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Fragmente eines Ängstlichen - Stephan Kaluzas neuer Roman über Schicksal, Schuld und Selbstbetrug

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"Schicksalsschläge lassen sich ertragen – sie kommen von außen, sind zufällig. Aber durch eigene Schuld leiden – das ist der Stachel des Lebens." (Oscar Wilde)

Eine verlassene Fabrikhalle am Rande der Stadt, irgendwo im Nirgendwo.
Ein Stahlträger, mit Tauben darauf. Der 17-jährige legt an, drückt ab. Der Vogel fällt zu Boden, zuckt nur kurz. Beim nächsten dauert es länger … Renard Castner erinnert sich. Bilder, so klar, als wäre alles gestern geschehen. Aber im Grunde spielt die Zeit keine Rolle. Eine Handlung ist eine Handlung. Unabhängig von Gegenwart und Vergangenheit verbleibt das Wissen, sinnlos getötet zu haben.

Stephan Kaluzas neuer Roman "Fragmente eines Ängstlichen" seziert messerscharf, was die Gewissheit, sich am Leben vergangen zu haben, aus Menschen macht: Filmemacher Castner, der Todesschütze von damals, ist inzwischen 57 Jahre alt. Seine Schuldgefühle haben ihn zum Kontrollfreak und exzessiven Hypochonder werden lassen. Während der Dreharbeiten zu einem neuen Film trifft er auf den Anthropologen Pollock, mit dem ihn das Schicksal der irreparablen Schuld verbindet. Denn Pollock muss sich eingestehen, als Wissenschaftler an einem Genozid an Indigenen in Panama beteiligt gewesen zu sein.

Ungewöhnlich geht es weiter in "Fragmente eines Ängstlichen": In Paris nimmt der Bewässerungsingenieur Sahin eine unbekannte Frau mit auf sein Hotelzimmer, was sich als fatal erweisen wird; die kleine Aní begleitet ihren Stiefvater beim Drogenschmuggel auf dem Rio Chucunaque in Panama und lässt ihn regungslos im Fluss ertrinken; in einem Leichenschauhaus in Los Angeles ritzt die Putzfrau Ina Zeichnungen in die Haut eines Toten und beginnt einen ebenso blutigen wie auch bizarren Roadtrip durch Kalifornien; ein Mann öffnet den Gullydeckel einer Straße und findet sich an einem Fluss wieder, der sich in einem endlos scheinenden Sandmeer verliert.

Auch wenn diese Geschichten zunächst dem Anschein nach nichts miteinander zu tun haben, werden sie im zweiten Teil des Romans ihre überraschenden Verknüpfungen zu Castner und Pollock preisgeben.
"Castor und Pollux galten in der Antike als Schutzpatrone der Seefahrer, an deren Sternbild sie sich auf dem Meer orientierten", erklärt Stephan Kaluza und fährt fort: "Wasser, ob im Ozean, im Fluss, in der Tropfsteinhöhle oder im Putzeimer, ist das verbindende Element aller Handlungsebenen in meinem Roman. Es sind also nicht Verwandtschaften oder Gesellschaften, die den Plot verknüpfen, sondern ein Element, das sich überall und in allem wiederfindet, zu jeder Zeit.“

Dem Maler, Fotografen und Autor Stephan Kaluza geht es nicht um vordergründige Effekte, sondern um existenzielle Fragen des Menschseins. Schonungslos und mit chirurgischer Präzision lotet der Autor auf 400 Seiten die seelischen Abgründe seiner Figuren aus. Spannend, klug, ohne falsche Scham – anspruchsvolle Leselust im Corona-Sommer 2020.

Weitere Infos unter:
https://dcv-books.com/produkt/stephan-kaluza-fragmente/

Stephan Kaluza (geb. 1964 in Bad Iburg, lebt und arbeitet in Düsseldorf), beschäftigt sich als freischaffender Künstler mit den Medien Fotografie und Malerei und ist Autor von Theaterstücken, Romanen und Sachbüchern (Suhrkamp Verlag, Berlin, Dumont Verlag, Köln, Edition Cantz, Berlin, FVA, Frankfurt). Er studierte u.a. Kunst an der Peter Behrens School of Arts, Düsseldorf, und Kunstgeschichte und Philosophie an der Kunstakademie Düsseldorf. Seit 1995 stellt Stephan Kaluza seine Werke u. a. im Museum on the Seam, Jerusalem, im State Museum of Contemporary Art, Seoul, in den Kunsthallen Düsseldorf und Osnabrück, im Zendai Museum of Modern Art, Shanghai, im Kunstverein Bethanien, Berlin, in der renommierten Galerie Geuer & Geuer in Düsseldorf, im Puschkin Museum St. Petersburg und im Osthaus Museum Hagen aus. Eine seiner bekanntesten Arbeiten ist das "Rhein-Projekt", bei dem er den gesamten Fluss von der Quelle bis zur Mündung zu Fuß abging und die 50 000 Fotos des gegenüberliegenden Ufers zu einer 5km-Gesamtansicht des ganzen Flusses montierte. Seine literarischen Arbeiten verbindet er stets mit Eindrücken und Aspekten der bildenden Kunst; so, wie in all seinen Medien eine schwindende Natur thematisiert wird.

Vorherige Publikationen:
„Transit“, Edition Cantz, 2020 (mit Dieter Nuhr)
„Mechanik Sehnsucht; Kunsterzeugung und Betrachtung“, Edition Cantz, 2019
„Das Buch der sinnlosen Wege“, Grupello Verlag, Düsseldorf, 2019, Grotesken
„First Real“, Suhrkamp Verlag, Berlin, 2018, Theaterstück
„Demarkation/Transit“, Kerber Verlag, Berlin, 2018
„Ein möglicher Ort“, Frankfurter Verlagsanstalt, 2016, Roman
„Atlantic Zero, 3D, Sand“, Suhrkamp Spectaculum, 2015, Theatersstücke
„30 Keller“, Frankfurter Verlagsanstalt, 2014, Roman
„Geh auf Magenta“, Frankfurter Verlagsanstalt, 2013, Roman
„Weil ich es kann“, Suhrkamp Verlag, Berlin, 2012, Theaterstück
„Felder“, Dumont Verlag, Köln, 2011
„The right to protest“, Hrsg. Museum of the Seam, Jerusalem, 2010
„The Thames-Project - complexe 2“, Thames & Hudson Ltd, London 2009
„Die unsichtbare Mauer“, Dumont Verlag, Köln, 2009
„Das Rheinprojekt - complexe 1“, Verlag der Buchhandlung Walter König/ Dumont Verlag, Köln, 2007
„Schrift, Bilder, Denken – Die Kunst der Gegenwart und Walter Benjamin“, Hrsg. Peter Herbstreuth, Haus am Waldsee, Berlin, 2006
„Declaration“, Hrsg. National Museum of contemporary Art, Seoul, 2006

Autor:

Schwarz aus Düsseldorf

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