Mal wieder ins Schauspielhaus !
Besuch des Musical "Lazarus" von David Bowie

Es liegt mir fern, hier eine Inhaltsangabe zu machen zu diesem poetischen Musical. Es liegt mir fern, eine Interpretation des Gehörten und Gesehenen vorzunehmen.

Aber es liegt mir am Herzen, jene zu ermuntern ins Schauspielhaus zu gehen, die Berührungsängste haben.

Es gab negative Kritiken zu diesem Stück, es gab Leute, die erzählten, sie wären während der Vorstellung rausgegangen – und es ging vielleicht auch die ein oder andere Person raus – aber sie kam wieder zurück, hatte wohl zu viel getrunken vorher und mußte aufs Klo.

Ich, für meine Person, hatte etwas erlebt, was ich noch nie erlebt hatte nach der Aufführung eines Theaterstückes. Ich träumte in der Nacht nach der Aufführung von David Bowie. Und das war ein ernsthafter Traum. Noch nie träumte ich von einem „Star“ - aber nach „Lazarus-Aufführung“ verweilte David Bowie oder jemand, der so aussah, sympathisch in meiner Nähe – und wie mir im Traum schien, recht lange und intensiv. Das Musical muss mich also sehr beeindruckt haben im Unterbewußtsein.

Aber auch um Oberbewußtsein hat es mich beeindruckt. Eine über Monate ausverkaufte Vorstellung hatte plötzlich Kapazitäten frei und einer guten Bekannten habe ich zu verdanken, das sie Karten orderte – die preiswertesten Karten für 14,- Euro – und wir sassen so erhöht und gut, das wir einen wahrlich guten Blick auf die Bühne hatten. Die Akustik im Schauspielhaus hat sich wohl auch verbessert – es war vom Hörvermögen her, als sässen wir vorne.
Gut, es empfiehlt sich, ein Fernglas mitzunehmen – glücklicherweise hatte ich das meinige nicht vergessen und so konnte ich Mienen sehen, konnte die Dramatik in den Gesichtern erleben, als sässe ich vorne.

Eine Dame sass in unserer Reihe alleine und erzählte, sie sei heute zum 5. Mal hier. Und vorne sei es natürlich schöner, weil man die Gesichter „lesen“ kann. Ich „las“ die Gesichter dank meinem nicht vergessenen Fernglas – und diese Gesichter spielten ausdrucksvoll ihren Part.

Was passiert da in dem Musical ? Es passiert, das der Hauptdarsteller, der norwegische Performer und Sänger Hans Petter Melö Dahl aussieht, wie David Bowie und singt, wie David Bowie und das David Bowie einfach nur allgegenwärtig ist in dieser Aufführung.

Es passiert, das André Kaczmarczyk , als Valentine, eine androgyne Figur, schlank und groß, und auf hohen Plateausohlen noch größer, und dabei noch mit nach hinten gekämmten roten haaren und schwarz geschminkten Mund erscheint, wie eine Reminiszenz an „Rocky Horror Picture-Show“, die dem Mann aber nicht das Wasser reichen kann.

Es passiert, das drei synchron tanzende und singende Sängerinnen, Sangeskunst und Erotik verströmen.

Es passiert, das die zwei weiblichen Protagonistinnen, fast wie Bowie singen und sich in ihrer Rolle zu verlieren scheinen.

Aber es passiert auch – ich hab kein Höhenmass im Kopf – das diese Menschen auf diesem herrlich aufgebauten Bühnenbild, hoch oben in einer Höhe von gefühlten 20 metern am Abgrund auf einem Brett stehen und singen. Da habe ich mich allen Ernstes gefragt, ob die Gewerkschaft der Schauspieler nicht dafür sorgen könnte, das die Protagonisten abgesichert sind mit Seilen oder sonstwas. Singen Sie mal so hoch am Abgrund oder setzen Sie sich am Ende noch dahin und stehen ohne Hilfe einfach mal so auf, ohne runterzufallen.

Lange Rede, kurzer Sinn. David Bowie schrieb dieses Musical, als er schon vom Krebstod gezeichnet war und war auch bei der Premiere zugegen.

David Bowie wird mit diesem Musical unsterblich sein. Die Musik war hinreissend – im Orchestergraben waren Instrumente zu hören und zu sehen, die diese Musik begleiteten. Bläser, Gitarren, Bass, Schlaginstrumente u.a.

Die Akustik war mitreissend, die Musik herzerwärmend, David Bowie, gesungen von jemanden, der ihm glücklicherweise so ähnlich war im Aussehen und in der Stimme, lebte hier weiter, lebte weiter, als wäre er nie von uns gegangen. Ein großartiger Künstler, dessen Musical ich jedem ans Herz legen möchte, der „Lazarus“ bisher kritisch gegenüber stand.

Und dann komme ich heim und erlebe auf ARTE noch eine Biografie von Bruce Springsteen – was Wunder, wenn ich in der Nacht von einer Rockgrösse träume.

Ruhe in Frieden, David Bowie, Du hast der Welt wunderbare Musik geschenkt. Danke !

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