Kommunikator, Moderator und Gestalter: Dirk Glaser möchte für die SPD Bürgermeister in Hattingen werden

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Dirk Glaser kommt aus Hattingen und lebt auch hier. Zurzeit ist der 56jährige Geschäftsführer der Südwestfalen Agentur in Olpe. Foto: Michael Bahr
 
Dirk Glaser bei einem Treffen mit NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Foto: Horstgünter Siemon

Manfred Lehmann ist der eine, Dirk Glaser der andere: Beide möchten für die SPD im kommenden Jahr das höchste Amt der Hattinger Stadtverwaltung erlangen. Wer es wird, entscheiden Delegierte beim SPD-Stadtverbandstreffen am Mittwoch, 10. Dezember.

Wie berichtet, ist Manfred Lehmann im SPD-Ortsverein Niederbonsfeld als stellvertretender Vorsitzender aktiv. Doch auch sein „Gegner“ Dirk Glaser – parteilos – ist in seiner Heimatstadt Hattingen alles andere als ein unbeschriebenes Blatt, wie er im Interview mit dem STADTSPIEGEL erzählt.

Herr Glaser, warum möchten Sie Bürgermeister in Hattingen werden?
Dirk Glaser: Mir ist diese Stadt sehr ans Herz gewachsen. Meine Familie stammt aus Hattingen und ich bin hier groß geworden. Sehr viel über Hattingen habe ich übrigens zu Studentenzeiten als Taxifahrer gelernt.
Mit Unterbrechungen zum Beispiel durch Auslandsaufenthalte lebe ich seit 35 Jahren in der Stadt. Sie hat mich immer interessiert. Als Journalist habe ich den Hüttenkampf miterlebt, habe später jahrelang für die Stadt das Jahresvideo produziert und mich auch sonst eingebracht. Ich bin Gründungsmitglied im Stadtmarketingverein und zur Zeit Präsident beim Lionsclub, der Hattingern in Not ganz konkret hilft. Ich habe viele Freunde hier und fühle mich sehr wohl.
Das Schicksal der Stadt, die in den vergangenen Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung genommen hat, ist mir nicht gleichgültig. Meine kommunal- und regionalpolitischen Erfahrungen der vergangenen Jahre möchte ich gerne in meine Heimatstadt einbringen.

Welche Erfahrungen waren das denn?
Ich habe in den vergangenen sechs Jahren die Regionale Südwestfalen geleitet. Das ist ein Projekt des Landes und der Städte und Kreise im Sauer- und Siegerland.
Meine Aufgabe war es, 59 Bürgermeister und fünf Landräte unter einen Hut zu bekommen und gemeinsame Projekte, die die Region weiter nach vorne bringen sollen, auf den Weg zu bringen. Das war nicht einfach, wie man sich vorstellen kann, aber es gelang!
Es hat mir viel Freude gemacht, an der Spitze eines tollen Teams Ideen zu entwickeln und zu sehen, wie viele von ihnen auch umgesetzt werden. Mit unserer Arbeit haben wir überregionale Anerkennung erfahren.
Letztlich haben wir 42 Projekte gemeinsam mit der Landesregierung, der Politik vor Ort und den Bürgern umsetzen können. 155 Millionen Euro Fördergelder haben wir bewegt und damit Gesamtinvestitionen von mehr als 300 Millionen Euro initiiert. Die Projekte stammten aus allen Bereichen, die auch die Kommunalpolitik bewegen, wie Stadtentwicklung, Städtebau, Tourismus, Wirtschaftsförderung, auch ökologische Projekte und Wissenschaft.

Als Chef der Regionale waren Sie, Herr Glaser, ja Gestalter. Was aber lässt sich in Hattingen gestalten, wenn das Geld fehlt?
Die finanzielle Situation der Stadt ist in der Tat – wie in vielen anderen Kommunen – alarmierend. Das heißt aber nicht, dass wir zur Tatenlosigkeit verdammt sind.
Zum einen muss das Zusammenspiel von Verwaltung und Ehrenamt weiter entwickelt werden. Viele Bürger sind in unserer Stadt sehr engagiert – das zeigt zum Beispiel die aktuelle Flüchtlingsthematik.
Beim Sparen ist das Ende der Fahnenstange in Hattingen erreicht. Aus meiner Erfahrung in Südwestfalen weiß ich aber, dass man auch mit äußerst geringen kommunalen Finanzmitteln eine Menge erreichen kann. Nehmen wir das Beispiel des Erlebnisaufzugs in Altena: Hier wurde ein Sieben-Millionen-Euro-Projekt umgesetzt – ohne einen Cent städtischen Geldes! An der Spitze hat ein hoch engagierter Bürgermeister gemeinsam mit Bürgern, viel Einsatz und Kreativität dafür gesorgt, dass das Regionale-Projekt umgesetzt wurde und mittlerweile sehr erfolgreich zur Wiederbelebung der vor kurzem noch maroden Innenstadt beiträgt. Wir haben kräftig dabei geholfen.
Es gibt nach wie vor überraschend viele Möglichkeiten, an Fördergelder, beispielsweise EU-Mittel, zu kommen. Hier sehe ich auch für Hattingen noch Potenziale. Meine guten Kontakte auf vielen Ebenen in NRW-Ministerien dürften hier hilfreich sein.
Was ganz allgemein die äußerst besorgniserregende finanzielle Situation vieler Kommunen angeht, so müssen wir viel mehr als bisher den Schulterschluss zu anderen Städten suchen. Zum Beispiel durch die Teilnahme am Aktionsbündnis „Raus aus den Schulden“. Auch hier möchte ich meine Erfahrungen aus der interkommunalen Zusammenarbeit in Südwestfalen einbringen.

