Wir sind Hattinger: Stephan Marienfeld

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Stephan Marienfeld mit einem pinken Objekt. Foto: Pielorz
 
Ein großer schwarzer Luftballon mit Seilen, ein Objekt aus Stein mit Seilen - Polyester, Lack, Beton und Metall sind die Materialien, die Stephan Marienfeld verarbeitet. Sie sind künstlerisch angelehnt an einen menschlichen Körper, zeigen die Verformung und symbolisieren damit das Verformen des menschlichen Körpers und des eigenen Ich. Foto: Pielorz
Hattingen: Hattingen | I

m idyllischen Hattingen lebt der Künstler Stephan Marienfeld, geboren übrigens am 24. Dezember vor genau 50 Jahren. Der gelernte Steinbildhauer war zunächst Schüler und Assistent bei Professor Anthony Cragg, langjähriger Rektor der Kunstakademie Düsseldorf, in Wuppertal, bevor er sich vor rund 15 Jahren selbständig machte. Arbeitete er zunächst überwiegend per Auftrag in der Umsetzung künstlerischer Ideen von Bildhauern, sind es heute eigene Arbeiten, die in seinem Atelier in Hattingen entstehen. Für einen echten Marienfeld muss man mittlerweile eine vier, manchmal sogar fünfstellige Summe hinlegen.

Der Hattinger, Jahrgang 1966, arbeitet mit Galerien auf der ganzen Welt zusammen. Ob in Australien, Amerika oder Europa - die Skulpturen und Objekte von Stephan Marienfeld gehen um die Welt. Stephan Marienfeld ist mit seinen Arbeiten in der Galerie Noah, eine der ältesten Deutschlands, vertreten. In seinem Atelier in Stüter war bereits der Atomphysiker und Nobelpreisträger Klaus von Klitzing zu Gast. Joop van Caldenborgh, der größte Kunstsammler der Niederlande, der das Museum „Voorlinden“ bei Den Haag errichtet hat, nahm den Hattinger mit seinen Arbeiten in den Katalog auf. Einen Namen ge¬macht hat sich Stephan Marienfeld vor allem mit der „Bondage“-Reihe, die aber nichts mit einer Fesseltechnik zu tun hat. Obwohl: Um Seile geht es hier auch. Die Objekte werden mit Seilen verformt und symbolisieren Knechtschaft (engl. Bond-age) und den Druck von außen, sich verformen zu lassen.
Das Kunsthaus Artes schreibt zu seinen Arbeiten: „Wichtiger Bezugspunkt für Marienfelds Objekte ist das Körperbild des Menschen und seine Wahrnehmung. In unverwechselbarer Ästhetik schafft er abstrahierte Körper aus Materialien wie Polyester, Lack und Aluminium, die einen eigenen Charakter zu besitzen scheinen. Besonders in seinen Bondage-Arbeiten gelingt dem Künstler, ohne die Direktheit einer expliziten Körperabbildung, eine Neuinterpretation der Gattung Akt.
Bei der Arbeit "Bondage Alu" hat Marienfeld einen Luftballon mit einem Seil gebunden, anschließend abgeformt, in Aluminium gegossen, dann lackiert und poliert, um das Objekt erneut mit einem Seil zu binden. Entstanden ist eine neue, hybride Form, die den Eindruck erweckt, zwischen dem straff gespannten Seil hervordringen zu wollen, daran aber von ebendiesem gehindert wird. Dieses Gegeneinander bietet sowohl erotische Konnotationen als auch Assoziationen von Phänomenen in der Natur.“ Der Betrachter der Kunst hat das Gefühl, die Objekte berühren zu müssen, mit ihnen zu kommunizieren.

Kunst muss sich nicht immer erklären

Ein weiteres Material sind Luftballons. Gefüllt mit einem speziellen flüssigen Kunststoff, bewegt und geschwenkt, bis sich das Material erhärtet, mit der Kraft der Hände in Form gedrückt, schließlich vom Ballon abgelöst und bearbeitet - ein Kunstobjekt ist im Werden.
„Kunst muss sich nicht immer erklären. Ich erlebe es oft, dass Menschen ihre eigene Interpretation in meine Kunstwerke legen. Ich arbeite nicht figurativ, aber genau das sieht man in meinen Werken“. Ein Beispiel ist der „Hattinger Löwe“, der vom Hattinger Lions Club für ehrenamtliches Engagement verliehen wurde. „Viele sehen in dem Objekt ein Gesicht, ähnlich dem ‚Schrei‘ von Edvard Munch.“
Zehn Objekte sind entstanden: eine Zeichnung, ein erster Entwurf aus Ton, eine Negativform - so arbeitet Marienfeld, wenn Objekte in Serie entstehen sollen. „Es ist wie ein Spiel und ich habe das große Glück, das machen zu dürfen, was ich machen möchte“, so Marienfeld. Sein teuerstes Objekt verkaufte der Hattinger übrigens für rund 28.000 Euro. Seine Kunden sind oft Sammler, die gerade die Spannung seiner Werke lieben.
„Kunst darf im Weg stehen. Sie muss im Betrachter eigene Ideen hervorrufen“, sagt er. Das diskutiert man beispielsweise gern auch dann, wenn Kunst im öffentlichen Raum gezeigt wird – beispielsweise bei Marienfeld und seinem Objekt am Bügeleisenhaus. Hier schafft ein Unikat aus der Serie „Dislike“ das, was Kunst nach Meinung von Marienfeld auch tun sollte: ein Thema sein, diskutiert werden, Menschen an neue Sichtweisen heranführen.
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