Im Interview: Autorin Martina Bracke steht zur Kamener Kultur

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Hat viel für die unabhängige Kultur der Region getan, steht zu Kamen und der Veränderung durch die Menschen: Schriftstellerin Martina Bracke. (Foto: privat)
Kamen: Kamen |

Im Interview mit der Kamener Autorin Martina Bracke erzählt die Kulturkennerin von ihrer Sicht auf die Kamener Kultur, die Sesekestadt an sich und von ihrem literarischen Schaffen.

Martina Bracke im Stadtspiegel-Interview mit Steffen Korthals:

Methler als Basis
Meine Beziehung zu Methler ist eine lange, denn ich bin hier geboren und verbrachte hier eine schöne, unbeschwerte Kindheit. Gelesen habe ich schon immer gern, keine "klassichen" Mädchenbücher, aber mit neun, zehn Jahren z. B. Abenteuergeschichten wie "Winnetou" oder "Die drei Musketiere". Mit vierzehn übernahm ich die Leitung der katholischen Pfarrbücherei in der St. Mariengemeinde. Eine tolle Zeit, weil ich dort tatsächlich bereits eigenverantwortlich auch die Bücher einkaufen durfte. Vorlesestunden für die Kinder organisierte ich und musste improvisieren, weil "Der kleine Vampir" zwar schon ab sechs Jahren sein sollte, aber dann doch beim Vorlesen Angst verursachte, sodass schnell ein anderes Buch her musste.

Vom Lesen zum Spielen zum Schreiben
Wie kam ich aber vom Lesen zum Schreiben? Ich denke, da ist meine Deutschlehrerin der sechsten Klasse "schuld". Sie wandelte mit uns eine Geschichte in ein Theaterstück um, das wir anschließend aufführten. Und der Theatervirus brachte mich eigenen kleinen Stücken näher, die ich zeitweise auch mit einer Gruppe in unserer Gemeinde in Methler aufführte. Auf einer Veranstaltung in Hamm traf ich damals auch einmal Ilse Bintig, wir wollten gerade ein Stück von ihr spielen und ich sah mir eine Aufführung in Hamm an. Viel mehr ist nicht passiert, aber es war schon cool, die Autorin vor sich zu haben und sich mit ihr zu unterhalten.
Wenn man nun beim Schreiben ist, fliegt die Inspiration einen nicht immer an. Das gefürchtete weiße Blatt Papier liegt vor einem. Aber ein Foto, ein Stichwort, ein Duft - alles kann einen zu einer Geschichte bringen. Manchmal hilft ein bisschen Druck - ein Abgabetermin, der vor der Tür steht.

Die Vorzüge Kamens
In Kamen kann man gut Radfahren und Spazierengehen. Die renaturierten Bäche und Flüsschen sind wirklich schön geworden. An Bauwerken mag ich die Margarethenkirche in Methler natürlich, aber auch der Marktplatz in Kamen mit seinen Fachwerkhäusern hat einen besonderen Reiz. Heinrich Peuckmann schätze ich, immer aktiv, immer produktiv. Natürlich meinen Kollegen Jochen Ruscheweyh, der auch in dem aktuellen Buch vertreten ist. Ein netter Typ mit offenen Augen, was ich immer besonders bei seinen Facebook-Kommentaren zu seinen Alltagsbeobachtungen miterleben kann.

Kultur von unten
Ob es ein Depot auch in Kamen geben sollte? Es ist, denke ich, für jede Stadt gut, wenn es ein Zentrum für künstlerische Aktivitäten gibt. Da muss aber die Stadt ihren eigenen Weg finden und vielleicht muss es auch, wie beim Depot, aus der Mitte der Kulturschaffenden passieren. Oft setzt es sich dann durch, und hinterher sind alle froh, dass ein paar Menschen die Initiative ergriffen haben. Schön ist natürlich immer auch eine Örtlichkeit mit Charme. Das hat das Depot mit seinem Industriedesign sicherlich, aber jeder Ort hat so seins oder man macht es eben draus.

Theater in Kamen
Das Theaterschaffen konzentriert sich in Kamen eher auf der Vereinsebene. Das ist auch völlig o.k. so. Mit netten Leuten gemeinsam an etwas arbeiten, das macht ja Spaß. Und dann Applaus vom Publikum zu bekommen, das sollte jeder erlebt haben.Dann kann man sehen, wie man sich entwickelt, was noch werden kann. Wir haben in Methler noch eine Schauspielerin wohnen, die in Köln studiert und viel im Theater Fletch Bizzel gearbeitet hat. Sie ist immer wieder auswärts für Produktionen engagiert. Ich kenne sie vom Depot. Da haben wir die "Troerinnen" von Euripides zusammen gespielt. Ansonsten gibt es natürlich die Konzertaula, in der man sich so einiges ansehen kann. Das ist doch super.

Zukunftspläne
Und was die Zukunft bringt? Ich will erst einmal weiter Kurzgeschichten schreiben. Das macht mir nach wie vor viel Spaß. Ab und zu mache ich auch Lesungen, da habe ich dann wieder mein Publikum, das ist fast wie Theater. Ohne geht es irgendwie auch nicht. Wenn Sie mich nach einem Roman fragen wollen, das ist nicht in Sicht. Zwar habe ich ein paar Ideen im Kopf, aber wie heißt es so schön: In der Kürze liegt die Würze. Was nicht heißen soll, dass ich es nicht doch mal versuche.

Eckdaten Martina Bracke:

Trotz spannender Chemie- und Matheleistungskurse studierte Martina Bracke Verwaltungs- und Rechtswissenschaften mit späterem betriebswirtschaftlichen Aufbau. Ihre Laufbahn begann sie dann als Ghostwriterin, während sie privat der Theaterleidenschaft nachging. Diese führte zu Spiel, Regie und Autorenschaft in der Dortmunder freien Theaterszene und zur Mitgründung und jahrelangen Mitleitung des „Theaters im Depot“ in selbiger Stadt. Außerdem bewegte sie viel als stellvertretende Leiterin des Dortmunder Kulturbüros. In der Wildbahn der Literatur verfasst sie seit einiger Zeit vornehmlich Kurzgeschichten, von denen mehrere bereits gedruckt erschienen sind. (Quelle: Andreas Schröter, Schreiblust-Verlag)
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