Flüchtlingen mit der "Es-ist-so-einfach-Methode" geholfen

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Goch: Liebfrauenkirche |

Mitunter genügt die „Es-ist-so-einfach-Methode“ um Krisen zu entspannen. Stefan Smetten aus Goch sah die Flüchtlingssituation vor Ort, bat spontan um Unterstützung und bekam sie, brachte diese dorthin, wo sie gebraucht wurde und traf mitten ins Herz. Einfach so.

Von franz geib


Doch der Reihe nach: „Ich wollte irgend etwas tun“, erläutert der Gocher, der vielen mittlerweile durch seine „Vinyl-Partys“ im Poorte Jäntje bekannt geworden ist, ganz knapp sein Motiv.
Der Diplom-Pädagoge, der schon bei seinen Schallplatten-Events keinen „hoch-pädagogischen Ansatz“, untergebracht haben will, besuchte spontan einen großen Sportartikel-Hersteller in Goch, bat um eine Spende für Flüchtlingsfamilien und bekam sie auch. „Dank meiner penetrant-charmanten Art konnte ich wohl eine Tür öffnen“, sagt der Gocher schmunzelnd.

Mit einem Karton zu den Menschen aus den Krisengebieten


Mit einem „Karton“ verließ er das Firmengelände im Industriegebiet und ging schnurstracks dorthin, wo Menschen aus Krisengebieten in Goch ein Obdach fanden, dem Pfarrheim der Liebfrauenkirche.
„Dort sah ich erstmal nur jede Menge Menschen“, erinnert sich Smetten.Mit den Worten „Ich habe was für Kinder“ vermittelte man ihm Idajet und Eglentina Kodran aus Albanien, die mit ihren beiden Kindern seit April diesen Jahres in Goch leben.
Mit großen Augen begegneten sich alle, als der junge Mann sein „Geschenk“, dessen Inhalt Smetten bis dahin selbst nicht kannte, überreichte. Drinnen waren Fußbälle und die kleinen Empfänger Kejsi (5 Jahre) und Kamela (4). Zwei Mädchen!
„Aber es war Liebe auf den ersten Blick“, so der Gocher, der die Familie seitdem mindestens einmal in der Woche besucht.

"Merkwürdige Typen" standen vor dem Kindergarten


Anfang April, so erfuhr Stefan Smetten von Vater Idajet und seiner Frau Eglentina, flüchteten die Kodras aus ihrer Heimat aus Angst, dass man vor allem ihren beiden Töchtern etwas antun könne. „Es ist ein Armutsproblem. Die Polizei in Albanien ist völlig korrupt und darum ist es dort gang und gäbe, dass man kleine Kinder entführt, um sie zu verkaufen“, erzählt eine Freundin, die bei der Übersetzung half.
Eines Tages hätten zwei „merkwürdige Typen“ vor dem Kindergarten ihres Heimatdorfes gestanden, offensichtlich mit der Absicht der Kinder habhaft zu werden. Das war für Idajet und Eglentina das Zeichen für den Aufbruch und der Heimat den Rücken zu kehren. Stefan Smetten: „Ich habe einen Hochzeitsfilm von den beiden gesehen. Die beiden hatten es gar nicht nötig, Albanien zu verlassen. Sie hatten ein Haus und lebten in einem bescheidenen Wohlstand. Es war die pure Angst, die sie antrieb, Albanien zu verlassen.“

Kodras warten auf ihre Anerkennung


Seitdem warten die Kodras darauf, als Flüchtlinge anerkannt zu werden und ihren Kinder eine Zukunft geben zu können. Um die Zeit bis dahin sinnvoll zu überbrücken, besucht die 29-jährige Eglentina, im fünften Monat schwanger, einen Deutsch-Kurs, der 36-jährige Vater und gelernte Maurer Idajet absolviert seitdem ein Praktikum in einer Gärtnerei.

Mit 25 Menschen eine Duschgelegenheit geteilt


Bis Januar gilt noch der Duldungsstatus, was danach kommt weiß nur die Ausländerbehörde.
Bis es ist soweit ist, teilen sich die Kodras gemeinsam mit 25 Menschen aus Bosnien, Serbien, Syrien, Pakistan und Afrka die Räumklichkeiten im Schatten der Liebfrauenkirche. Eine echte Herausforderung für die Familie: Außerhalb ihres Zimmers von rund 20 Quadratmeter nutzen sie mit allen Betroffenen eine Duschgelegenheit, zwei Toiletten und eine gemeinsame Küche.

Hoffen auf eine gute Perspektive


„Wir sind dankbar, dass wir hier leben dürfen, und unsere Kinder vielleicht eine Zukunft haben“, hofft Eglentina dennoch auf eine gute Perspektive.
Dank Stefan Smettens „Einfach-so-Methode“ ist ein Anfang gemacht. Auf den Status eines „Kümmerers“ will sich der Gocher allerdings nicht reduzieren lassen, sagt er gegenüber dem Gocher Wochenblatt: „Auch bei meinen Vinyl-Partys habe ich den Anspruch, dass sie auch immer einen sozialen Zweck erfüllen sollten.“
Aber das ist jetzt wieder eine ganz andere „Es-ist-so-einfach-Geschichte“ von Stefan Smetten ...
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