger sind Anke Sieloff, Lars-Oliver Rühl, Thomas Diestler, Michael Dahmen, Piotr Prochera, Joachim Gabriel Maaß.

- Die Musiker sind Mitglieder der Neuen Philharmonie Westfalen, die musikalische Leitung hat Valtteri Rauhalammi.
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