Bochum – Erster Anlaufpunkt für Unternehmen aus Polen und der Türkei

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Bochum -Ankara - Białystok (Foto: Simplicius, LoudHmen, Slowacki)
Bochum: und Wattenscheid | Die Stadt Bochum ist im Laufe ihrer Geschichte Heimat von Menschen aus insbesondere zwei Ländern geworden: Polen und der Türkei. Die Verbindungen von Bochum zu diesen Ländern ist aber bis heute spärlich. Auch polnische und türkische Partnerstädte hat die Stadt bisher nicht.

Polnische und türkische Einwohner

An die polnischen Einwohner in der Stadt erinnern heute noch die polnischen Nachnamen vieler Bochumer und Wattenscheider. Bis zu den Weltkriegen gab es in Bochum vollständig eigenständige polnische Strukturen, darunter eine polnische Gewerkschaft, eine Arbeiterzeitung und eine Arbeiterbank. Eine große Zahl Polen wanderten in Folge der Weltkriege wieder ab. Aber auch nach dem zweiten Weltkrieg wanderten weiter Menschen aus Polen zu und ließen sich neu in der Stadt nieder.

Ab 1961 kamen türkische Arbeitssuchende in die Stadt und arbeiteten hier zunächst als türkische Gastarbeiter. In den 70er Jahren zogen viele Familien nach. Die meisten blieben in Bochum und Wattenscheid und leben in der Stadt bereits in der dritten Generation.

Heute leben über 9.100 Türken (24% der ausländischen Bevölkerung in Bochum) und 3.400 Polen (9%) in der Stadt (2014, Statistisches Jahrbuch 2015). Die Zahl der Einwohner, mit deutschem Pass und polnischen und türkischen Wurzeln liegt noch deutlich höher.

Bochum als Standort für polnische und türkische Unternehmen

Seitdem sich die Wirtschaft in Polen und der Türkei überaus positiv entwickelt, bleibt die Zahl der Einwohner aus beiden Ländern relativ konstant. Im Durchschnitt lag das Wirtschaftswachstum in Polen jedes Jahr seit 2006 bei deutlich über 3,5% in der Türkei klar über 3,8% (Zum Vergleich Deutschland: unter 1%, in Bochum sinkt sogar die Wirtschaftskraft).

Die persönlichen Verbindungen vieler Menschen aus Bochum und Wattenscheid in die Türkei und Polen sind also vielfältig und intensiv. Sie haben Verwandte hier wie in den Orten, aus denen sie stammen. Auch heute besuchen sie regelmäßig die Städte und Dörfer, aus denen die Familien einst kamen.

Für türkische und polnische Unternehmen ist Bochum sehr attraktiv. Hier finden sich Menschen, die ihre Sprache sprechen, sich gleichzeitig in Deutschland und in der Stadt auskennen. Die Hürden für eine Ansiedlung in Bochum oder Wattenscheid sind denkbar gering. Das gilt es bei der Ansiedlung von Unternehmen in Bochum auszunutzen.

Zahlreiche Unternehmen in stark wachsenden Volkswirtschaften wollen expandieren, auch ins Ausland. Der deutsche Markt ist attraktiv. Bochum sollte für Unternehmen aus Polen und der Türkei die Basis sein, von der aus sie in ganz Mitteleuropa tätig werden können.

Also sollte es sich lohnen die Beziehungen, insbesondere auch die wirtschaftlichen, nach Polen und in die Türkei zu intensivieren und bestehende Brücken auszubauen.

Die Wirtschaftsförderung sollte spezielle Anlaufpunkte für Unternehmen beider Länder aufbauen. Dazu müsst es polnisch- und türkischsprachige Mitarbeiter geben, die eine kompetente Rundum-Betreuung anbieten. Das Angebot der Wirtschaftsförderung sollte daher nicht nur auf deutsch und englisch, sondern auch auf polnisch und türkisch verfügbar sein.

Eine Initiative der Wirtschaftsförderung und des Oberbürgermeisters wäre wünschenswert, bei der eine städtische Delegation nach Polen und in die Türkei reist, um vor Ort die Standorte Bochum und Wattenscheid bei den Handelskammern, Messen, bei Unternehmensorganisationen und der Öffentlichkeit vor zu stellen und um aktiv mit in Deutschland ansiedlungswilligen Unternehmen zu sprechen.

Für polnische und türkische Unternehmen muss deutlich werden, dass für sie Bochum die erste Wahl für eine Ansiedlung in Mitteleuropa ist. Bisher gehen Städte nicht in der beschriebenen Weise aktiv vor, um für sich zu werben. Diesen Wettbewerbsvorteil sollte Bochum sich erschließen.

Partnerschaften mit Städten in der Türkei und Polen

Gleichzeitig sollte die Stadt ihre kulturellen und sozialen Beziehungen in die Türkei und Polen intensivieren. Eine Partnerstadt in beiden Ländern wäre da ein Anfang, idealerweise mit Städten, aus denen viele Menschen oder deren Eltern oder Großeltern kommen, die heute in Bochum und Wattenscheid leben. Solche Partnerschaften hätten den Vorteil, dass sie auf sozialen Bindungen zwischen Menschen aus beiden Städten aufbauen können und nicht nur auf einer ähnlichen Geschichte oder einer vergleichbaren Wirtschaftsstruktur wie in der Partnerstadt basieren. Dieser Aspekt ist entscheidend für das Engagement mit dem Städtepartnerschaften von beiden Seiten gelebt werden.

Manche Städte wie etwa Ankara und Białystok haben bisher keine deutschen Städtepartner.

Gelingt es der Stadt, die bestehenden Verbindungen in die Türkei und Polen auszubauen, bedeutet das auch für die hier lebenden Polen und Türken eine Aufwertung. Im Rahmen einer lebendigen Partnerschaft erfahren alle Bochumer und Wattenscheider Einwohner mehr über die Heimatländer uns -städte ihrer Nachbarn mit türkischen und polnischen Wurzeln.

Chancen

Polnische und türkische Unternehmen sind besonders für Arbeitnehmer mit polnischen und türkischen Wurzeln interessant, die es auf dem Arbeitsmarkt in der Stadt heute besonders schwer haben. Ein solcher Prozess, der den Menschen bessere Einkommens- und Lebensmöglichkeiten bietet, fördert auch die Integration auf Augenhöhe.

Bochum hat bisher nicht viele Standortvorteile ggü. anderen Großstädten (lokalkompass vom 19.05.13). Die persönlichen Beziehungen vieler Einwohner nach Polen und in die Türkei können zu einem Standortvorteil werden, den es zu nutzen gilt. Die Politik ist aufgerufen die bestehenden Möglichkeiten auszuschöpfen. Der Aufwand um hier tätig zu werden ist vergleichsweise gering zu den Chancen, die sich für die Stadt bieten.

Volker Steude
Die STADTGESTALTER - politisch aber parteilos
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