Besinnliches von Martin Funda: "Gespannt auf das, was kommt"

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Martin Funda, Pfarrer der neu gebildeten Ev. Kirchengemeinde Bredenscheid/Sprockhövel
Hattingen: Wichernkirche |

Das Ruhrgebiet formuliert gern drastisch, auch in der Notfall-Seelsorge. Manchmal ist es gut, nicht lange rumzueiern oder zu beschönigen. Da heißt es dann einprägsam: „Schonung ist Scheiße!“

Der langen Vorrede kurzer Sinn: Während Sie dies lesen, liege ich im Krankenhaus. Die linke Niere wurde mir wegen eines Tumors entfernt. Das habe ich mir nicht ausgesucht.
In der langen Vorbereitungsphase auf die OP entdeckte ich neu die andere Seite der Medaille: Nicht als Pastor am Bett zu sitzen, sondern selbst darin zu liegen, Patient zu sein, gut führbar, sofort und umfänglich der Medizin zur Verfügung zu stehen.
Das Krankenhaus habe ich wegen der technischen Kompetenz ausgesucht, minimal-invasive Urologie. Aber als Mensch in medizinischer Käfighaltung mit mangelhafter Information und überraschender Terminplanung kommt mir schon die Frage, wo denn die Würde bleibt.
Die Antwort darauf fällt mir, Gott sei Dank, auch sofort ein. Ganz gleich, ob ich Chefarzt oder Kassenpatient bin, ich bin Ebenbild Gottes, ich trage Gottes Geist und Atem in mir.
Aber kann mich das trösten, wenn es weh tut?
Mein Abitur habe ich mit verschleppter Herzmuskel­entzündung gemacht. Daran kann man auch gut sterben. Und das hätte ich mir auch nicht ausgesucht. Beim monatelangen Krankenhausaufenthalt und der langen, langen Rekonvaleszenz zuhause habe ich residiert wie der Schah von Persien. Ich habe Hof gehalten mit vielen Freunden, an der Musikschule als Geigenlehrer, mit Caféhaus-Musik und dem Kabarett angefangen.
Eigentlich wollte ich weit weg zum Studieren, so bin ich in Hattingen geblieben. Ob es Hattingen gut getan hat, bleibt zu diskutieren. Aber ich bin sehr zufrieden damit. Und wie gesagt, ich habe mir das nicht ausgesucht.
„Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht Gott, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken... Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken mit Jauchzen und alle Bäume auf dem Felde in die Hände klatschen.“ Jes 55
Das tröstet schon eher. Ich bin gespannt auf das, was kommt. Und ich glaube – was immer auch jetzt kommen wird – am Ende wird alles gut.
Und ich sage mal ganz optimistisch: Auf Wiedersehen!

Martin Funda,
Pfarrer der neu gebildeten Ev. Kirchengemeinde Bredenscheid/Sprockhövel
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Bernhard Ternes aus Marl | 04.09.2015 | 15:32  
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