No english, please: Sprachkurse für Geflüchtete in Gladbeck

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Seit dem 10. November lernen diese jungen Menschen im Rahmen eines VHS-Kurses im Fritz-Lange-Haus deutsch. Finanziert werden jetzt drei weitere Kurse, unter anderem durch Spenden der evangelischen Kirche und des Rotary-Clubs.
Gladbeck: Fritz-Lange-Haus, Friedrichstraße 7 | „Als Geflüchteter in Deutschland angekommen zu sein, bedeutet vor allem eins: Warten.“ Die evangelische Pfarrerin Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup berichtet aus erster Hand, hat als Mitverantwortliche der evangelischen Flüchtlingshilfe in Gladbeck selbst unzählige Gespräche mit Geflüchteten geführt.

„Die allermeisten kommen hier an und wollen am liebsten direkt anfangen zu lernen und zu arbeiten“, berichtet sie. Bis aber das Asylverfahren abgeschlossen ist, bleibt ihnen kaum eine Möglichkeit, sich produktiv zu betätigen. Das Anerkennungsverfahren dauert im Durchschnitt rund neun Monate, Wartezeiten von mehreren Jahren sind aber auch keine Seltenheit. Seit Mai 2015 führt die VHS Gladbeck daher spezielle Deutschkurse durch, die sich insbesondere an diejenigen Asylbewerber richten, denen eine gute Bleibeperspektive und ein hohes Schutzbedürfnis attestiert wird. Hier sollen solche Geflüchtete einfache Deutschkenntnisse erlernen, um ihren Alltag bestreiten zu können. Finanziert werden sie unter anderem durch die evangelische Kirche und den Rotary-Club Gladbeck-Kirchhellen.

Sprache verbindet, Sprache trennt


„Bis zum Frühjahr 2015 hat es keinerlei öffentliche Gelder für solche VHS-Kurse gegeben, in dieser Hinsicht haben wir bereits einen Schritt in die Richtung eines Paradigmenwechsels erlebt. Wir wollen den Menschen von Anfang an die Möglichkeit geben, an sich zu arbeiten und Teil der Gesellschaft zu sein“, so Dietrich Pollmann, Leiter der VHS Gladbeck. Sprache sei der zentrale Schlüssel zur Integration, darin sind sich Vertreter von VHS, Kirche und Rotary-Club einig. Dr. Hans Jacke von letzterer Einrichtung drückt es sogar so aus: „Sprache verbindet. Das heißt aber auch, dass das Fehlen einer gemeinsamen Sprache Menschen voneinander trennt.“ Der jüngste der eigens eingerichteten VHS-Kurse mit derzeit 15 Teilnehmern hat kürzlich begonnen, darunter Teilnehmer aus Syrien, Marokko, Nigeria, Guinea, Eritrea, Ägypten und dem Kongo. In 28 Terminen werden sie insgesamt 100 Unterrichtsstunden verbringen, das Finanzvolumen für Dozentenhonorare und Unterrichtsmaterialien gibt die VHS mit rund 2.700 Euro an. „Wir sind sehr froh, dass wir dank der Unterstützung durch Kirche und Rotary-Club jetzt drei weitere solcher Kurse auf die Beine stellen können“, freut sich auch Karin Hornig-Bilo, Fachbereichsleiterin der VHS.

Eine Aufgabe des Bundes


Auch wenn, und wieder herrscht Einigkeit unter den Anwesenden, die Gewährleistung eines solchen Angebots eigentlich in das Aufgabengebiet des Bundes falle. So sagt auch Dietmar Chudaska, Superintendent der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde: „Uns ist klar, dass hier eigentlich andere Geldtöpfe gefragt sind. Zumal der Haushaltsposten der Bildung im Vergleich zu Unterbringung und Versorgung ein recht kleiner ist.“ Glücklich zeigen sich zumindest die Kursteilnehmer. Ein syrischer junger Mann unterhält sich gut gelaunt mit einem Fotografen. Als der ihn etwas auf englisch fragt, sagt er nur: „No english, please. Wir sprechen hier deutsch.“
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