Wer wird das „Schwarze Schaf“?

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Am Finalabend des Kabarettwettbewerbs "Das schwarze Schaf" in Duisburg sitzt unter anderem auch Mirja Boes in der Jury. (Foto: Sascha Kreklau)
 
„De Frau Kühne" überzeugte das Publikum in Moers schnell für sich und rückt damit dem Titel etwas näher. (Foto: privat)
Der Kabarettwettbewerb „Das schwarze Schaf“ ging am vergangenen Donnerstag, den 17. März, im ausverkauften Kammermusiksaal des Martinsstifts in die zweite Vorrunde.

In diesem schönen, gediegenen Ambiente in Moers führte der Moderator Christoph Brüske gekonnt durch einen gesellschaftskritischen Abend, der auch vor hässlichen Themen keinen Halt machte. Denn die politische Lage in Deutschland gibt momentan viel her für einen Kabarettwettbewerb. AFD und Kabarett - Einfach ein wunderbares Duo, wenn es darum geht Pointen zu finden. Doch auch darüber hinaus gab es abwechslungsreiche kabarettistische Einlagen.

Den Anfang machte Kai Spitzl, der heikle Themen, wie unsere „Nazi-light Gesellschaft mit RTL II Gesprächsniveau“, bediente und dann zu leichterem Humor wechselte, indem er klavierbegleitend drei verdammt kurze Kurzgeschichten vortrug. Dem gelungenen Einstieg folgte Heino Tiskens, ein singender Physiotherapeut aus Nettetal. Angekündigt als „Wellness für die Seele“, war vor allem das Gesundheitssystem sein Thema. Während das Publikum klatschte fühlte ich mich eher durch ein etwas monotones Redeverhalten und sanfte Gitarrenklänge, wie bei einer Stunde Autogenes Training. Wesentlich die Stimmung erheitert hat Katalyn Bohn, die für den erkrankten Olivier Sanrey einsprang. Ausgebildet in Schauspiel und Pantomime, konnte sie körperbetont die komplette Bühne einnehmen. Besonders die Methode ihren Mann kommunikativ durch eine „Judith Rakers Maske“ zu erreichen und so von ihrem Tag zu berichten, brachte das Publikum zum Lachen. Fabian D. Schwarz ist Theologiestudent und macht damit gekonnt seine Witze, indem er kirchliche Themen mit denen des Alltags mischt. Damit kam er beim Publikum sehr gut an, im Gegensatz zu dem Duo „2gewinnt“ aus Österreich, was nicht zuletzt an einem eher schlecht inszenierten Streit auf der Bühne lag. Die Witze hingegen über das Verhältnis zwischen Deutschland und Österreich, wie „Österreich liegt rechts von Deutschland“, holten das Publikum ab. Nicht überraschend gewann schließlich verdient „De Frau Kühne“, die zwar erst in ihrem zweiten Jahr auf der Bühne ist, aber mit ihrer niederrheinischen Sprache und einem Auftreten, wie Cindy aus Marzahn als Hausfrau glänzte. Sie überzeugte so durch ihre Nähe zum Publikum. Der Preis war grölendes Gelächter, die heiterste und ausgelassenste Stimmung, sowie der Gewinn des Abends.

Vielleicht hätte Hanns Dieter Hüsch sich eher einen politischen und gesellschaftskritischen Beitrag als Gewinner gewünscht. Doch auch wenn es diesen nicht gab, hat der Moderator Christoph Brüske für einen solchen innehaltenden und andächtigen Moment zum Schluss gesorgt. Denn zunächst sang er operngleich den Helene Fischer Song neu mit „tatenlos an der Macht“ und gab daraufhin „Das Phänomen“ von Hanns Dieter Hüsch zum Besten. Es war der Höhepunkt der Kritik an unserer politischen Lage und damit eine Mahnung gegen Faschismus und für Menschlichkeit. Ein Gänsehautmoment, dem das Publikum mit Zustimmung und tosendem Beifall entgegnete.



Der Wettbewerb
Der von Hanns Dieter Hüsch ins Leben gerufene Preis, wird 2016 zum neunten Mal vergeben. In vier Städten am Niederrhein haben jeweils sechs verschiedene Künstler in zwei Vorrunden die Möglichkeit, einen 15-minütigen Einblick in ihr aktuelles Programm zu geben. Das Publikum entscheidet über die Finalisten, die dann am 7. Mai im Theater am Marientor vor einer Fachjury um die Auszeichnung „Das schwarze Schaf“ kämpfen und damit um 6.000 Euro Preisgeld und eine Gewinnertour.
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