Warum sollten die Hattinger Sie wählen, falls die SPD Sie als Kandidaten nominiert?
Ich habe in der Zusammenarbeit mit 59 Bürgermeistern und fünf Landräten und ganz vielen weiteren Interessenvertretern schnell gelernt, wie wichtig es ist, Angebote zu machen, zu werben, zu informieren und immer zu versuchen alle mitzunehmen. Das Gemeinsame zu betonen und gute Ideen zu fördern – egal aus welcher parteipolitischen Ecke sie kommen mögen.
Man muss überzeugen können und sich sachkundig machen, die wichtigen Argumente parat haben und man muss authentisch sein. Ich kann nur jemanden von einem Projekt überzeugen, wenn ich es selbst auch bin.
Ich glaube, dass ich ein guter Kommunikator bin, ich kann gut zuhören und zwischen gegensätzlichen Meinungen vermitteln.
Ein guter Bürgermeister entdeckt und sieht die Chancen von gemeinsamen Projekten und fördert sie.
Ich halte sehr viel von ehrenamtlicher Arbeit, da könnte man noch mehr Wertschätzung gebrauchen und mehr Hilfen geben.
Und ich halte viel davon, wertschätzend auch mit meinen Mitarbeitern umzugehen. Wir hätten in Südwestfalen nicht so viel bewirkt, wenn wir nicht ein hochmotiviertes Team gehabt hätten, das sich auf Ziele verständigt und verlässlich arbeitet.

Welche Schwerpunkte würden Sie setzen, wenn Sie Bürgermeister in Hattingen wären?
Ganz weit vorn ist sicherlich die Wirtschaftsförderung zu nennen. Wir wollen ein attraktiver Standort für möglichst viele Unternehmen sein, die wiederum attraktive Arbeitsplätze anbieten. Da die vorhandenen Flächen, wie das ehemalige Hüttengelände, so gut wie ausgeschöpft sind, hat Hattingen nur begrenzte Möglichkeiten. In dem Zusammenhang stellt sich sicherlich die Frage nach der früheren O&K-Fläche.
Ein Bereich, der mit Wirtschaftsförderung und Lebensqualität gleichermaßen zu tun hat, ist der Tourismus. Die Nähe zur Ruhr, zum beliebten Ruhrtalradweg, bietet nicht nur der Altstadt, sondern auch einigen Ortsteilen gute Perspektiven. Die Altstadt selbst braucht ein zusätzliches Hotel und einen besseren Gastronomiemix. Auch das Hügelland sollte touristisch besser erfasst werden oder der Gethmannsche Garten in Blankenstein – um nur einige Beispiele zu nennen.

Ein parteiloser Kandidat der SPD – ist das nicht eine Zumutung für die Hattinger Sozialdemokraten?
Ja, es ist zumindest eine Herausforderung. Aber es ist auch ein Angebot, mal über den Tellerrand der Partei zu schauen.
Ich glaube, dass ich als Kandidat gute Chancen habe, von den Bürgern Hattingens gewählt zu werden. Letztlich entscheiden ja die Bürger, wer in das Rathaus einziehen soll, wem sie ihr Vertrauen schenken.
Ich glaube, dass gerade in der Kommunalpolitik parteipolitische Scheuklappen nicht angebracht sind. Die großen Probleme, die wir haben und die uns noch eine Weile begleiten werden, müssen von allen gemeinsam angepackt werden, da kann sich keine Fraktion verweigern. Zumindest dann nicht, wenn sie ihren Auftrag ernst nimmt. Ich habe bewiesen, dass ich mit allen Parteien gut zusammenarbeiten kann, ich habe gute Kontakte nach Düsseldorf in Ministerien und zu Vertretern aller Landtagsparteien, ich schaue erst auf den Menschen und nicht auf sein Parteibuch.
Es gibt in der Hattinger SPD Menschen, die mir Mut machen, den Weg der Bürgermeisterkandidatur zu gehen, und ich würde mich sehr freuen, gemeinsam mit den Sozialdemokraten und den Bürgern für Hattingen zu arbeiten.

Wie wollen Sie die Hattinger mit auf diesen Weg nehmen?
Ein Bürgermeister muss ansprechbar sein für die Bürger. In dem Amt geht es um die Menschen. Daher darf man sich nicht hinter Aktenbergen verstecken und dabei den direkten Kontakt zum Bürger vergessen.
Dies gilt selbstverständlich auch für die Mitarbeiter in der städtischen Verwaltung. Auch hier sind Ansprache, Wertschätzung und Motivation Chefsache. Mir ist klar, dass ein Tag nur 24 Stunden hat, aber bei der richtigen Organisationsstruktur im Rathaus lässt sich vieles im Sinne einer aktiven Zukunftsgestaltung umsetzen – im Sinne der Menschen. Gemeinsam!
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1 Kommentar
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Torsten Richter-Arnoldi aus Hattingen | 29.11.2014 | 00:41  
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