Marodes Schloß Broich: Sanierung von Abschnitt "R10" der Ringmauer beginnt nach Pfingsten

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„Achtung Steinschlag, Lebensgefahr!“ - Gleich an mehreren Stellen auf Schloß Broich wird vor möglichen Gefahren gewarnt. Um die Fassade im Innenhof macht sich Heike Blaeser-Metzger, Prokuristin bei der MST, keine Sorgen. „Man muss was tun, aber nicht zwingend sofort.“ Anders sieht es mit der Ringmauer aus. „Dort sieht man mit bloßem Auge, dass sie marode ist.“ Veranstaltungen würden aber nicht beeinträchtigt.
 
An diesem Abschnitt der Ringmauer, verzeichnet als „R10“, sind bis zu fünf Meter tiefe Bohrungen durchgeführt worden. Die nötige Sanierung kostet 313.500 Euro.
Mülheim: Schloß Broich |

Am Anfang war es nur ein Stein: Im September 2009, fünf Monate nachdem die Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH endlich ihr im Jahr 2002 gekauftes Schloss beziehen konnte, entdeckte eine Mitarbeiterin, dass ein Stein aus der Ringmauer gefallen war. Nach einer ersten Überprüfung hatten sowohl Restaurator Thomas Lehmkuhl als auch Gutachter Dr. Ägidius Strack schlechte Nachrichten für die Eigentümerin.

„Der Befund war dramatisch“, erinnert sich Heike Blaeser-Metzger, Prokuristin bei der MST. Die Mauern: mehr als marode. Überall zeigten sich Hohlräume, drang das Wasser ein, fielen Steine - oder was davon übrig war - heraus. Zwar wurde die alte Karolingerfestung Mitte der 60er-Jahre bis 1974 saniert, bevor sie für kurze Zeit als VHS genutzt wurde, allerdings mehr schlecht als recht. So wurden Hohlräume einfach mit Zement gefüllt und nur die Oberflächen notdürftig verfugt. „Es wurde eben nicht unter dem Aspekt des Denkmalschutzes gearbeitet.“ Das rächt sich jetzt.

Besonders die Außenwand ist sehr marode und bröckelt

Nachdem Torbogen, Palas-Fassade und das Teilstück „R1“ der Ringmauer bereits instand gesetzt und erste Notsicherungen vorgenommen worden sind, beginnen gleich nach dem Pfingstspektakulum die Arbeiten am Teilstück „R10“ der Ringmauer. Drei bis zu fünf Meter tiefe Bohrungen hatten ergeben: Besonders die Außenwand ist in einem sehr schlechten Zustand. Verantwortlich für die Sanierung zeichnet erneut die Firma Torkret, eine im Denkmalschutz versierte Fachfirma, die bereits an anderer Stelle im Schloss beschäftigt ist. Die Mitarbeiter verfüllen nicht nur Hohlräume mit einem historischen Mörtelgemisch, sondern „klopfen wirklich jeden Stein ab“. Notfalls würde der Stein entfernt, das Loch neu gefüllt und der Stein wieder eingesetzt oder es würde ein neuer Stein gesetzt. Wenn möglich, wird anschließend spritzverfugt, alternativ werden die Flächen von Hand verfugt. Bis Jahresende sollen die Arbeiten an diesem Stück der Ringmauer abgeschlossen sein.Ebenfalls beendet werden können in diesem Jahr die Arbeiten an den Abschnitten „R2“ bis „R6“.

Sanierung unter Aspekten des Denmalschutzes

Insgesamt hat die MST die Sanierung der Festung aus dem neunten Jahrhundert bisher rund zwei Millionen Euro gekostet. Ein ähnlich hoher Betrag muss in den kommenden Jahren aufgebracht und ausgegeben werden, um auch alle anderen Abschnitte unter dem Aspekt des Denkmalschutzes zu sanieren.
Finanziert werden die Bauarbeiten mit Eigen-, Landes- und mit Bundesmitteln. Zusätzlich bemühen sich MST-Chefin Inge Kammerichs und Heike Blaeser-Metzger um Fördermittel von Stiftungen oder aus dem Bereich Kultur und putzen bei großen Unternehmen Klinken. Mit der Bannerwerbung der „Schlossretter“, die seit Juni vergangenen Jahres ebenfalls Geld in den Topf spült, sind die beiden zufrieden. Anschlussaufträge auch über den August hinaus sind bereits geschlossen. Private Spenden werden natürlich ebenso gern entgegen genommen.

Im Jahr 2020 könnten alle Arbeiten abgeschlossen sein

Und wenn alle Arbeiten voraussichtlich 2020 abgeschlossen sind? Darf die MST dann wieder von vorn anfangen? „Nein“, sagt die Prokuristin. „Die Maßnahmen jetzt sollten die nächsten Jahrhunderte überstehen.“ Einzig die oberste Verschleißschicht muss regelmäßig abgetragen und erneuert werden.
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