Stolperstein erinnert an das NS-Opfer Waldemar Elsoffer - Neuverlegung am Holocaust-Gedenktag

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Die Ratsherren und Sponsoren Hubertus Groth (links) und Siegfried Störmer mit neuem vor dem alten Stolperstein Waldemar Elsoffer
Lünen: Wohnung Waldemar Elsoffer/NS Opfer | Lünen. Als Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wurden auf Lünens Bürgersteigen bisher sieben Stolpersteine verlegt. Dabei handelt es sich um ein europaweites Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig, bei dem im Boden verlegte kleine Gedenktafeln aus Messing an das Schicksal einzelner Menschen oder Gruppen in Folge des Naziterrors erinnert. Damit in Zukunft noch mehr „dezentrale Mahnmale“ koordiniert verlegt werden, hat sich ein neuer „Arbeitskreis Lüner Stolpersteine“ gebildet. Als erste Aktivität wird allerdings zunächst der am 7. September 2009 in Gedenken an Waldemar Elsoffer verlegte Stein erneuert. Denn vor sechs Jahren wurde irrtümlich ein falsches Geburtsdatum eingearbeitet. Statt 1877 wird zukünftig das Jahr 1888 zu lesen sein.
Der 1888 geborene Waldemar Elsoffer war Jude und wurde am 10. November 1938 von zwei Lüner Nationalsozialisten ermordet. Vorher plünderten Parteigenossen die Synagoge und zündeten die Einrichtungsgegenstände auf dem Marktplatz an. Danach führten zwei Nationalsozialisten Waldemar Elsoffer und Hermann Aronstein vom Alten Markt zur Lippe und trieben sie in den Fluss. Aronstein durchschwamm die Lippe zwei Mal und überlebte diese Drangsalierung, während Elsoffer beim ersten Versuch in der Mitte des Gewässers unterging und ertrank. Seine Leiche wurde am 30. November 1938 in der Lippe treibend gefunden.
Sein Sohn, Werner Elsoffer wurde am 7. Januar 1921 in Lünen geboren und besuchte das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Er musste eine Lehre abbrechen, weil das Geschäft des Kaufmanns Rosenberg „arisiert” wurde. Einige Monate nach der Ermordung seines Vaters emigrierte der 17-jährige Ende 1938 nach England, dann nach Australien. Seine Tochter, Waldemar Elsoffers Enkelin, Margot Pogos lebt heute auch in Australien. Bei ihrer persönlichen Spurensuche nach der eigenen Vergangenheit, nahm sie vor sieben Jahren Kontakt zum Lüner Stadtarchiv auf. Diese Eigeninitiative ermöglichte damals, dass sie beim ersten Verlegen des Stolpersteins persönlich anwesend sein konnte.

Am 27. Januar 2016, dem bundesweiten Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus, beginnt die Verlegung des abgeänderten Stolpersteines ab 17 Uhr vor Elsoffers ehemaligem Wohnhaus an der Cappenberger Straße 35 c. Alfred Buß, der ehemalige Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, wird eine Gedenkrede halten und der 17-jährige Jona Groth liest ein Gedicht vor. Die Patenschaft und Pflege für den neuen Stein übernimmt der SPD-Ortsverein Lünen-Nord, während die Ratsherren Siegfried Störmer und Hubert Groth als Sponsoren tätig wurden. Die Bevölkerung ist zu dieser Veranstaltung herzlich eingeladen.
Bilduntertexte:
Die Ratsherren Siegfried Störmer (rechts) und Hubert Groth sponsern den abgeänderten Stolperstein von Waldemar Elsoffer, der am 27. Januar ab 17 Uhr vor seinem ehemaligen Wohnhaus an der Cappenberger Straße 35 c verlegt wird.
Der Arbeitskreis Lüner Stolpersteine setzt sich aktuell aus ehrenamtlich arbeitenden Lüner Bürgerinnen und Bürgern zusammen, die sich bereits in der Vergangenheit für das Verlegen der Gedenksteine in ihrer Heimatstadt eingesetzt haben. Dabei handelt es sich momentan um Fredy Niklowitz vom Lüner Stadtarchiv, den katholischen Gemeindereferenten Stephan Wilhelm, die evangelische Pfarrerin Andrea Ohm, Schriftsteller Victor Sons, Ratsherr Siegfried Störmer und SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Udo Kath. Weitere Aktive sind herzlich willkommen. So werden unter anderem Experten für die sozialen Medien für den Aufbau einer Internet- und Facebookseite gesucht. Das Setzten weiterer Stolpersteine ist geplant. Die Übernahme von Patenschaften (je Stein 120 Euro) oder/und projektbezogenes Arbeiten ist jederzeit möglich. Es gibt auch in Lünen noch sehr viele Daten, die geprüft und erarbeitet werden müssen.

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag. Er ist als Jahrestag bezogen auf den 27. Januar 1945, den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und der beiden anderen Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs.

Der Stolperstein, der am 27.1.2016 verlegt wird, hat folgenden Text:
HIER WOHNTE WALDEMAR ELSOFFER JG. 1888
OPFER DES POGROMS ERTRÄNKT 10.11.1938
IN DER LIPPE VON NATIONALSOZIALISTEN
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