Viele Fragen bleiben offen

Spricht man mit den Menschen, die von der Schließung des Tierheims an der Langenberger Straße direkt betroffen sind, bleiben am Ende der Gespräche viele offene Fragen. Fest steht: Das Heim bleibt bis auf Weiteres geschlossen.

Alle wollen nur das Eine: Tieren in Notsituationen helfen. Anders lässt sich das Engagement der zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiter des Velberter Tierheims wohl nicht erklären. Viel Zeit und Liebe stecken die Mitglieder des Tierschutzvereins, der der Betreiber des Heims ist, in die Betreuung der Tiere. Auch der Vorstand des Vereins arbeitet ehrenamtlich. Lediglich drei Vollzeitkräfte und drei bis vier Teilzeitkräfte sind bei dem Verein in Festanstellung.
Doch die Vorgänge der letzten Monate lassen nun alle Aktivitäten in einem anderen Licht erscheinen. Viele Missstände kamen ans Tageslicht, seit das Heim am Donnerstagabend vergangener Woche (der Stadtanzeiger berichtete) vom Kreisveterinäramt geschlossen wurde, doch Aufklärung ist noch in weiter Ferne.
Schaut man genauer hin, stellt man schnell fest, dass sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter in zwei Gruppen spalten: Der Großteil der Vereinsmitglieder ist der Auffassung: „Das kommt viel zu spät“, der Vorstand dagegen sieht „keinen Grund zur Schließung“. Allein diese Tatsache zeigt den tiefen Riss, der durch den Verein geht.

„Wer Kritik übte,
erhielt einen Maulkorb“

„Seit sechs Jahren arbeite ich nun schon ehrenamtlich für den Verein. In den letzten Monaten hat sich die Situation jedoch dramatisch zugespitzt“, so Claudia Michel, die für die Mehrzahl der aktiven Vereinsmitglieder spricht. „Eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Vorstand war immer schwierig. Übte ein Mitglied Kritik, wurde ihm ein Maulkorb verpasst, reichte das nicht, wurde ein Hausverbot erteilt. Diese Vorgehensweise hatte System.“
Schon im Mai 2010 habe sich Michel offiziell an das Kreisveterinäramt und den Deutschen Tierschutzbund gewendet und auf Missstände aufmerksam gemacht. Eine Reaktion hierauf sei ausgeblieben. Erst jetzt, fast ein Jahr später, gab es infolge einer Anzeige einen unangemeldeten Kontrollbesuch seitens des Kreises.
Auch Versuche seitens der Mitglieder, den Vorstand seines Amtes zu entheben, scheiterten. „Man muss wissen, dass der Vorstand eine sehr seltsame Mitgliederpolitik betrieben hat“, so die Tierschützerin. „Wer Mitglied wurde, lag im Ermessen des Vorstandes. Da wurde handverlesen. Auch auf der Homepage sucht man vergebens nach einem Aufnahmeantrag.“ Für einen Verein, der immer auf neue Mitglieder angewiesen sei, eine sehr befremdliche Vorgehensweise. Michel: „Nur so war es immer möglich, durch eine Art Vorauswahl genügend Befürworter im Mitgliederkreis zu verankern.“
Der Vorstand wiederum, bestehend aus einer Richterin, einer Rechtsanwältin und einer Stadtangestellten, sieht sich einer Intrige ausgeliefert: „Noch im September 2010 hat die turnusmäßige Tierheimkontrolle des Veterinäramtes Kreis Mettmann stattgefunden. Diese erfolgte durch zwei Veterinäre und einen Verwaltungsmitarbeiter. Danach wurden dem Vorstand weder schriftlich noch mündlich Mängel mitgeteilt“, so Petra Mittelstenscheidt, zweite Vorsitzende des Vereins.
Die Pressesprecherin des Kreises, Daniela Hitzemann, bestätigte gegenüber dem Stadtanzeiger, dass zu diesem Zeitpunkt „noch alles in Ordnung gewesen“ sei.

„Im Februar wurden
keine Mängel festgestellt“

„Auch nach dem erneuten Besuch eines Amtsveterinärs Mitte Februar, also vor rund sechs Wochen, wurden dem Verein keine Mängel mitgeteilt“, so Mittelstenscheidt. Beide Male habe man darüber hinaus um Akteneinsicht gebeten, der man bis heute nicht nachgekommen sei.
Hierzu Daniela Hitzemann: „Nach dem letzten Tierarztbesuch im Februar wurde der Vorstand schriftlich aufgefordert, einer Person mit Sachkundenachweis die Leitung des Tierheims zu übergeben. Dies ist seit Januar nämlich nicht mehr der Fall.“
Auch die Ehrenamtler sehen hier einen Zusamenhang: Ulla Weinmann, unabhängige ehrenamtliche Mitarbeiterin: „Da ich den Sachkundenachweis für gefährliche Hunde besitze, war ich bereit, auch die Prüfung nach Paragraph elf für die allgemeine Sachkundigkeit abzulegen. Als ich jedoch Kritik an Zuständen im Tierheim gegenüber dem Vorstand äußerte, erhielt auch ich Hausverbot.“
Den Verdacht, „dass hier Dinge seitens des Vorstands unter den Teppich gekehrt werden sollen“, so Michel, sehen die ehrenamtlichen Tierschützer durch einen Vorfall in der Nacht von Donnerstag auf Freitag letzter Woche bestätigt: „Wir erhielten einen anonymen Tipp, dass jemand im Tierheim sei. Daraufhin fuhr eine Gruppe von Tierschützern hin. Ein uns bekanntes Auto stand vor dem Tierheim, drinnen brannte Licht“, schildert Weinmann. Daraufhin habe man die Polizei gerufen, die die Person des Geländes verwiesen habe und das Gebäude schließlich versiegelte.
„Doch etliche Beweismaterialien sind zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr an Ort und Stelle gewesen“, so Ulla Weinmann, die als Beispiel diverse Medikamente nennt.

Die Leidtragenden
sind die Tiere

Jetzt schieben die Ehrenamtlichen Sonderschichten, um die Betreuung der Tiere gewährleisten zu können. Auch nachts, denn zu groß sei die Angst, dass belastendes Material „verschwinden“ könnte.
Wie es weitergeht? Das Veterinäramt hat die Leitung des Heims übernommen. Gesprächsbereitschaft mit anwaltlicher Beratung besteht auf allen Seiten.
Für viele Mitglieder steht jedoch fest: „Mit diesem Vorstand wird es mit uns keine Zukunft geben.“ Die Leidtragenden dieses Dilemmas bleiben die Tiere, und das, obwohl doch alle nur das Eine wollen: Tieren in misslicher Lage helfen.

Autor:

Astrid von Lauff aus Velbert-Langenberg

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