Hospizbewegung Hamborn auf Ehrenamtler angewiesen

Anzeige
Vor jeder ehrenamtlichen Mitarbeit steht für alle Interessierten die Teilnahme an einem Vorbereitungskurs an. „Wir möchten, dass unsere zukünftigen ehrenamtlichen Begleiterinnen und Begleiter gut vorbereitet in ihre neue Aufgabe starten“, so die Geschäftsführerin Andrea Braun-Falco, hier ganz links im Bild. Foto: Frank Preuß

Sie werden gebraucht, die Menschen mit bürgerschaftlichem Engagement, bei Hilfsorganisationen, bei der Feuerwehr, im Sport, bei den Kirchen, sozialen Einrichtungen und auch sonst, Menschen, die sich engagieren – einfach so, weil sie etwas für Andere tun wollen, weil sie dafür selbst nichts erwarten, keine Entschädigung wünschen. Sie wollen einfach für andere da sein, sind für Andere da; in Deutschland schätzungsweise 23 Millionen, und dies, obwohl die heutige Zeit von manch einem als wenig mitmenschlich empfunden wird.

Ein Ort, der bereits seit 22 Jahren als Bürgerbewegung lebt und ohne sein Standbein Ehrenamt gar nicht existieren könnte, ist die Hospizbewegung Duisburg-Hamborn e.V.. Als ambulanter Hospizdienst betreut sie kranke und sterbende Menschen ambulant, also zu Hause, um den Wunsch der Menschen, möglichst bis zum Schluss zu Hause bleiben zu können, zu erfüllen.

Mehr als 100 Bürger engagieren sich derzeit ehrenamtlich in der Hospizbewegung Duisburg-Hamborn. Sie sitzen im Büro am Telefon, sie organisieren das Hospizcafé, ein Informations- und Beratungscafé, sie begleiten Trauernde im Trauercafé und beim Trauerfrühstück, oder sie basteln für Basare, um die Hospizarbeit finanziell zu unterstützen – und sie übernehmen die Aufgabe, schwerstkranke Menschen und sterbende Menschen und deren Angehörige zu Hause zu unterstützen.

Die Aufgabe dieser Begleiter ist es, einfach da zu sein, den Menschen und ihren Angehörigen gerade in den schwierigen Situationen durch Zeit und Gespräch zur Verfügung zu stehen. Doch wie können die Begleiter diese Aufgabe bewältigen? Vor jeder ehrenamtlichen Mitarbeit steht für alle Interessierten die Teilnahme an einem Vorbereitungskurs an. „Wir möchten, dass unsere zukünftigen ehrenamtlichen BegleiterInnen gut vorbereitet in ihre neue Aufgabe starten“, so die Geschäftsführerin Andrea Braun-Falco. „Eigentlich kann jeder begleiten und viele, die zu uns kommen, haben bereits Erfahrungen gesammelt im persönlichen Umfeld.

Die eigenen Grenzen und Stärken wahrzunehmen, sich fachliches Wissen zu holen, all dies unterstützt dabei, gut gerüstet in die herausfordernde Tätigkeit zu starten.“ Da wären zum Beispiel Ute Düllmann und Wolfgang Fritscher. Ute Düllmann entschied sich 2002, einen Vorbereitungskurs zu absolvieren und ist nun schon seit elf Jahren in der Hospizarbeit tätig – der 58-jährige Wolfgang Fritscher begann 2010 mit seinem Kurs und hat seitdem ebenfalls einige Menschen in ihrer letzten Lebenszeit begleitet.

Was aber motivierte die beiden, bei der Hospizbewegung Duisburg-Hamborn e.V. ehrenamtlich tätig zu werden? Als Ute Düllmann mit 43 Jahren in die Hospizarbeit einstieg, hatte sie bereits eigene persönliche Abschiede erlebt. „Den Vorbereitungskurs machte ich zunächst, um nicht so sprachlos und hilflos zu sein. Ich wollte dem Tod nicht ausweichen.“

Der Kurs war für sie wegweisend. Menschen am Lebensende zu begleiten, erschien ihr anschließend selbstverständlich. „Das Wertvollste, was ich meines Erachtens verschenken kann, ist Zeit“, so Düllmann, „ diese verschenkte Zeit bereichert mein Leben, denn ein Stück des Weges dieser Menschen begleiten zu dürfen, ihnen so persönlich nahe zu sein, ist für mich ebenso Geschenk, und dies erfüllt mich mit Dankbarkeit.“

Wolfgang Fritscher ging 2010 in den Vorruhestand und suchte für sich eine neue Aufgabe und besondere Herausforderung. „Ich wollte gerne mit Menschen in Kontakt kommen und für sie da sein. Lange überlegte ich, welche Richtung für mich gut wäre, bis ich durch die Zeitung auf die Hospizbewegung Duisburg-Hamborn e.V. aufmerksam wurde.“ Im Vorbereitungskurs merkte er, dass dies genau die richtige Aufgabe für ihn ist.

Im Laufe der Jahre besuchten Ute Düllmann und Wolfgang Fritscher viele Familien. „Man trifft immer wieder auf andere Menschen und neue Situationen“ sagt Düllmann, „und wir versuchen, wertfrei und offen da hinein zu gehen.“ Auch Wolfgang Fritscher merkte schnell, dass die Zeit mit diesen Menschen eine schöne Zeit ist, in der ihm viel Vertrauen entgegengebracht wird. Am Anfang der Begleitungen sind die Ehrenamtlichen oft nur wenige Stunden in den Familien, zum Ende hin kann dies schon mal täglich sein. Wolfgang Fritscher ist neben der Hospizarbeit auch ehrenamtlich Schöffe und liest ehrenamtlich mit Kindern. Ehrenamtlich tätig zu sein, ist für ihn Lebenserfüllung, und auch für Ute Düllmann ist ein Ehrenamt eine wichtige, bereichernde Aufgabe, die sie trotz vieler weiterer Aufgaben nicht missen möchte.

Aus diesem Grund gehen beide auch jährlich gerne in die neuen Vorbereitungskurse, um dort von ihren Erfahrungen in den oft sehr unterschiedlichen Begleitungen zu berichten. „Und so unterschiedlich die Menschen sind, welche wir zu Hause besuchen, so unterschiedlich sind auch unsere Ehrenamtlichen,“ sagt Braun-Falco. „Aber jeder, der ein stabiles Gleichgewicht hat, eine warmherzige Mitmenschlichkeit und Interesse an der Mitarbeit hat, ist bei uns in der Hospizbewegung Duisburg-Hamborn e.V. ehrenamtlich immer willkommen. Wir sind sehr dankbar, dass sich so viele Menschen schon seit Jahren bei uns engagieren und freuen uns, an dieser Stelle einmal allen ein herzliches Danke sagen zu dürfen“.

Nähere Informationen zur Hospizbewegung Duisburg-Hamborn e.V. gibt es unter www.hospizbewegung-hamborn.de oder  0203 / 556074.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.