Qint: "Nicht sanierungswürdig"

Anzeige
Ein Teil der Belegschaft von Qint mit Clarissa Bader, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Gevelsberg-Hattingen (vorne 2.r.). Zur Zeit verhandelt die IG Metall mit dem Unternehmen über den Sozialplan Foto: Pielorz
 
Clarissa Bader, erste Bevollmächtigte der IG Metall Gevelsberg-Hattingen
Hattingen: QINT |

Die IG Metall Gevelsberg-Hattingen steht auf dem ehemaligen Hüttengelände. Es gibt Würstchen und Getränke und Gespräche. Vor allem über und mit Qint wird gesprochen. das Hattinger Unternehmen macht dicht. 135 Menschen verlieren ihre Arbeit. Wir hatten bereits berichtet.

Anlass für Würstchen, Musik und Getränke auf dem ehemaligen Hüttengelände war der „Tag der Demokratie“, den die IG Metall Gevelsberg-Hattingen nicht zum ersten Mal begeht. „Den gab es auch schon einmal in der Innenstadt, aber hier, an einem historischen Ort, hat er noch mehr Bedeutung. Und wir haben hier auf dem Hüttengelände auch Unternehmen, die mit der IG Metall nichts zu tun haben wollen. Das würden wir gern ändern, denn Demokratie hört ja nicht am Werkstor auf“, so Clarissa Bader, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Gevelsberg-Hattingen. Gemeint ist damit vor allem der in einigen Unternehmen immer noch fehlende Betriebsrat.
Der kann aber manchmal auch nur noch fassungslos reagieren. Wie bei Qint zum Beispiel, einem Unternehmen der Neuenhauser-Gruppe. Entstanden aus der Zusammenlegung dreier Firmen und in den letzten Jahren unter der Leitung ziemlich vieler Geschäftsführer. Der letzte wurde einen Tag vorher entlassen, bevor die Konzernspitze Belegschaft und IG Metall das Aus für den Hattinger Standort mitteilte. 135 Menschen inklusive Leiharbeiter verlieren ihren Job. 65 Mitarbeiter haben nur einen Monat Kündigungsfrist, denn sie sind erst gut ein Jahr beim Unternehmen. Einige Leiharbeiter sind schon weg. Für die 65 Mitarbeiter dürfte auch die Abfindung mager ausfallen. Pro Person steht eine Bruttosumme von 2000 Euro im Raum.
Sowohl IG Metall als auch Betriebsratsvorsitzender Thomas Hövelmann machen Management-Fehler für das Aus des Betriebes verantwortlich. Nicht eine schlechte Auftragslage sei das Kernproblem. „Am meisten hat uns erschüttert, dass wir in einer Versammlung als nicht sanierungswürdig eingestuft wurden. Das haben die Gesellschafter gesagt.“

Kündigungen am 30. September

Ein externer Berater und ein Rechtsanwalt aus Berlin führen die Verhandlungen mit der Gewerkschaft. Im normalen Rahmen habe es auch mal Abmahnungen und Kundenkritik an nicht eingehaltenen Terminen gegeben. Nie aber in der Form, dass man das vollständige Ende vor Augen gehabt hätte.
Für junge Mitarbeiter der Belegschaft, darunter viele Industriemeachaniker, bedeutet das die Suche nach einem neuen Job. Sie haben Familie, manchmal auch Eigentum. Für einige ältere Mitarbeiter droht die frühe Rente und die Angst, überhaupt davon leben zu können. „Ginge es nach dem Unternehmen, hätten wir in wenigen Wochen die Verhandlungen beendet. Zum 30. September soll allen Mitarbeitern gekündigt werden“, so Bader. Auch sie weiß, dass es hier nur noch um Geld und die entsprechende Höhe geht. Eine Transfergesellschaft wie etwa bei Opel ist überhaupt kein Thema. Auch über die Zukunft von acht Auszubildenden muss geredet werden.
Schon 2012 hatte es Unruhen im Unternehmen gegeben und es waren 45 Mitarbeiter entlassen worden. Dann kam ein neuer Geschäftsführer und die Mitarbeiter wurden nach Aussagen des Betriebsrates wieder eingestellt. Mit dem endgültigen Aus 2015 hatte niemand gerechnet.
Am Donnerstag, 24. September, 16 Uhr, findet im HAZ, Am Walzwerk 17, ein Interessiertentreffen der IG Metall Gevelsberg-Hattingen statt. Jeder, der Fragen zur Arbeitswelt ist eingeladen.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.