Tenor Ibrahim Yesilay: Naturtalent aus Izmir

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Schaut positiv nach vorn: Der Tenor Ibrahim Yesilay gehört jetzt zum Ensemble des Musiktheaters im Revier.Foto: Gerd Kaemper
Gelsenkirchen: Musiktheater im Revier |

Wenn Ibrahim Yesilay Anfang September bei der ersten Opern-Premiere der neuen Spielzeit in „The Turn of the Screw“ auf der Bühne des Musiktheaters steht, dann kommen die Zuhörer in den Genuss eines ganz besonderen Talents: Yesilay begann vor vier Jahren zu singen...

25 Jahre jung ist das neue Mitglied des Ensembles des Musiktheaters im Revier (MiR) und ausgebildeter Computer-Ingenieur.
Er kam in Ankara zur Welt, wuchs in Izmir auf und hatte nie etwas mit der Welt der Oper zu tun, bevor er ein Date mit einer Opernsängerin hatte. „Die hat aus Spaß zu mir gesagt, sing doch mal was“, erinnert sich der sympathische Türke, der durch diese Freundin auch zum ersten Mal in seinem Leben in einer Oper war. „Nachdem ich was gesungen hatte, sagte sie „Wow, komm‘ mal mit zu meinen Gesangslehrer“, was ich dann gemacht habe.“
Dass in ihm das Zeug zum Opernsänger steckt, das hätte er selbst nicht gedacht. „Nein, ich habe vorher nie gesungen“, bestätigt er. Aber er konnte es, deshalb schrieb er sich in Ankara dann am Konversatorium ein. „So bekam ich Gesangsunterricht im Studium und musste die Stunden nicht privat bezahlen, das hätte ich mir nicht leisten können.“

Gesangswettbewerb in Düsseldorf


Nach einem Jahr schickte man das junge Talent zu einem Gesangswettbewerb nach Düsseldorf. „Ich hatte noch nie mit Orchester gesungen, noch nie ein Konzert gegeben und verstand kein Wort Deutsch“, schüttelt er noch heute den Kopf. „Dann hob der Dirigent seinen Stab und ich dachte, was will er?“ Ibrahim Yesilay gewann einen Preis - und bald darauf ein Engagement in der Landeshauptstadt. An der Deutschen Oper am Rhein konnte man ihn zum Beispiel als Borsa in Verdis „Rigoletto“, Edler von Brabant in Wagners „Lohengrin“ oder Tamino in der „Zauberflöte für Kinder“ nach Mozart erleben.
Inzwischen läuft die Kommunikation zwischen den Dirigenten und Yesilay also sehr gut. „Das habe ich natürlich längst gelernt - genauso wie Englisch.“ Englisch? „Ja, es ist verrückt, ich hatte Sprachunterricht in Italienisch und Deutsch und habe dabei Englisch gelernt.“ Und sein Deutsch? „Ich verstehe inzwischen einiges. Alle haben mir gesagt, such‘ dir mal eine deutsche Freundin, dann lernst du Deutsch. Habe ich gemacht.“ Und? „Sie kann jetzt Englisch“, lächelt er charmant. „Aber Deutsch lernen ist mir sehr wichtig, darum werde ich mich kümmern, wenn ich in Gelsenkirchen eine Wohnung gefunden habe.“ Aber kommt man hier nicht mit Türkisch durch? „Das habe ich auch gedacht, aber die jungen Türken verstehe ich gar nicht und die mich auch nicht. Mit den ganz Alten geht es halbwegs.“

Prolog in "The Turn of the Screw"


Und wenn das Deutsch lernen so erfolgreich vonstatten geht, wie das Englisch beherrschen - in der Türkei hat er weder die eine noch die andere Sprache in der Schule gehabt - dann sieht es gut aus für dieses Projekt.
Aber im Musiktheater soll der Tenor natürlich vor allem eines: Singen! Und das wird er als Prolog in Brittens „Turn of the Screw“, als Fadinard in Rotas „Der Florentiner Hut“, als Camille de Rosillon in Lehars „Die lustige Witwe“ und als Don Ottavio in Mozarts „Don Giovanni“. „Auf „Don Giovanni“ freue ich mich besonders, diese Oper mag ich wirklich sehr“, ist der junge Tenor begeistert. „Den „Florentiner Hut“ kannte ich noch nicht“, gibt er grinsend zu, aber er lernt täglich dazu. „Und das Singen fällt mir leicht“, ist er froh und bedauert kein bisschen, die Computerwelt hinter sich gelassen zu haben. „Nein, es ist perfekt, wie es ist. Ich fühle mich hier sehr wohl und freue mich auf die neuen Aufgaben.

Wer Ibrahim Yesilay singen hören möchte, hat im Musiktheater im Revier am Samstag, 10. September, 19.30 Uhr bei der Premiere von Brittens Grusel-Oper "The Turn of the Screw" zum ersten Mal die Gelegenheit. Karten gibt es unter Telefon 4597200, die Theaterkasse öffnet wieder am 22. August.
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