"Unfälle fallen nicht vom Himmel"

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In der Kreispolizeibehörde wurde Mittwoch die Kreis Klever unfallstatistik vorgestellt. (Foto: AT)
 
Simone Eerden sensibilisiert Jugendliche für Unfallfolgen. (Foto: AT)

Kleverland. Landrat Wolfgang Spreen, oberster Dienstherr der Kreispolizeibehörde zog ein gemischtes Fazit, als am Mittwoch die Verkehrsstatistik für den Kreis Kleve vorgestellt wurde. „Es gibt positive und negative Entwicklungen“, so Spreen. Positiv sei beispielsweise das gesunkene Unfallrisiko, negativ das gestiegene Verletzungsrisiko. Kreisweit verunglückten 2015 im Vergleich zum Jahr 2014 weniger Jugendliche , die Zahl der in Unfälle verwickelten Kinder sei gestiegen. Im Jahr 2015 wurden kreisweit 2700 Handyverstöße geahndet.

Landesweit ist das Thema Handy am Steuer aktuell. Der Appell des Kreis Klever Landrats: „Handy und Autofahren sind keine gute Kombination. Verzichten Sie komplett aufs Handy am Steuer. Keine Nachricht kann so wichtig sein, das eigene oder das Leben anderer zu gefährden.“

Wolfgang Tühl, Leiter Direktion Verkehr, stellte die Statistik im Einzelnen vor.
Wermutstropfen ist die um einen gestiegene Zahl der Verkehrstoten von 19 auf 20. Bei neun „Baumunfällen“ kamen zehn Menschen ums Leben, innerhalb geschlossener Ortschaften vier, Dank des milden Winterwetters kam es zu einem Glatteisunfall mit Todesfolge. „Wie oft das Handy bei diesen Unfällen mit ursächlich war, können wir nicht ausmachen. Wir ziehen Handys nicht genrell ein, sondern erst bei Verdachtsmomenten und auf richterliche Anordnung.“ Bei insgesamt zwei Unfällen ohne Todesfolge war das Handy im Spiel.

Radfahrer bleiben für die Polizei im Kreis Kleve Schwerpunktthema, denn Radfahrer sind überproportional häufig in Unfälle verwickelt. Im vergangenen Jahr gab es allerdings 8,6 Prozent weniger verunglückte Radfahrer als noch 2014. Drei Radfahrer wurden getötet, die Anzahl der schwerverletzten Fietser blieb mit 69 nahezu gleich (2014: 669: Leichtverletzt wurden 265 – 33 weniger als 2014.

Die Zahl der verunglückten Kinder stieg im Jahr 2015 von 85 auf 91 an. „Es kam aber kein Kind zu Tode“, so Wolfgang Tühl. Von insgesamt 129 verletzten Kindern trugen 17 schwere und 112 leichte Verletzungen davon. 83 nahmen als Radfahrer oder Fußgänger aktiv am Straßenverkehr teil, 35 befanden sich auf dem Schulweg. Als Beifahrer im Auto wurden 46 Kinder verletzt. Tühl appelliert: „Kinder müssen im Auto altersgerecht gesichert werden, das Fahrrad muss verkehrssicher sein. Die Kinder sollten einen Helm und gut sichtbare Kleidung tragen.“

Um 15- bis 17-Jährige für die Folgen eines Unfalles zu sensibilisieren, ist Simone Eerden mit dem präventiven Programm „Crashkurs2 IN Schulen und Fahrschulen unterwegs. Unfallopfer berichten von ihren Erfahrungen, Feuerwehr und Rettungsdienst steuern ihre Sicht der Dinge bei. „Die Berichte sind immer sehr authentisch – uns geht es um die Bilder, die im Kopf entstehen. Den Jugendlichen wird klar: Hier wird nichts gepusht – schwere Unfälle sind eine Katastrophe.“ Und: Unfälle fielen eben nicht vom Himmel. Das Programm zahlt sich aus: 2015 kam kein Jugendlicher auf Kreis Klever Straßen ums Leben, die Zahl der Verletzten sank davon 78 auf 63.

Sorgen bereitet nach wie vor die Gruppe der jungen Erwachsenen, die überproportional am Unfallgeschehen beteiligt waren. Bei der auf 100 000 Einwohner bezogenen Verunglücktenhäufigkeitszahl weisen sie nach wie vor den Spitzenwert von 877 ein. Die Gesamtbevölkerung liegt bei einem Wert von 443, die Kinder bei 312, die Jugendlichen bei 608 und die Senioren bei 345.

Die Zahl der verunglückten Senioren ging zurück. Ein Umstand, den Wolfgang Tühl auch den Präventionsangeboten zuschreibt, die von der Altersgruppe intensiv in Anspruch genommen wurden.

Auch 2016 wird die Polizei an zehn kreisweiten Unfallschwerpunkten verstärkte Präsenz zeigen.
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