Neues Wohnviertel „Ostpark“- Bochum Chance oder Scheitern

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Anforderungen und Verbesserungsvorschläge zu "Ostpark"-Planungen (Foto: Grundlage: Bebauungsvorschlag "Ostpark", Stadt Bochum)
 
Gesamtes Plangebiet (Foto: Stadt Bochum)
Bochum: Ostpark | 1.000 neue Bewohner soll der so genannte „Ostpark“ nach Bochum locken (Verwaltungsvorlage 20131959). Das wäre für das schrumpfende Bochum eine Chance, die nicht vertan werden darf. Doch die Bewohner in Altenbochum und Laer, zwischen denen südlich des Hauptfriedhofes und nördlich des Werner Hellweges das neue Wohnviertel entstehen soll, sind skeptisch. Sie befürchten mehr Verkehr in ihren Wohnquartieren und weitere Fehlplanungen, die ihre Stadtviertel zerstören.

Insbesondere Laer kann als Musterbeispiel für städtische Fehlplanungen gelten bei denen konsequent Wohnqualität für Verkehr geopfert wurde. Die eigentliche Entwicklungsachse Alte Wittener Straße wurde gekappt und durch die jetzige gesichtslose Wittener Straße ersetzt. Als Zentrum im Viertel wurde der Lahariplatz geschaffen, dessen Überleben über die letzten Jahre permanent gefährdet war und der mit seinen 3 bis 4 Geschäften seine Funktion als Nahversorgungszentrum gerade zufriedenstellend erfüllen kann (Masterplan Einzelhandel, S. 228). Vernünftige fußläufige Verbindungen zu den benachbarten Stadtvierteln bestehen so gut wie nicht. A43, Wittener Straße sowie A44 und zukünftige Opelspange kesseln das Stadtviertel förmlich ein.

Nördlich des Werner Hellwegs sollte in den 60/70er Jahren ein Hochhausviertel ala Huestadt entstehen. Dieses Projekt wurde zum Glück abgebrochen wurde. Die Reste dieses Versuchs, zwei ideenlose Wohnsilos, liegen heute mitten in der Pampa und sind entsprechend nicht nur aufgrund ihrer Bauweise als Wohnquartier entsprechend unbeliebt.

Genau bis hier, beginnend in Altenbochum soll sich das neue Wohnquartier erstrecken. Bereits 2010 gab es Überlegungen und ein Charrette-Verfahren, wie dieses Wohnquartier entwickelt werden sollte (Abschlussbericht). Dabei sind einige gute Überlegungen entstanden. Ob sie der komplexen Planungsaufgabe gerecht werden, ist indes fraglich. Insbesondere das Ziel der Planungen die Flächen für ökologisch werthaltiges Wohnen mit einer besonderen städtebaulichen Gestaltung ist aber ohne Frage gerade an dem geplanten Ort am Rande von Stadt und Grünzug (E) sehr erstrebenswert.

Wenn das Projekt gelingen soll, ist eine sehr komplexe Planungsaufgabe zu lösen bei der alte Fehler bei der Stadtentwicklung nicht wiederholt werden dürfen. Eine Vielzahl von Anforderungen ist zu erfüllen:

Das Wohnquartier sollte primär jungen Familien eine Heimat bieten. Ausweislich aller Wohnungsmarktberichte der letzten Jahre ist das die Gruppe, bei der eine hohe Nachfrage an Wohnraum besteht, der aber kaum ein Angebot gegenüber steht (Wohnungsmarktbeobachtungen der Stadt Bochum). Gesucht werden selbständige Wohneinheiten, im Idealfall Ein-, Zweifamilien oder Reihenhäuser in grüner, ruhiger und sicherer Wohnlage. Der im zuletzt vorgelegten Planungsvorschlag verzeichnete Blockbebauung wird dieser Nachfrage wohl kaum gerecht.

Wenn in dem Viertel Hochbauten geplant werden sollten, dann sollten deren Ausführung für zukünftiges umweltgerechtes Bauen beispielhaft sein (Beispiele für umweltgerechte Hochhäuser). Ein Gebäude, das hier Maßstäbe setzt, könnte für Bochum zudem sicher ein Imagegewinn sein.

Das neue Viertel muss eine homogene Verbindung zwischen Altenbochum und Laer schaffen (Plan Nr.1). Eine Verbindung zwischen den beiden Stadtvierteln ist bisher eigentlich nur über die Wittener Straße und über einen beträchtlichen Umweg über die Feldmark entlang des Hauptfriedhofs vorhanden. Zu befürchten ist, dass der Sheffield-Ring das neue Wohnviertel in zwei isolierte Viertel teilt. Die vierspurige autobahnähnliche Straße erfordert zudem eine Lärmschutzwand, an der niemand wohnen will und die Altenbochum sichtbar von Laer teilen würde. Mit Lärmwerten von bis zu 60 db(A) liegt der Verkehrslärm an der städtischen Autobahn weit über dem für reine Wohngebieten zulässigen Bereich (tags 50, nachts 35 db(A)). Die entsprechenden bisherigen Planungen sind an dieser Stelle in jeder Hinsicht unbefriedigend.

