Tödliche Falle

Fröschen und Molchen wird von Tierschützern über Werden’s Straßen geholfen

Gerade aus dem Winterschlaf erwacht, machen sich mit dem Einsetzen der wärmeren Witterung in diesen Tagen viele kleine Waldbewohner auf den Weg. Frösche, Molche und Feuersalamander kehren zurück an ihre Laichplätze am Wasser. Ein ganz natürlicher Vorgang, bei dem sie aber in unserer städtischen Umgebung leider häufig auf ein todbringendes Hindernis treffen: breite Straßen, die überquert werden müssen. Damit die Tiere trotzdem eine Chance haben, ihr Ziel zu erreichen, sammeln sich alljährlich im Frühjahr Tierfreunde und Mitglieder des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), um diesen Amphibien zu helfen.
In Essen gibt es neben drei Zäunen, an denen die Tiere gesammelt und beim Überqueren unterstützt werden auch lange Straßen wie den Schuirweg, wo Hilfe nötig ist. Die kommt am heutigen Abend in Gestalt von Landschaftswart Sascha Kehren und zwei weiteren ehrenamtlichen Helferinnen, Patricia Fahrnschon und Susanne Erbach zum Einsatztreffpunkt. „Das Problem am Schuirweg ist die Länge der Straße und verschiedene Teiche, zu denen die Tiere wollen, so dass hier das Errichten eines Zauns wenig Sinn machen würde“, erklärt Sascha Kehren. Darüber hinaus müsse man ja auch für jeden Zaun Freiwillige finden, die bereit sind, beim regelmäßigen Leeren der Auffangeimer zu helfen. Eine Suche, die manchmal sehr mühselig sei. Das Team macht sich mit Eimern und Taschenlampen ausgestattet (die Amphibien wandern erst bei Dunkelheit) auf den Weg immer am Rande der Straße entlang. Kein ungefährliches Unterfangen, denn trotz erlaubter 50 km/h donnern kontinuierlich mit weit aus höherem Tempo die Autos an uns vorbei.
Warum die kleinen Lebewesen jedes Jahr erneut auf Wanderschaft gehen, erläutert der Landschaftswart: „Amphibien kriegen ihren Nachwuchs im bzw. am Wasser. Jedes Jahr im Frühjahr suchen sie die Laichplätze auf, die sie von Geburt an kennen. Da dieser Lebensraum später aber wieder zu eng für alle wird, verteilen sie sich im gesamten Waldgebiet und kehren erst zur Paarungszeit zurück.“ Mittlerweile tummeln sich die ersten Geretteten in den Eimern. Sascha Kehrens vierzehnjährige Tochter Gina, die seit frühester Kindheit bei den Rettungsaktionen dabei ist, hat gleich mehrere Erdkröten aufzuweisen. Dabei hocken häufig die kleineren Kröten auf dem Rücken der größeren. „Bei den Kleineren handelt es sich um die Männchen, die sich Weibchen ausgucken und sich dann so fest anklammern, dass man sie nicht mehr los wird“, erklärt ihr Vater. Auch ein Frosch hat sich zur Zwangsgemeinschaft dazu gesellt. „Die Haut der Erdkröten ist viel runzeliger, als die der Frösche. Außerdem haben Kröten hinter den Augen noch so Knubbel, bei denen es sich um Giftdrüsen handelt, mit denen sie sich gegen natürliche Feinde wie Iltisse, Fischreiher oder Raubvögel wehren können“, erläutert der erfahrene Naturfreund die Unterschiede. Seit zwei Wochen ist der Fachmann, der schon seit seiner Kindheit von der heimischen Tierwelt begeistert ist unterwegs, um für deren Fortbestand zu kämpfen. „Normalerweise bin ich im Ruthertalim Einsatz, wo noch viele Feuersalamander zu beobachten sind, aber ich habe dort auch schon in einer Nacht bis zu 320 Kröten an einer Stelle gefunden und gerettet.“ Für einige der Tierchen kommt heute aber jede Hilfe zu spät: unschön plattgefahren mussten sie ihr Leben auf der Straße lassen. Verhindern könnten so etwas schon ganz einfache Maßnahmen. „Wenn man mit Tempo dreißig fährt, hat man als Autofahrer noch Chancen den Tieren auszuweichen, außerdem wird diesen häufig einfach auch der hohe Unterdruck, der durch rasende Autos geschieht zum Verhängnis.“ Dabei weisen die Amphibien eigentlich eine recht hohe Regenerationsfähigkeit auf, so wachsen beispielsweise abgefahrene Froschzehen wieder nach. Bedauerlich findet Kehrer, dass nur so wenige Menschen noch Interesse für die heimische Natur zeigen. „Von unseren tausenden von Einwohnern setzen sich gerade mal fünfzig hier zum Schutz der Amphibien ein“, gibt er zu Bedenken. Eine Selbstverständlichkeit für Susanne Erbach, die seit Wochen ihre Abende opfert, um Kröten und Co. am Leben zu erhalten: „Wir kriegen so viel von der Natur geschenkt, da muss man doch was zurückgeben.“

Information
Wer sich auch für den Schutz unserer heimischen Amphibien stark machen möchte, kann mit der NABU-Leiterin der Amphibien AG Cora Ruhrmann unter: ag-amphibien@nabu-ruhr Kontakt aufnehmen.

Autor:

Birgit Hölker-Schüttler aus Essen-Werden

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