Carpe the fucking diem

Das Leben ist schön.
Im Nachhinein weiß ich erst, weshalb mich damals dieser Film ergriffen hat, wie kaum ein anderer. Das Leben ist schön. Ja. Aber es kostet viel Kraft, um diese Aussage aufrecht erhalten und damit bewahrheiten zu können.
Die Liebesgeschichte von Guido und seiner Dora ist eine der ergreifendsten die ich kenne und das obwohl sie vor dem grauenvollen Hintergrund des zweiten Weltkriegs spielt.
Oder wahrscheinlich gerade deswegen.

Warum verursachen immer wieder „Gaffer“ einen Stau auf der Gegenfahrbahn?
Weshalb setzen sich Menschen in ihrer Freizeit freiwillig bestimmten Gefahren, wie Bungee-Jumping & Co. aus?
Was ist der besondere Reiz an Horrorfilmen, wenn nicht die Tatsache, dass der Schrecken ein selbst bestimmbares Ende hat. Alles andere wäre - entschuldigen Sie meine Ehrlichkeit: krank! Wer wollte ein Leben lang Horror haben?
Auch der Fußball lebt von den Höhen und Tiefen. War nicht die WM 2014 gerade deshalb so bewegend, weil der Sieg in 2010 verpasst wurde? Und war der Sieg in 2014 nicht nur deshalb so ekstatisch, weil es bis zuletzt nicht klar war, ob „er ihn tatsächlich macht“?
Was ist Rotz und Wasser bei der Wiedersehensfreude wenn nicht verbotener Abschiedsschmerz?

Das Leben ist schön. Ja. Aber das ist nur die halbe Wahrheit.
Es ist phasenweise – verzeihen Sie bitte nochmals meine Offenheit: verdammt anstrengend und ätzend. Und das wird es auch bleiben, wenn wir uns krampfhaft an den halben Gläsern festhalten.
Die gute Nachricht ist: Das halbe Glas ist mehr als genug, wenn wir es denn zu schätzen wissen. Der Gesetzmäßigkeit nach ergeben sogar zwei halbleere Gläser ein volles. Wenn man denn bereit ist, das popelige Halbe auch noch zu teilen.

Glück ist meiner Überzeugung nach, die einfachen, gegebenen Dinge des Lebens in allen Höhen und Tiefen so intensiv zu leben, dass sie zu etwas ganz Besonderem werden.
Also lasst uns doch bitte endlich das fucking diem carpen!

Nachsatz:
Meine große Kleine wird morgen 18! Ist es nicht gerade deshalb so schwer die Blagen gehen zu lassen, weil sie einem das Leben so schwer machen? ;-)
Fliiiiiiiiiieeeg mein Kind: Ich traue es Dir zu! Aber sowas von.

Mit bestem Dank an Ricarda, über die ich an diesen genialen Ausspruch gekommen bin: Carpe the fucking diem!

Autor:

Femke Zimmermann aus Düsseldorf

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