"Geächtet" - ein Mega-Theaterabend im Store

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"Vermögen wir hinter dem Bild des Muslim, der Christin und dem Juden den Menschen zu sehen?" Fragen wie diese stellt "Geächtet" bei der Premiere im Megastore. (Foto: Hupfeld)

Es ist das Stück der Stunde: „Disgraced“ = Geächtet, und Voges Version vom Broadway-Hit ist großes Theater. Vor Judenstern, Halbmond und amerikanischer Flagge lässt der Schauspiel-Chef mit vier weißgeschminkten rotäugigen klassischen Karrieristen ethnische Identitäten aufeinander prallen.

Man ich etabliert, liberal und weltoffen – so scheint’s und weit entfernt von Vorurteilen und Ressentiments, doch reicht schon eine Bemerkung des zerrissenen Charakters Amir, um am gepflegten Dinnerabend das fragile Kartenhaus der politischen Korrektheit zum Einsturz zu bringen. Denn Amir, der kultivierte Gastgeber mit seiner bezaubernden Gattin Emily heißt gar nicht so: Als Inder getarnt macht der in Amerika eingewanderte Pakistani in einer jüdischen Kanzlei Karriere. Er glaubt angekommen zu sein, doch hat er am Ende vergessen, wer er ist, wer seine Leute sind ?
Was passiert, wenn Assimilation Integration ersetzt, seziert der New Yorker Autor in dem Pulitzer-preisgekrönten Stück. Und vor beeindruckender Bühne im Megastore erleben Theaterbesucher, wie angesichts einer der drängendsten Fragen der Zeit das Ideal des gelungenen Miteinanders zerfällt. Es ist eine Theaterschlacht um brennende Fragen zu Rassismus, und Terrorismus, Islamophobie und Antisemitismus.
Hier fragt der Jude den ehemaligen Muslim: „Und doch bleibt die Frage, wo dein Platz ist.“ Und die schwarze Jory stellt fest, dass ein Schleier ein Gesicht löscht und fragt: „Warum müssen immer Frauen am Ende die Zeche zahlen?“ „Der Islam handelt vom Wüstenleben im 7. Jahrhundert und das hat Folgen“, räumt Amir mit den romantisierenden Vorstellungen seiner malenden Gattin auf, „denn Muslim zu sein, bedeute nicht nur glauben, sondern auch zu kämpfen dafür.“
„Geächtet“ ist eine große Geschichte vom Scheitern. Und wer sie gesehen hat, hat etwas zum Nachdenken, denn Ayad Akhtar streut Salz in eine klaffende Wunde unserer Welt.
Weitere Termine: 9., 26. März. Karten unter 50-27222.
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