Gnadenlos: "Password" von Charles den Tex

„Password“: Charles den Tex beschert Albträume: Weil der Niederländer überrascht. Weil seine Art des Erzählens eine enorme Sogkraft besitzt. Weil er mit nichts und niemand vergleichbar ist.

Michael Bellicher, der Ich-Erzähler, ist in einer Spirale der Gewalt und Angst gefangen: Bei der Suche nach seiner verschwundenen Freundin gerät er in die Fänge des internationalen Menschenhandels. Bellicher ist ein Getriebener, der nicht abwarten kann, sondern handeln muss. Manchmal zwanghaft, oft unvernünftig.
Mögen andere Krimi-Fans immer noch kannibalistische Serienmörder amerikanischer Machart spannend finden, Charles den Tex weiß die Menschen des 21. Jahrhunderts zu schocken, die mit einer nahezu umfassenden Überwachung leben - und wohl leben möchten. Michael Bellicher gewinnt Einblicke in die osteuropäische Mafia, die ihre menschliche Ware per Internet, Handy und Web Cams kontrolliert. Und trotz des - wie bei Charles den Tex üblich- wichtigen technischen Aspekts ist der Roman wie eine griechiche Tragödie: Es gibt kein Entkommen, alles ist furchtbar. Überleben ist auch nur eine andere Form der Hölle. Gäbe es für Romane eine Altersfreigabe, müsste sie hier „FSK 18“ lauten. Unterm Strich: Ein großer und gelungener Roman.

Krimi, Graft Verlag; 443 Seiten, gebundene Ausgabe, 19,99 Euro, ISBN: 978-3-89425-665-4.

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