Architektenteam forciert Wohnen auf der Ruhr

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In direkter Nachbarschaft zu diesem Ruhrstück unter dem Kassenberg könnte es in einigen Jahren "Floating Homes" geben. (Foto: PR-Foto Köhring/AK)

Wohnen auf der Ruhr ist in Mülheim schon seit vielen Jahren im Gespräch. Eigentlich schon seit der MüGa 1992. Mit dem Projekt „Floating Homes“ forciert die Planungsgruppe Ponton das Thema nun und stellte am Dienstag sieben potenzielle Standorte vor.

„Wir glauben, dass es an der Zeit ist“, sagt Architekt Gunvar Blanck, der sich mit seinen beiden Kollegen Christof Laue und Detlef Riek sowie dem Vermessungsingenieur Dr. Hanns Schuster zusammengetan hat. Das Team hofft vor allem auf die Internationale Gartenausstellung (IGA) 2027, bei der das Wohnen auf dem Wasser einer der Hauptprojekte sein soll. „Mülheim könnte damit zum Pilotprojekt werden“, betont Blanck.

Die sogenannten „Floating Homes“ sind keine Hausboote, sondern haben fest verankerte Schwimmkörper als Fundament. Pflöcke aus Beton werden in die Ruhr gerammt, so dass die Einfamilienhäuser zwar die Bewegung des Wassers aufnehmen, aber in gedämpfter Form. „Ihnen wird also nicht die Suppe überschwappen“, beschreibt es Blanck bildlich. Leichtbaumaterialien aus dem Schiffsbau könnten auf die „Floating Homes“ übertragen werden.

Mülheimer Firmen könnten solche Bauteile liefern. „Es gibt einige Unternehmen in Mülheim, die den Umgang mit ruhrspezifischen Lösungen beherrschen“, stellt Blanck eine gute Ausgangssituation heraus. Auch die Nachfrage sei groß. Seit das Thema im April zum ersten Mal kommuniziert wurde, musste sowohl die Planungsgruppe als auch die Stadt jede Menge Anrufe entgegen nehmen.

Wer einen großen Eingriff in die Natur befürchtet, den beruhigen die Planer. Ihre Vorschläge betreffen gerade einmal 300 Meter von insgesamt 12,5 Kilometern der Ruhr in Mülheim.

Diese sieben Projekte hat das Team ins Auge gefasst

1. An der Raffelberger Schleuse an der Ruhrorter Straße schlägt die Planungsgruppe Ponton zwei zweigeschossige Wohneinheiten mit direkter Anbindung zur Wasserstraße vor.

2. Ein Büro auf dem Wasser? Auf dem Nebenarm der Ruhr hinter dem Styrumer RWW-Sitz kann sich das Architektenteam ein dreigeschossiges „Floating Office“ vorstellen.

3. Einer der spannendsten Standorte liegt hinter der Friedrich-Wilhelms-Hütte. In einer bereits bestehenden Einbuchtung könnte eine Siedlung mit bis zu acht Einheiten entstehen. Für Schiffsbesitzer soll das ehemalige Freibad der Hütte in eine Marina umgebaut werden. Die Mauern dafür gibt es bereits.

4. Zwischen Ruhrbania und der Nordbrücke könnten zwei dreigeschössige „Floating Homes“ entstehen. Eine Einbuchtung dafür müsste allerdings noch entstehen. „Aber dort wird sich ja ohnehin noch eine Menge tun“, weiß Gunvar Blanck.

5. Kurz vor der alten Eisenbahnbrücke, auf der MüGa-Seite stellen sich die Planer ein Radfahrer-Hotel mit sechs Häusern vor. Diese werden allerdings nur eingeschossig sein.

6. „Dies war unser Ausgangsstandort“, verrät Blanck. Er befindet sich unterhalb des Kassenbergs direkt neben dem Gelände der Mülheimer Kanu- und Skifreunde. Auch durch den Klub wäre eine direkte Anbindung zwischen den drei „Floating Homes“ und der Straße gegeben. Durch die beiden Wehre fehlt hier allerdings eine direkte Anbindung zur Wasserstraße. „Es wäre relativ leicht zu realisieren“, findet Blanck.

7. Einer der schwierigsten Standorte liegt im Überschwemmungsgebiet in Mintard. „Es müsste ein Steg gelegt werden, der beim Hochwasser mit ansteigt“, sagt der Architekt. Die notwendigen Buchten für insgesamt fünf Wohneinheiten wären bereits gegeben, ebenso wie die direkte Anbindung an die Wasserstraße.

Juristische Fragestellungen noch ungeklär

„Wir haben also jede Menge unterschiedliche Nutzung und Typologie“, fasst Gunvar Blanck zusammen. Der Architekt betont aber, dass noch nichts entschieden sein. „Es ist bislang ein Bierdeckelprojekt“, sagt er. Die Reaktionen aus der Politik waren aber durchweg positiv, die Bezirksregierung hat noch vor der Sommerpause einen Gesprächstermin anberaumt.

„Einen richtigen Bremsklotz haben wir bisher nicht erlebt“, ergänzt Hanns Schuster. Allerdings müssten noch jede Menge Gutachten erstellt und juristische Fragestellungen geklärt werden. Zum Beispiel ist die Ruhr nach wie vor für die Verkehrsnutzung ausgelegt, es müsste gewährleistet sein, dass Käufer „ein Stück Fluss“ erwerben können. Die Planunggruppe hat bereits Kontakt mit dem Bundesschifffahrtsamt aufgenommen. „Es ist ein dickes Brett, aber wir wollen alle mit ins Boot nehmen“, sagt Schuster. „Im wahrsten Sinne des Wortes.“
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