Rettungstaucher der DLRG: "Die Sicht im Spoykanal war gleich Null"

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Kleve: Spoykanal |

Seit dem 16. Dezember galt der 16-jährige Robert P. als vermisst. Am vergangenen Mittwoch bargen Rettungstaucher der DLRG die Leiche des Jugendlichen im Spoykanal. Heute (29. 12. 2017) teilte die Polizei das Ergebnis der Obduktion des tot aufgefundenen Klevers mit.

"Auch die Obduktion hat keine Hinweise auf Fremdeinwirkung gegen den Körper des Jugendlichen erbracht. Festgestellt wurde auch, dass der junge Klever körperlich gesund war. Im Rahmen der Obduktion konnten Hinweise auf einen möglichen Ertrinkungstod erlangt werden. Die weitergehenden Untersuchungen haben ergeben, dass der 16-Jährige deutlich alkoholisiert war, Hinweise auf Drogenkonsum haben sich nicht ergeben", so die Pressestelle der Kreispolizeibehörde Kleve.
Die Retter der DLRG Goch, Kleve, Kevelaer und Weeze haben bereits ihre Erfahrungen mit Menschen, die im und am Wasser in Gefahr geraten. Regelmäßig müssen die Boots- und Tauchertrupps ausrücken, um Schwimmer vor dem Ertrinken zu retten oder Ertrunkene zu bergen. Sascha Wolf: Es kommt zehn- bis zwölfmal im Jahr vor, dass wir Menschen im Wasser suchen müssen." Neben den Wachgebieten in Kessel (Naturfreibad) und am Wisseler See sind die Helfer auch immer wieder bei Unfällen auf dem Rhein im Einsatz und waren auch bei der Flutkatastrophe 2013 in Magdeburg an Ort und Stelle.
Neben Strömungsverhältnissen in Flüssen haben die Taucher vor allem mit schlechten Sichtverhältnissen unter Wasser zu kämpfen. Im Falle des Klever Jungen war die Sicht im Spoykanal gleich Null. "Da hilft nur eines: den Grund Zentimeter für Zentimeter abtasten", sagt Wolf. Unterstützt wurde die Suche durch ein Side Scan Sonar, welches an der Oberfläche eingesetzt wird und den Tauchern eine große Orientierung gibt: "Damit lassen sich Hindernisse, Gegenstände oder auch Körper ungefähr orten, für Gewissheit sorgen dann allerdings erst die Tauchgänge."
Sobald die Taucher die vermisste Person gefunden haben, ergeht Meldung an die Leitstelle der Polizei, die dann alles weitere veranlasst. Für die Helfer der DLRG ist der Fall dann aber nicht abgeschlossen, wie Sascha Wolf weiß: "Danach folgt dann die psychologische Aufarbeitung."
Jeder der Einsatzkräfte habe seinen eigenen Weg, um solche Tragödien wie in Kleve aufzuarbeiten, zur Unterstützung würden Führungskräfte aus den eigenen Reihen oder externe Helfer zur Verfügung stehen. Auch könnten sogenannte PSU-Teams für Einsatzkräfte, PSU steht für Psychosoziale Unterstützung, im Bedarfsfall angefordert werden.
Am liebsten wären den Kollegen der DLRG aber, dass solche Einsätze gar nicht notwendig wären und die Sache am Ende doch irgendwie gut ausgehen würde, sagt Sascha Wolf: "Denn schließlich haben viele von uns ja auch Kinder und möchten, dass ihnen nichts passiert."

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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 29.12.2017 | 21:15  
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