Das Museum zur Vorgeschichte des Films feiert seinen zehnten Geburtstag mit freiem Eintritt: Aber ab 2018 wird es finanziell eng

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Der Museumspädagoge Dr. Jörg Schmitz, MST-Geschäftsführerin Inge Kammerichs (mit einer Laterna Magica aus dem Jahr 1900) und Sammler Karl-Heinz Steckelings vor dem alten Broicher Wassertum, der seit 1992 eine Camera Obscura und seit 2006 ein Museum zur Vorgeschichte des Films beherbergt. (Foto Emons)

Wenn man durch einen Guckkasten aus dem 19. Jahrhundert schaut und zum Beispiel das alte Maastricht oder eine Seeschlacht sieht, braucht es nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, wie aus diesem Kasten Jahrzehnte später unser Fernsehen wurde. Einen ähnlichen Weg ging die Lochkamera bis zur heutigen Digitalkamera. Und wer sich die Fiktion von laufenden Bildern einer Laterna Magica oder eine in den 1870er Jahren gebaute Wunschtrommel anschaut, die einst Kaiser Wilhelm II. gehörte, ahnt bereits den weiteren Werdegang bis zum Filmprojektor, der inzwischen schon wieder durch die digitale Filmtechnik überflüssig gemacht worden ist.

Seit zehn Jahren kann man im alten, 1904 errichteten, Broicher Wasserturm, sehen und erleben, wie die Bilder das Laufen lernten. Diesen Geburtstag feiert die Betreiberin des kleinen, aber europaweit bekannten Museums zur Vorgeschichte des Films, die Mülheimer Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft MST am kommenden Wochenende, 10. und 11. September, jeweils zwischen 10 und 18 Uhr mit freiem Eintritt für alle interessierten Bürger.

Ein Bildungsort

„Was zu Zeiten der Müga 1992 ein Restaurant und später eine beliebte Diskothek war, ist heute nicht nur ein Freizeitort und ein beliebter Trauungsort, sondern auch ein Ort der Wissensvermittlung“, beschreibt MST-Geschäftsführerin Inge Kammerichs den Wandel des Wasserturms, der bis 1959 Teil eines Eisenbahnausbesserungswerkes war. Der Museumspädagoge Dr. Jörg Schmitz, der in der Camera Obscura regelmäßig Schüler und Hochschüler durch die Ausstellung führt oder sich deren Inhalte mit ihnen in Workshops erarbeitet, geht davon aus, dass zwei Drittel der jährlich 20.000 Museumsbesucher einen pädagogischen oder wissenschaftlichen Hintergrund mitbringen. „Das Themenspektrum reicht von der Physik sowie der Theater- und Filmwissenschaft über die technische Grafik und das Kommunikationsdesign bis zur Fotografie und Kunst“, erklärt Schmitz.
Möglich gemacht wurde das Museum zur Vorgeschichte des Films, in dem sich der Wuppertaler Textilingenieur Karl-Heinz Steckelings 1139 Stücke seiner einzigartigen Sammlung, die er seit den 60er Jahren zusammengetragen hatte, 2006 verkaufte. „Das ist mir nicht leicht gefallen. Aber wenn ich heute in diesem Museum stehe, in dem meine Sammlung der interessierten Öffentlichkeit gezeigt wird, dann weiß ich, dass sie in guten Händen ist und es für mich die richtige Entscheidung war“, sagt der heute 86-Jährige. Er selbst kam über die Gemälde seiner Eltern zur Fotografie und später zur Vorgeschichte des Films.
Das Ausstellungskonzept des Museums im alten Wasserturm kam damals von Hans-Hermann Hofstadt, Heike Niechoj und Helmut Kessler.
Das Geld für den Aufbau und die Ausstattung des Museums stellten RWE Aqua (770.000 Euro) und das Land Nordrhein-Westfalen (282.000 Euro) zur Verfügung. Kein Geld muss man am kommenden Wochenende mitbringen, um neben der Museumsausstellung auch die 1992 von Carl-Zeiss-Jena in der Turmkuppel montierte Camera Obschura und damit einen Umgebungsradius von bis zu 30 Kilometern zu betrachten.

Wie geht es weiter?

Derweil zeichnet sich für die Camera Obschura und ihr Museum ein Umbruch ab. Wie MST-Geschäftsführerin Inge Kammerichs mitteilte, ist die finanzielle Förderung durch die Leonhard-Stinnes-Stiftung aufgrund der aktuellen Zinsentwicklung nur noch für das Jahr 2017 gesichert. Die Stelle des bisherigen Museumsleiters, Tobias Kaufhold, der das Haus Ende August verlassen hat, wird vorerst nicht neu ausgeschrieben. Kammerichs deutete mit Blick auf die Finanzierung des Museums an, dass die Trauungen im alten Broicher Wasserturm und der Museumsshop künftig eine größere Rolle spielen werden. Thomas Emons

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