Diese Dachrinne ist purer Taubenkot

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Taubenproblematik in der Innenstadt: Das ist die mittlerweile durch die Masse Taubenkot gebrochene Dachrinne von Haus Nr. 9 in der Heggerstraße. Die gespannten Gitter helfen hier nicht. Nachbarin Nicole Dickel-Walrecht muss ihr Küchenfenster vergittern und hat in anderen Räumen schon Tauben in der Wohnung gehabt. Foto: Pielorz
Wilde Tauben sind für manche Bewohner der Hattinger Innenstadt ein Problem. Der Mist der Tiere sorgt für Unmut. Bisherige Maßnahmen einzelner Bürger scheiterten.

Schon 2007 versuchten damals die Grünen einen Vorstoß, um eine zufriedenstellende Lösung für Bürger und Tauben zu erreichen. Man diskutierte die regelmäßige Fütterung der Tiere, so dass ein „Stadtbummel“ überflüssig würde. Ein Gutachter wurde beauftragt, der seinerzeit feststellte, dass Hattingen kein Taubenproblem habe. Er konnte zwei Populationen ausmachen, eine in der Innenstadt, die andere auf dem Hüttengelände. Zusammen sollten es etwa 200 Tiere sein. Noch 2013 sah Stadtsprecher Thomas Griesohn-Pflieger in dem aktuellen Bestand keine Zunahme der Tiere.
Das hilft den taubengeplagten Bürgern indes wenig. Eine von ihnen ist Nicole Dickel-Walrecht, die in der Heggerstraße 7 wohnt. Das Haus ist ebenso wie das Gebäude Heggerstraße 9 denkmalgeschützt. Haus Nr. 9 steht derzeit leer und wird umgebaut. Zwischen beiden Häusern ist der Abstand extrem schmal. Obwohl die Dachrinne von Haus Nr. 9 mit einem Schutzgitter versehen ist, nisten die Tiere dort. Der Dreck ist überall. „Mein Küchenfenster habe ich vergittert. Überall fliegen Federn herum. Das Gurren der Tauben beginnt schon morgens um vier Uhr“, klagt die entnervte Bewohnerin.
Das Treppenaus von Nr. 7 erinnert an Knastatmosphäre. Vergitterte Fenster, wohin man schaut. Taubenkot, wohin man auch blickt.
„Tauben suchen sich geeignete Stellen und enge Gassen mit eng stehenden Häusern in der Altstadt sind sehr geeignete Stellen“, weiß auch Hattingens Denkmalpfleger Jürgen Uphues, der ebenfalls im aktuellen Fall kontaktiert wurde.
„Aber es gibt kaum wirklich wirksame Gegenmaßnahmen. Stachelbänder am Obermarkt beispielsweise haben dazu geführt, dass Tauben eine Pommesschale auf die Spitzen pieken und dann darin nisten. Horizontaldrähte mit und ohne Strom sind auch Maßnahmen. Es gibt auch Riesenpiekser, mit denen man theoretisch Geier vergrämen könnte. Im Prinzip bringt das alles nichts. Und Taubenhäuser in der Stadt? Wer soll sich darum kümmern und sie pflegen? In diesem konkreten Fall gibt es Netze, aber die Einflugschneise ist nicht betroffen. Hier müssten sich die Bewohner der Häuser 7 und 9 an einen Tisch setzen. Allerdings könnten trotzdem horizontale Landeflächen entstehen und ob eine überbrückende Netzlösung schließlich das Problem löst, weiß ich auch nicht. Wenn wirklich jemand etwas erfinden würde, was Tauben von bestimmten Stellen effektiv fernhält, der würde schnell viel Geld verdienen.“
Nicole Dickel-Walrecht jedenfalls sieht sich in der Lebensqualität deutlich benachteiligt und ist mit den Nerven am Ende. „Ich bin wirklich tierlieb, aber diese Situation ist nicht zu ertragen. Erst vor ein paar Tagen musste mein Nachbar mir helfen, eine Taube aus meinem Zimmer zu vertreiben. So kann das nicht weitergehen.“
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