Aufklären und abschrecken: "Crashkurs NRW" ermahnt Schüler zur Vorsicht im Straßenverkehr

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Sollten diese Gladbecker Schüler sich auf einen seichten, unterrichtsfreien Vormittag gefreut hatten, wurden sie zutiefst enttäuscht: Der „Crashkurs NRW“ ist als schonungsloses Abschreckungsprogramm konzipiert.
 
Joachim Jendreiko veranschaulicht Schreckensszenarien für Zehntklässler anhand von authentischem Bildmaterial.
Gladbeck: Mathias-Jakobs-Stadthalle | Am Anfang steht eine vielleicht zweiminütige Leinwand-Präsentation von Schreckensbildern: Nahaufnahmen von zerstörten Motorrädern, Pkw, Leitplanken. Ausgeschlossen, dass bei diesen Unfällen jemand unverletzt bleiben konnte. Dazu erklingt die neunte Sinfonie von Beethoven.

Auch wenn den Schülern anfangs vielleicht eine Abwechslung zum Unterricht willkommen war, dürfte ihnen beim Programm des „Crashkurs NRW“ jede Heiterkeit im Halse stecken geblieben sein. Jedes Jahr veranstaltet das Polizeipräsidium Recklinghausen in Kooperation mit Notärzten, Feuerwehrkräften und Seelsorgern 40 der etwa anderthalbstündigen Abschreckungsvormittage für zehnte Klassen des Kreises. Diesmal waren zehnte Klassen des Heisenberg-Gymnasiums, der Anne-Frank-Realschule und des Ratsgymnasiums eingeladen. Dass Handlungsbedarf besteht, kann nicht bezweifelt werden, wirft man einen Blick auf die Unfallstatistiken: In Nordrhein-Westfalen ereignen sich pro Jahr etwa 550.000 Verkehrsunfälle, bei denen mehr als 500 Menschen ihr Leben verlieren. Junge Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren stellen dabei mit 100 Fällen einen überproportional hohen Anteil; mit 19 Prozent aller Unfälle verursachen sie einen großen Teil der Unfälle, obwohl ihr Bevölkerungsanteil bei nur 8 Prozent liegt.

Britisches Modell


Erstmalig in der britischen Grafschaft Staffordshire unter Mitwirkung von Polizei, Rettungskräften und Jugendhilfe getestet, hat sich das Konzept der abschreckenden Aufklärung mittlerweile auch in Deutschland etabliert. In der Grafschaft meinen englische Wissenschaftler, einen deutlichen Rückgang von tödlichen Unfällen verzeichnen zu können - um bis zu 50 Prozent sei die Zahl der Unfalltoten gesunken.
Auch das Polizeipräsidium erhofft sich messbare Ergebnisse und arbeitet mit der Universität zu Köln zusammen. Die Botschaft: „Nur wenn wir uns im Verkehr an die Regeln halten, schützen wir Leben - das der anderen und unser eigenes.“
Für anschauliche Aufklärung sorgen Vertreter von Polizei, Feuerwehr und ärztlichem Notdienst. Moderatorin Susanne Klodt aus dem Kommissariat Verkehrsunfallprävention verliest zuvor eingeholte Wunschlisten der Schüler und klebt sie an einen Heliumballon. Dass diese Wünsche leicht platzen können, zeigt das nun folgende nachgestellte Video mit an Explizität kaum zu überbietender Eindringlichkeit.

Explizite Darstellung


Joachim Jendreiko von der Polizeiwache Marl beispielsweise berichtet von einem Unfall mit Fahrerflucht, dessen Versursacher noch am gleichen Abend wieder einen Unfall hervorruft - für ihn selbst mit tödlichem Ausgang. Eindringlich versichtert er den anwesenden Zehntklässlern, dass die Todesnachricht an die Angehörigen zu überbringen die schwierigste Aufgabe eines Polizisten sei: „Und ich hoffe, dass ich nicht irgendwann bei euren Eltern an die Tür klingeln muss, um ihnen zu sagen, dass einer von euch nicht wieder nach Hause kommen wird.“

Die Worte sitzen. Waren zu Beginn der Veranstaltung in der Mathias-Jakobs-Stadthalle im Publikum noch vereinzelte Gespräche zu hören, herrscht spätestens jetzt Totenstille. Immer wieder tauchen in den Erzählungen, den Videos, den Diagrammen und Übersichten die Hauptursachen für solche Unfälle auf: Drogen, Ablenkung, Leichtsinn, Selbstüberschätzung. Die Folgen: Verstümmelungen, Tod, Trauer. Was den Schülern an diesem Vormittag zugemutet wird, ist schwer erträglich. Bleibt zu hoffen, dass es ihnen nützt.
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