Mit Hitler und Mussolini auf der Parkbank sitzen

Im September wird Gochs Museumsleiter Dr. Stephan Mann die Ausstellung „Paradies mysterieux“ von M.S. Bastian und Isabelle L. eröffnen (wir berichteten bereits darüber). Doch wie sähe das Paradies eigentlich aus? Und warum ist es nach Meinung der Künstler geheimnisvoll?

„Das Paradies ist im Grunde das Gegenmodell zur Bastokalypse, die bei uns vor fünf Jahren zu sehen war“, erläuter der Museumsleiter. Zur Erinnerung: Zwei Meter lang und ebenso hoch war unter anderem der Gemäldezyklus, der in verschiedenen Bildern im Stile eines Comics die Apokalypse erzählte. Düster sind die Bilder darauf, und der Eindruck wird durch die durchgehend schwarz-weiß gezeichneten Figuren nochmals verstärkt. Zu sehen sind Monster, Zerstörung, eben das Ende der Welt.

Ein Entkommen war nicht möglich ...

Die Ausstellung wurde damals in der Reichswaldkaserne gezeigt, auch das sollte die Idee der Ausweglosigkeit nochmals untermalen. Das Bild wurde in einem ehemaligen Lagerraum aufgehängt, der genau die Größe hatte, um den Betrachter einzunehmen, ein Entkommen war nicht möglich ...
Und jetzt das Paradies als Reaktion darauf. Während die „Bastokalypse“ die Schreckensszenarien der Menschheit darstellte, folgt nun der Gegenentwurf, bei dem Gut und Böse verschwinden.
M.S. Bastian und Isabelle L. schaffen nun eine Gegenwelt zu dieser Endzeitstimmung. Vier großformatige Bilder, insgesamt sechs Meter lang und drei Meter hoch, zeigen das „geheimnisvolle Paradies“ in jeweils einer anderen Jahreszeit. In einem märchenhaften Wald sind die entsprechenden Bild-elemente zu sehen: Blätter, Pflanzen, Pilze, Vögel, Raupen, und dazu die Lebewesen der beiden Künstler.
Das schwarz und weiß ist hier aufgehoben und auch Gegensätzliches lebt hier in einer scheinbaren Eintracht. Raupen und Schlangen gleichermaßen leisten sich Gesellschaft, ebenso Vögel und Käfer.

Gibt es das Paradies wirklich?

„Die Frage ist, ob es das Paradies so wirklich geben kann, oder ob es nicht in der gegensätzlichen Welt zu suchen ist“, fragt der Museumsleiter. Jeder Morgen, so Dr. Mann, jedes brütende Entenpaar in der Niers oder jeder blühende Magnolienbaum mache das Paradies deutlich, doch die reale Welt verbleibe eben nicht in diesem Moment der Schönheit, sondern sei vergänglich. Tod und Geburt bedingen sich nunmal und der „Pulp“, die archaische Grundfigur des Künstlerpaars stehe für die Realität, die uns immer wieder zurückhole.

Mit Diktatoren leben, das wäre die Hölle

Denn wenn es die Vergänglichkeit, mithin den Tod nicht gäbe, könnte es schließlich auch passieren, dass Diktatoren wie Adolf Hitler und Benito Musolini einträchtig mit allen anderen Individuen auf der Parkbank zusammensäßen, und das könne dann nur die Hölle sein. Schließlich könne niemand im Paradies beurteilen, was Gerechtigkeit sei und was nicht.
Es sei alles aufgehoben, nicht nur das schwarz und das weiß.
Gezeigt wird die Ausstellung ab dem 13. September, parallel dazu läuft in einem Nebenraum eine entsprechende Kinderaktion: Die beiden Künstler zeichnen die Umrisse der Figuren, die das „Paradies“ drumherum wird von den Kindern geschaffen.
Apropos: Die Eröffnung der Ausstellung wird am Tag der Bürgermeisterwahl stattfinden ...

Autor:

Franz Geib aus Goch

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