Muezzinruf: Bürgermeister bezieht Stellung gegen Islamfeindlichkeit

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Bezog in der Ratssitzung klar Stellung gegen Rassismus, Intoleranz und Islamfeindlichkeit: Bürgermeister Ulrich Roland.
Gladbeck: Rathaus | In der Ratssitzung am Donnerstag hat Bürgermeister Ulrich Roland klar Stellung zu dem angekündigten Gebetsruf, der nach Ostern einmal täglich von der Ditib-Moschee an der Wielandstraße ertönen wird, bezogen.

Roland wies in seiner Rede ausdrücklich auf Artikel 4 des Grundgesetzes hin, in dem die freie Religionsausübung jedem Mann und jeder Frau als eines der wichtigsten Grundrechte in der Bundesrepublik zugesichert wird. Dies gelte ausnahmslos für alle Religionen.


Für alle Religionen


„Spätestens seit 1999 als die Stadt Gladbeck den Bau der DITIB-Moschee mit Minarett ausdrücklich genehmigt hat, steht auch der Wunsch der muslimischen Gemeinde nach dem Gebetsruf im Raum. Das weiß jeder, der mit den Menschen in der Moscheegemeinde spricht,“ so der Bürgermeister.
Zudem würde in vielen Städten wie Gelsenkirchen, Marl oder Recklinghausen, der Gebetsruf teilweise schon seit Jahren praktiziert.

Keine Genehmigung nötig


Die muslimische Gemeinde in Gladbeck brauche auch keine Genehmigung, stellte Roland in Hinblick auf die Stellungnahme von Peter Rademacher (CDU-Fraktionsvorsitzender) klar, denn es handele sich um hierbei um ein grundgesetzlich zugesichertes Recht.Auch den Vorwurf, dass die Moscheegemeinde vor der Entscheidung pro Gebetsaufruf den Dialog mit Nachbarn, Kirchen und Parteien hätte suchen sollen, wies Roland zurück. Der Vorsitzende der Moscheegemeinde, Nadir Kahraman, hätte die Nachbarn direkt nach Bekanntmachung zum Gespräch eingeladen. Und einen Dialog gäbe es schließlich bereits seit dem Jahr 1999.

„Jeder halbwegs kundige interreligiös Interessierte weiß, dass sich jede Moscheegemeinde den Gebetsruf wünscht. Ich bin sehr überrascht, dass Vertreter der christlichen Kirchen den Dialog vor dem jetzt beginnenden Dialog vermissen.
Meine Überraschung äußere ich hier als Christ, als evangelischer Christ, dessen Ehefrau und Kinder katholische Christen sind.“


Gerechtigkeit


Seine Aufgabe als Bürgermeister in einer Stadt mit über 100 Nationen, sehe er darin, ein Klima zu schaffen, „das Gladbeck auch für unsere Nachkommen lebenswert bleiben lässt. Unser Tagesgeschäft ist immer eine Gradwanderung: Zwischen unterschiedlichen Kulturen, und unterschiedlichen Religionen zwischen Arm und Reich, und Alt und Jung.“Die Grundlage für jede Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft wäre durch unser Grundgesetz gegeben.

Absolution der Stadtgesellschaft?


Müssten sich religiöse Gemeinschaften bei Veränderungen vorher bereits eine Absolution der Stadtgesellschaft einholen und sei dies gerecht?, fragte Roland.
„Machen das unsere christlichen Gemeinden bei Veränderungen? Wie war der Dialog, als es um die Errichtung der Moschee des Islamischen Kulturvereins in der ehemaligen Taubenhalle ging? Das ist gerade erst zwei Jahre her! Imponiert hat mir Pfarrerin Annicker von der Evangelischen Kirche, die mit diesem Satz Stellung bezogen hat: „Ich freue mich über jeden, der nach Rentfort zum Beten kommt!“Und - wann ist die Zeit gekommen,um ein Grundrecht in Anspruch zu nehmen?“ Im Übrigen würde man schließlich nicht nicht über eine Randgruppe sprechen, sondern von einer der größten Religionsgemeinschaft unserer Stadt!

„Ich bitte uns deshalb sehr, gerecht zu bleiben. Ich danke hier ganz persönlich, aber auch im Namen der Stadtgesellschaft, dass die DITIB-Moschee vorgestern im Rathaus angekündigt hat, in einen Dialog einzusteigen.“

Stadtverwaltung unter Beschuss


Die Stadtverwaltung hätte nach der Berichterstattung viele Reaktionen erreicht: anonyme Anrufe, auf der rechtslastigen Pegida-Seite „PI-News“ wurden Kontaktdaten des Rathauses, ein Bild des Bürgermeisters, und viele, viele rassistische Kommentare gepostet. Die meisten Reaktionen hätten vor Intoleranz, Islamfeindlichkeit, verdecktem oder sogar offenem Rassismus gestrotzt.

Amtseid


Abschließend wies Roland auf seinen Amtseid hin, in dem er geschworen hätte, die Verfassung und die Gesetze befolgen, seine Pflichten gewissenhaft zu erfüllen, und Gerechtigkeit gegenüber jedermann zu üben. „ Dies, und nichts anderes, ist meine Verpflichtung, auch und gerade als christlicher Bürgermeister dieser Stadt.“
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