Jan Zweyer beendet seine Mittelalter-Trilogie "Das Haus der grauen Mönche" mit dem Roman "Im Dienst der Hanse"

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Das Buchcover (Foto: Grafit)
 
Autor Jan Zweyer (Foto: Willemsen)
Jan Zweyers historische Romane werden von Kritikern manchmal mit Umberto Eco verglichen. Mit einem Meisterwerk der Postmoderne wie „Der Name der Rose“ hat Zweyers neuer Roman „Im Dienst der Hanse“, der die Trilogie „Das Haus der grauen Mönche“ abschließt, allerdings wenig zu tun. Aus der Flut der historischen Unterhaltungsromane ragt das Werk aber allemal heraus. Das Verknüpfen verschiedener Erzählstränge muss man erst einmal so gut beherrschen. Dass sich in der Handlung manches ein wenig zu glatt zusammenfügt, ist da ein eher geringfügiger Schönheitsfehler.
Die Geschichte ist im frühen 16. Jahrhundert angesiedelt und spielt teilweise in Hattingen, damals Mitglied der Hanse. Das titelgebende „Haus der grauen Mönche“ ist ein Dominikaner-Kloster in Hattingen, das in „Im Dienst der Hanse“ allerdings nur am Rande von Bedeutung ist. Auch die Burg Blankenstein und das benachbarte Linden spielen eine Rolle; Bochum wird zumindest erwähnt. Die Hauptfigur Jorge von Linden, zu Beginn der Handlung 18 Jahre alt, wird nach Lübeck verschlagen, um am Ende wieder in Hattingen ansässig zu werden. Zwar erschließen sich nicht alle Einzelheiten, wenn man die ersten beiden Bände der „Das Haus der grauen Mönche“-Trilogie nicht gelesen hat. Dennoch kann der Roman „Im Dienst der Hanse“ für sich stehen und bereitet auch den Lesern Vergnügen, die die ersten beiden Bände der Saga noch nicht kennen.
Was für „Im Dienst der Hanse“ einnimmt, ist vor allem die Tatsache, dass hier von einer Verklärung des Mittelalters keine Rede sein kann. Der Gestank, der in mittelalterlichen Städten geherrscht haben muss, wird durch Zweyers gekonnte Beschreibungen fast sinnlich erfahrbar. Das Interesse der Sozialgeschichtsschreibung an den Randgruppen der mittelalterlichen Gesellschaft findet im Roman seinen Niederschlag: Frauen verdienen sich ihren Lebensunterhalt als Prostituierte. Fahrendes Volk sieht sich ständig mit existenziellen Bedrohungen konfrontiert.
Fragt man nach dem Geschichtsbild, das sich im Roman zeigt, so scheint es dem Autor darum zu gehen, dass zwischen den spätmittelalterlichen Verhältnissen und heutigen Gepflogenheiten eine ungute Kontinuität besteht: Gewalt wird ungeniert als Mittel der Politik eingesetzt. Kriminelle Machenschaften sind in der Wirtschaft keinesfalls unüblich. Ein Hauptthema von „Im Dienst der Hanse“ ist die komplexe Verflechtung von Ökonomie und Politik. Zentral ist auch das Verhältnis der Geschlechter. Mit Marlein van Enghusen ist Jorge von Linden eine ebenbürtige weibliche Figur an die Seite gestellt. Andere Paarbeziehungen scheitern an unterschiedlichen Lebensentwürfen der Partner. So will Jorges Freundin Anne, eine Lautenspielerin, sich nicht in die ihr von der Gesellschaft zugedachte Rolle als Ehefrau und Mutter fügen. Historisch interessierte Leser finden zu den vorherrschenden Mentalitäten in der Übergangszeit vom Spätmittelalter zur frühen Neuzeit auch im informativen Nachwort aufschlussreiche Hinweise.

Jan Zweyer: Das Haus der grauen Mönche – Im Dienst der Hanse. Grafit-Verlag. ISBN 978-3-89425-621-0
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