Schutt und Schrott am Waldsee: Erst Tauchgänge und Wasserproben, dann Runder Tisch

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Bei einem aktuellen Termin vor Ort informierte Peter Hoppe, Vorsitzender der Duisburger Taucher (2.v.l.), und Erik Hesse (2.v.r.) den Vorsitzenden des ortsansässigen Angelvereins Uwe Schrott (ASV Rheinpreussen Waldsee e.V., sitzend Mitte) und die beiden Ratsherren Bruno Sagurna (SPD-Duisburg, rechts) und Claus Peter Küster (FBG-Moers, links) über die Ergebnisse der ersten beiden Tauchgänge
  Duisburg: Waldsee zwischen Moers + Duisburg |

Moers/Duisburg. An den letzten 4 Samstagen herrschte reges Treiben am Waldsee zwischen Duisburg und Moers, Mitglieder der „Taucher im Nordpark Duisburg e.V.“ (TIND) dokumentieren bei insgesamt 6 bis 8 Tauchgängen im Auftrag des Eigentümers –dem Regionalverband Ruhr (RVR)– mögliche Gefährdungen im beliebten Gewässer. Bisher fanden die 8 bis 12 aktiven Tauchsportler erfreulicherweise nur Betonplatten, Stahlösen, ein ca. 2,50 m langes Eisenrohr, Monierelemente, Eisenverstrebungen und zwei Reifen. Giftfässer, Autowracks, Fliegerbomben, Chemieabfälle, Diebesgut, etc., wie es unzählige Gerüchte besagen, wurden bisher nicht auf dem Seegrund gesichtet. Entwarnung wird es wahrscheinlich trotz der sommerlichen Badetemperaturen für dieses Idyll nicht geben, die Schilder „Baden und Tauchen verboten – Der Eigentümer“ haben weiterhin Bestand.

Hund verletzte sich im Toeppersee

Diese Tauchgänge wurden im letzten Sommer vom Duisburger Ratsherrn Bruno Sagurna bei einem Ortstermin versprochen, der persönlich vom terminlich verhinderten Duisburger Oberbürgermeister Sören Link gebeten wurde, ihn zu vertreten. Ein paar Tage zuvor machten die 6-Seen-Platte, Toeppersee und Uettelsheimer See in Duisburg durch ein Unglück eines Hundes Schlagzeilen, er hatte sich beim Springen in einen der mit Schutt und Schrott verfüllten Seen verletzt. Nach meinen 36 Fotohinweisen über ähnliche Gefahrenquellen in den westlichen und nördlichen Uferlagen des Waldsees, wurde der RVR sofort aktiv und beseitigte Moniereisen, im Boden verankerte Stahldrahtseile, freistehende Metalle, Eisenträger, ein rostiges Fass und weiteren Unrat an den Uferhängen bis zur Wasserlinie. Bei der abschließenden Ortsbegehung, zu der ich alle Vertreter der Kommunalpolitik aus Duisburg, Moers und dem Kreis Wesel einladen durfte, zeigten der RVR-Ranger Ulrich Graefer und Gerhard Klesen (stellvertretender Betriebsleiter des RVR-Eigenbetriebs Ruhr Grün) dem einzig erschienenen Ratsherrn und mir die Ergebnisse der geleisteten Arbeit zum Wohle der Natur, Mensch und Tiere. Betroffen von dem gezeigten Gefahrenpotential nahm Bruno Sagurna den Vorschlag zum Abtauchen des Waldseegrundes um mögliche Gefährdungen im Wasser zu erfassen auf und setzte sich bei RVR-Versammlungen dafür ein.

