Stellwerk-Brand: Bahn-Fahrplan bleibt bis März 2016 beeinträchtig

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So sieht es aktuell am und im ausgebrannten Stellwerk in Mülheim-Styrum aus. In mehreren Trupps arbeiten die Mitarbeiter der verschiedenen Sparten der Deutschen Bahn AG daran, es wieder begehbar zu machen und mit der Sanierung zu beginnen. Ziel ist es, dass es Ende März 2016 wieder ans Netz gehen kann. (Foto: PR Foto Köhring)
 
Reiner Latsch, Konzernbeauftragter der Deutschen Bahn AG, stellte sich am und im ausgebrannten Stellwerk in Mülheim-Styrum den Fragen der Pressevertreter. (Foto: Deutsche Bahn AG)
Mülheim: Mülheim Styrum |

Laut surren die Heizlüfter im Relaisschaltraum des ausgebrannten Stellwerks der Deutschen Bahn am Rande der viel befahrenen Bahntrasse zwischen Mülheim an der Ruhr und Duisburg. Nur mit Atemschutzmasken dürfen die Mitarbeiter dabei die ausgebrannten Etagen räumen und die besichtigenden Journalisten dürfen sich nur in kleinen Gruppen und gesichert mit Atemschutzmaske und Sicherheitsschuhen ein erstes Bild von der größten Brandkatastrophe in einem Stellwerk machen.



Angesichts dieses Szenarios wird klar - Hier wird so schnell kein Techniker mehr die automatischen Schaltungen von 45 Weichen und 100 Signalen überwachen und im Notfall eingreifen. Seit gut zehn Tagen herrscht bei der Bahn auf einer der europaweit am meisten befahrenen Trassen der Ausnahmezustand. Doch am Donnerstag konnten Reiner Latsch, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für NRW, Prof. Dr. Michael Häßler, Leiter Vertrieb und Fahrplan der DB Netz AG im Regionalbereich West, sowie Erwin Schick, Leiter des Produktionsstandortes Duisburg der DB Netz AG, auf einer eigens vor Ort anberaumten Pressekonferenz in Mülheim am Stellwerk über das Schadensausmaß informieren und das weitere Vorgehen vorstellen. Nach dem jetzigen Stand der Schadensaufnahme zeigt sich, dass der Bedienraum vollständig zerstört ist, die vorhandenen Relaistechnik und die gesamten Außenanlagen können nach teils sehr aufwändigen Reparaturarbeiten weiter genutzt werden. Mit Hochdruck laufen die Trocknungs-, Reinigungs- und Aufräumarbeiten in den Räumen des Stellwerks. Der Bedienraum wird komplett entkernt. Außerdem wurde das Gebäude durch ein Gerüst eingehaust, damit die Sanierung des Daches starten kann. Reiner Latsch: „Wir haben uns nach ausgiebigen Beratungen dazu entschlossen, dass wir auf dem noch nutzbaren Fundamente und dem wiederverwertbaren technischen Einrichtungen aufbauen und das Stellwerk hier wieder in Betrieb nehmen. Das ist die schnellste und kostengünstigste Variante.“

"Wir werden das Stellwerk wieder hier an dieser Stelle sanieren und möglichst Ende März 2016 wieder in Betrieb nehmen." Reiner Latsch, Konzern-bevollmächtigter der Deutschen Bahn AG


Zudem arbeiten Erwin Schick und seine Kollegen daran, die Beeinträchtigungen weiter zu verringern. So kann ab dem Wochenende die Strecke zwischen Duisburg und Essen wieder mit der planmäßigen Geschwindigkeit befahren werden. In den vergangenen Tagen galt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 Stundenkilometern.Um die Geschwindigkeit zu erhöhen, werden mehr als 25 Weichen mit sogenannten Handverschlusseinrichtungen als zusätzliche Sicherungsmaßnahme versehen. Zeitgleich laufen im Hintergrund die Überlegungen, die S 3 in einem Pendelverkehr zwischen Mülheim oder eventuell sogar Essen und Oberhausen verkehren zu lassen. Als mögliche Alternative gibt es Gespräche mit dem Verkehrsverbund Rhein Ruhr und der Mülheimer Verkehrsgesellschaft über die Möglichkeit, Straßenbahnen vermehrt auf der Strecke nach Oberhausen einzusetzen. Gleichzeitig laufen die Anstrengungen, die sogenannte „Blockanlage“ - ohne den Bereich Styrum – wieder in Betrieb zu nehmen, um den Verkehr besser abwickeln zu können. Besondere schriftliche Anweisungen für die Lokführer wären dann nicht mehr erforderlich, sodass auch dies zu einem reibungsloseren Ablauf sorgen könnte.

Hintergrund:
Im Notfahrplan der Deutschen Bahn AG, den Prof. Dr. Michael Häßler, Leiter Vertrieb und Fahrplan der DB Netz AG, vorstellte, fahren nur zwei statt vier Regionalexpresse auf dem Regelweg über Essen und Mülheim. Dies sind der RE 1 Richtung Aachen/Hamm und der RE 11 Richtung Mönchengladbach/Hamm fahren auf dem Regelweg. Über Gelsenkirchen und Altenessen werden voraussichtlich bis März der RE 2 /Münster/Düsseldorf) und der RE 6 (Minden/Düsseldorf) umgeleitet. Ab 17.10. bedienen die Züge auch Paderborn planmäßig zweistündlich. Morgen und übermorgen wenden die Züge des RE 1 vorzeitig in Hamm Hbf und verkehren somit nicht zwischen Hamm und Paderborn mit Ausnahme eines Zugpaares von Hamm (Abfahrt um 6.04 Uhr) nach Paderborn und von Paderborn (Abfahrt um 7.38 Uhr) nach Hamm.
Die S1 fährt ab dem 17. Oktober wieder auf dem gesamten Laufweg von Solingen bis Dortmund Hbf im 30-Minuten-Takt, ab Montag 19. Oktober. Die S3 entfällt auf dem Abschnitt Essen–Oberhausen. Ein Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Essen Hbf und Oberhausen Hbf ist eingerichtet. Ab dem 19. Oktober werden diese nur noch auf dem Abschnitt Oberhausen und Mülheim Hbf verkehren mit Umsteigemöglichkeit zu den Zügen des Regionalverkehrs und zur S 1. Im Fernverkehr bleibt es dabei, dass lediglich die ICE-Linie 10 von Köln nach Berlin über den Regelweg fährt und in Essen und Bochum hält.
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