Idealerweise sollte der Sheffield-Ring auf 2 Spuren zu einer normalen städtischen Straße mit Radwegen zurück gebaut werden. Nachdem die Opelspange fertig gestellt ist, wird dieser Teil des städtischen Rings nicht mehr im heutigen Ausbaugrad benötigt. Stattdessen kann die Stadt im Süden und Osten vom Nordhausen-Ring über die Spange und dann über A44 und A43 umfahren werden. Ohnehin endet der Sheffield-Ring heute auf der Kreuzung zur Castroper Straße. Die bereits vorliegenden Planungen sehen bereits einen Rückbau des Auf- und Abfahrknotens zwischen Sheffield-Ring und Wittener Straße und einen Umbau zu einer normalen Straßenkreuzung vor.

Auch innerhalb des neuen Wohnviertels sollte es mindestens 3 Querungen über den Sheffield-Ring geben. Dies wird nur bei geringerem Verkehrsfluss möglich sein. Damit entfällt auch die Lärmschutzmauer und eine beidseitige Bebauung der zukünftigen Sheffield Straße wird möglich. In den bisher vorliegenden Planungsvorschlägen wurde eine Bebauung für die Ostseite wohl aufgrund des heutigen Verkehrslärms nicht vorgesehen.

Eine Verlegung des Sportplatzes Laers entfällt (Plan Nr. 2) somit ebenso. Damit kann den berechtigten Befürchtungen des Sportvereins LFC Laer 06 Rechnung getragen werden, dass durch eine Verlegung für die Bewohner, insbesondere für die Kinder der Weg von Laer zum örtlichen Sportplatz zu weit werde.

Auch der Werner Hellweg trennt heute das eigentliche Laer von den Wohnbereichen nördlich der Straße ab. Der Straßenquerschnitt mit 4 Spuren und Parkstreifen, ist wie bei vielen Straßen in Bochum deutlich überdimensioniert. Auch hier ist ein Rückbau sinnvoll, um die Querungen zwischen den Wohn- und Stadtvierteln zu erleichtern und ein Zusammenwachsen von neuem Wohnviertel und Laer zu ermöglichen (Plan Nr. 3).

Ein nördlicher Anschluss von Laer über den Werner Hellweg an das Netz der Straßenbahn (Plan Nr. 4) ist in diesem Zusammenhang ebenfalls eine Überlegung wert. Die Linie 302 könnte über den Werner Hellweg Richtung Ruhrpark geführt werden. Zunächst könnte hier ein neuer Abzweig mit 1-2 neuen Haltestellen eingerichtet werden. Alternativ könnte ein Abzweig über den Freigrafendamm zum Hauptfriedhof und dann nördlich des neuen Wohnviertels in Betracht gezogen werden.

In jedem Fall ist ein leistungsfähiger Anschluss an den ÖPNV sicher zu stellen. Denn richtiger Weise befürchten die Bewohner in Altenbochum, dass der Verkehr durch die neuen Wohnbebauungen in ihren Straßen deutlich anschwillt. Bei der bisherigen Stadtplanung, die davon ausgeht, dass anders als sonst in städtischen Metropolen, die Bewohner im Ruhrgebiet ihre Wege überwiegend mit dem Auto zurücklegen, war die Anlage von breiten Straßen zu und von den Wohnvierteln erforderlich, an denen wiederum aufgrund des Verkehrslärms niemand wohnen wollte. Dieser Hauptursache für den Bewohnerschwund bestimmter Bevölkerungsschichten in Bochum muss ebenfalls Rechnung getragen werden.

Neben der Angebot alternativer Verkehrsangebot zum Auto bedarf es einer wohnortnahen Versorgungsstruktur, die insbesondere Laer und dem neuen Wohnviertel gerecht wird. Das bisherige eigentlich schon heute zu kleine Versorgungszentrum am Lahariplatz ist wenig ausbaufähig und liegt insbesondere im Hinblick auf die neue Bebauung nicht zentral. Das neue Wohnviertel bietet jedoch die Möglichkeit die Fehlplanungen der Vergangenheit zu beheben. Ein neues Nahversorgungszentrum für Laer (Plan Nr. 5) könnte am Werner Hellweg unter Einbeziehung des bereits bestehenden Lidl-Marktes an einer neuen Straßenbahnhaltestelle „Laer-Mitte“ entstehen, dort wo die neue Bebauung auf den Werner Hellweg trifft.