Mit Unterwasserkameras und GPS

Versprochen - Gehalten: Der Vorsitzende der Duisburger Taucher, Peter Hoppe, konnte nun ein Jahr später bei einem aktuellen Termin vor Ort die Ratsherren Bruno Sagurna (SPD-Duisburg) und Claus Peter Küster (FBG-Moers) sowie Uwe Schrott, Vorsitzender vom ortsansässigen Angelverein ASV Rheinpreussen Waldsee e.V. und mich über den ersten Orientierungstauchgang und 2 geplante Dokumentationstauchgänge informieren. Akribisch wird mit mehreren Unterwasserkameras und GPS jeder Fundort von Unrat auf einer Seekarte erfasst. Das Nordufer ist am Stärksten mit Schutt und Schrott belastet, da nach Angaben des Angelvorsitzenden Uwe Schrott nach dem Abriss des alten Kiesbetriebes die Trümmer liegen gelassen und geflutet wurden - es war eine gängige Praxis in Zeiten, wo man den Begriff „Umweltschutz“ noch nicht kannte. Von Umweltskandal spricht daher keiner der Teilnehmer, man ist vielmehr froh über die endlich stattfindenden Tauchgänge. „Es gab Verzögerungen bei der Genehmigung und durch den anhaltenden Winter“, erklärt der Duisburger Ratsherr und RVR-Vertreter Sagurna den Prozess nach der Antragsstellung durch die Sozialdemokraten und den Grünen im letzten September und dem einstimmigen Votum im Ausschuss. Die Genehmigung zum Abtauchen des Gewässers der Gefahrenklasse 2 wurde im Frühjahr erteilt. Das Tragen von Trockentauchanzügen, damit kein Wasser an die Haut der Taucher kommt, ist eine der gestellten Auflagen. „Im See gibt es 3 Stellen bei 6 bis 11 m Tiefe mit erhöhtem Schwefelwasserstoff“, teilt Uwe Schrott als mögliche Erklärung mit.

Sorge um das wilde Treiben am Waldsee-Areal

„Wir haben gerade für die beiden Angelvereine den Pachtvertrag zur Wasserflächennutzung um 10 Jahre verlängert“, benennt Schrott als Grund für die Sorge der Angler über das teilweise wilde Treiben am Waldsee-Areal. „Die jährliche Pacht beträgt 12.000 €. Desweiteren müssen wir strenge Auflagen zur Hege und Pflege des guten Fischbestandes und des natürlichen Umfeldes umsetzen.“ Verständlich, dass die Angler sauer über unachtsame Hundehalter, Zerstörung der Ufergehege durch freilaufende Hunde, Verschmutzungen und Missachten durch Party-People, wilde Camper, Schwimmer und Mountain-Biker sind. Ratsherr Sagurna will nun zusätzlich Wasserproben durch den RVR veranlassen sowie die Ausweitung der schon bestehenden Kooperation zur Müllentsorgung zwischen dem RVR und der Moerser ENNI auf die Duisburger Wirtschaftsbetriebe im Verwaltungsrat einbringen. „Bei der Auswertung aller Ergebnisse, also der Tauchgänge und Wasserproben, sollen alle Nutzer und Anwohner des Waldsees mit einbezogen werden und Lösungen bzgl. der gemeinsamen Nutzung dieses Naturidylls erarbeiten.“ Als möglichen Versammlungsort bot Uwe Schrott das Anglerheim an.

Runder Tisch als Ergebnis

Der Partei- und Fraktionsvorsitzende der Freien Bürger-Gemeinschaft Moers, Claus Peter Küster, begleitet das Thema Nutzung und Schutz des Waldseeareals seit 3 Jahren, als ich anfing die ersten Umweltverstöße und Missachtungen der Natur zu dokumentieren und Lösungen für eine geordnete Nutzung vorstellte. Für ihn war der Ortstermin informativ und sehr konstruktiv: „Es ist ein Prinzip unserer Wählergemeinschaft alle beteiligten Parteien an einen Tisch zu holen. Die FBG-Moers bleibt am Ball, auch parteiübergreifend, wenn der RVR einlädt. Das wäre optimal, man kann nur gewinnen.“ Zustimmung von Küster erhält der Vorschlag Sagurnas, eine ganzheitliche Umweltbetrachtung mit den Arealen der benachbarten Halden und Deponien Rheinpreussen und Lohmannsheide sowie den angrenzenden Industrieflächen vorzunehmen.


Unterwasserfotos: Taucher im Nordpark Duisburg e.V. (TIND)
Fotos Ortstermin : Christian Voigt
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1 Kommentar
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Armin Mesenhol aus Kamp-Lintfort | 23.08.2013 | 09:07  
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