Adventskalendergeschichte: Das Lächeln des Rentieres (Tor 15)

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Rentiermops Murphy wünscht schöne Weihnachten. (Foto: jape)

Eine Weihnachtsgeschichte in 24 Teilen. Fast so glücklich machend wie Schokolade, aber dafür kalorienarm.

24.12.2013 | 04:00 Uhr
Willst du deinen Feind besiegen, so musst du lernen, wie dein Feind zu denken. Klingt nicht nur nach einem Spruch aus einem aufgebrochenen Chinakeks, nein, es ist sogar einer.
Lena bereut gerade, so viele Longdrinks getrunken zu haben, denn sie muss ständig auf die Toilette flitzen. Eine erholsame Nacht sieht anders aus. Aber wenigstens fällt ihr beim vierten Gang dieser besagte Spruch aus dem Keks ein. „Willst Du Deinen Feind besiegen …“
Lena hat ihren Feind direkt vor Augen. Sie braucht nur aus dem Fenster zu schauen. Überall Weihnachtsdekorationen, wie nervige Blinklichter und total dämliche Weihnachtsmannpuppen, die an Balkonen hängen. Weihnachten ist ihr Feind, ihr persönlicher Endgegner.
Sie arbeitet im halbwachen Zustand an einer gewagten Theorie. Sie überlegt kurz, wie es wäre, wenn sie den ganzen Weihnachtskram wie Dekorieren, Schmücken, Geschenke kaufen, Weihnachtskekse backen und Kartoffelsalat essen mitmachen würde – einfach so. Anstatt zu fliehen oder sich wie jedes Jahr in Unkosten zu stürzen, indem sie spontan verreist, bis ans gefühlte Ende der Welt. Bloß weit weg von allem. Doch einfach mal mitspielen? Lena muss laut lachen. Sie sitzt auf der Toilette und lacht, wie schon seit Wochen nicht mehr.

Sie steht auf, betätigt die Spülung und wirft einen Blick aus dem Fenster. Es ist nahezu still. Kein Mensch zu sehen, kein Auto fährt vorbei. Nur die Lichter auf den Balkonen und an den Fenstern tauchen die Nacht in ein ungewohntes Licht. Gegenüber grüßt ein kleiner Weihnachtsmann. Drei Fenster weiter blinkt ein großer Stern. Eine Lichterkette ist um einen Baum im Vorgarten gewickelt. Es hängen sogar ein paar kleine Christbaumkugeln dran. Lena muss an ihre Kindheit denken. An die Vorbereitungen auf die Bescherung, als Lena von ihrer Mutter in ihr Zimmer geschickt wurde. „Du sollst doch noch nicht den geschmückten Baum sehen, Schatz!“ lachte ihre Mutter und Lena wusste stets, dass sich das Warten lohnte. Als ihre Eltern sie ins Wohnzimmer riefen, verzauberte sie der strahlende Baum jedes Jahr aufs Neue. Ihr Eltern strahlten sie genau so an. Es fühlte sich warm und wundervoll an; ein Gefühl von Geborgenheit machte sich breit. Sie liebte es.

Lena wendet sich vom Fenster ab und geht zum Abstellraum, wo sie normalerweise Putzzeug gelagert hat. Neben den Utensilien sind dort auch ein paar Kartons verstaut, wie z.B. einer mit der Aufschrift „Karneval“, in der ein Meerjungenfrauenkostüm zu finden ist. Daneben steht ein Karton, wo „Deko“ draufgekritzelt wurde. Lena öffnet diese und fischt diverse Sterne und Lichterketten heraus. Sie findet auch ein paar Plastiktannenzweige und einen weihnachtlichen Kerzenständer. Sie schnappt sich die Sachen und geht damit ins Wohnzimmer. Sie nimmt sich einen der Sterne und befestigt diesen an eins der Fenster. Stück für Stück arbeitet sie sich vor, bis alle Fenster fertig dekoriert sind. Sie dachte dabei an ihre Mutter; Lena versucht, es genau in dem Stil ihrer Mutter zu schmücken. Einige Sterne haben einen Stecker, genau wie die Lichterkette. Sie stöpselt diese ein und betätigt den Einschaltknopf.
Es wirkt im ersten Moment so, als ob Lena gar nicht mehr daheim wäre, sondern in einer fremden Wohnung. Alles strahlt. Es ist kaum wieder zu erkennen. Sie ist erstaunt über die Wirkung der Lichter und in ihr macht sich eine lange vergessene Wärme breit. Die Lichterkette, die Sterne und ein kleiner Neon-Tannenbaum lassen durch ihr Licht alles anders aussehen.
Sogar Lena selbst.

Fortsetzung folgt.
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