Um den Autoverkehr für die zusätzlichen Wohnviertel aus den bestehenden und neuen Wohnstraßen heraus zu halten, was wiederum eine hohe Wohnqualität in den Stadtvierteln sicherstellt, muss eine Erschließung über wenige Straßen erfolgen, an denen auch gleich das direkte Bewohnerparken ermöglicht wird (Plan Nr. 6). Hierbei ist auch aktuell fehlender Parkbedarf z.B. beim Hauptfriedhof oder der evangelischen Fachhochschule Rechnung zu tragen. Eine Erschließung kann über den Sheffield-Ring erfolgen, an dem nach einem Rückbau auch Parkflächen verfügbar gemacht werden können. Von hier aus können die neuen Bebauungen von Norden her über die bereits bestehende Straße entlang des Friedhofes in östlicher und westlicher Richtung erschlossen werden. Um Durchgangsverkehr zu unterbinden könnte eine Durchfahrung Altenbochums über den Freigrafendamm und die Straße entlang des Friedhofs durch eine bauliche Trennung beider Straßen verhindert werden.

Alle Planungen müssen bereits jetzt weitere Bebauungen im Norden und Osten der jetzt beplanten Bebauungsfelder berücksichtigen. Denn hier bieten sich weitere Entwicklungsfelder. Eine durchgrünte Bebauung, die von einem Bach und breitem Grünstreifen durchzogen wird, wie in den aktuellen Planungen vorgesehen kann der nachgefragten Wohnqualität sicher gerecht werden. Bei der Neubebauung sollte unbedingt die bestehende Bepflanzung, insbesondere der Baumbestand Berücksichtigung finden. Gerade einem neuen Wohnviertel geben alte Bäumen einen besonderer Reiz. Zu überlegen ist, ob der geplante Grünstreifen mit Bachverlauf nicht etwas weiter nach Norden verlegt werden sollte, um die nach Laer geplante Bebauung auf der Nordseite des Werner Hellweges und nördlich des neuen Nahversorgungszentrums etwas erweitern zu können.

Wie kann eine Planung diesen und weiteren Anforderungen möglichst gut gerecht werden? Wichtig ist, dass die Verwaltung nicht nur eine einzige Planung zur Diskussion stellt, sondern mehrere alternative. Nur so können die Ideen mehrerer Bebauungsentwürfe miteinander konkurrieren. Wenn erforderlich kann auch ein Kompromissentwurf aus verschiedenen Elementen unterschiedlicher Planungen entwickelt werden. Die betroffenen Bürger aus Laer und Altenbochum sind frühzeitig in die Planungen, Diskussionen und Abstimmungen einzubeziehen.

Am besten wäre es, sie würden angeregt selbst Anregungen und Planungen für bestimmte Probleme entwickeln. Auch ist es wichtig, den Bürgern positive Planungen in anderen Städten vorzustellen, damit Planer wie Bürger sehen, was möglich und was möglicher Weise gewünscht ist.

Allen Beteiligten muss klar sein, am Ende wird eine Bebauung realisiert werden, die nicht alle Wünsche verwirklichen und nicht alle Anforderungen voll erfüllen kann. Aber es sollte das Ziel sein, eine Planung zu realisieren, die alle respektieren und von denen eine breite Mehrheit überzeugt ist, dass sie für die Stadt eine positive Entwicklung einleiten kann.

Bochum ist eine Stadt im Wandel und wir müssen den Wandel aktiv gestalten. Allen muss bewusst sein, so wie es ist kann es nicht bleiben, sonst wird die Entwicklung Bochums weiter abwärts gehen. Bürger, Politik und Verwaltung haben es in der Hand durch eigene Kraft die Entwicklungen in eine positive Richtung zu lenken. Voraussetzung dafür ist, dass die Entwicklungen als eine Chance wahrgenommen werden etwas positiv für die Stadt zu verändern. Dies bedeutet für alle Beteiligten einen Paradigmenwechsel.

Laer wird sich auch auf der anderen Westseite der Wittener Straße verändern, wenn dort die Opel-Flächen von neuen Unternehmen und Einrichtungen bezogen werden. Hierzu bestehende Ideen müssen ebenfalls bereits jetzt in die Planungen einbezogen werden. Es gibt also weitere Chancen. Lasst uns diese nutzen!

Volker Steude,
BÄH - Bochum ändern mit Herz
(ruhrblogxpublik)
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Horst Schmidt aus Bochum | 27.10.2013 | 19:41  
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