Gesamtschüler streiken für eine Mensa: Viele weitere Probleme an der Gesamtschule Emschertal – OB Link zum Handeln aufgefordert

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Christoph Hönig, Kerem Durgut, Andreas Janz und Bianka Musterer-Quandel (v.l.) wollen, dass der OB das Heft des Handelns in die Hand nimmt. Fotos: Reiner Terhorst
 
Am „Sit in“ an beiden Standorten der Gesamtschule nahmen über 900 Schüler teil, unterstützt von ihren Lehrern und vielen Eltern.
 
Gemeinsam sind wir stark: Schülersprecher Kerem Durgut, Schulpflegschaftschaftsvorsitzender Andreas Janz, Lehrerratsvorsitzende Bianka Musterer-Quandel und Schulleiter Christoph Hönig (v.l.) schließen weitere Aktionen nicht aus.
Duisburg: Gesamtschule Emschertal |

„Wir fühlen uns ausgenutzt. Die Schule hat ihrerseits alles getan, um eine nicht einfache Situation zu meistern. Jetzt gehen wir an die Öffentlichkeit und haben den Oberbürgermeister um Hilfe gebeten.“ Christoph Hönig, Schulleiter der Gesamtschule Emschertal mit Standorten in Hamborn und Neumühl, bringt eine bemerkenswerte Aktion auf den Punkt.

Hönig, Scülersprecher Kerem Durgut, Schulpflegschaftsvorsitzender Andreas Janz und Lehrerratsvorsitzende Bianka Musterer-Quandel führen uns in einen fensterlosen Kellerraum. Das soll eine Mensa sein? Steht zumindest an der Tür. Kerem Durgut: „Sehen Sie selbst. Das ist doch ein unhaltbarer Zustand. Das lassen wir uns nicht mehr gefallen.“ Deshalb haben Schüler, Lehrer und Eltern gemeinsam ein „Sit in“ gestartet, das die Entscheidungsträger „wachküssen“ soll.

„Wir sind es wert … eine Mensa zu bekommen!“ Unter diesem Motto traten die gut 900 Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Emschertal am Montag für eine Stunde in den Streik. Sie versammelten sich an den beiden Standorten zu einen symbolischen Picknick auf den Schulhöfen. Mit dieser Aktion, die unter anderem in Schülervollversammlungen besprochen wurde, fordern sie von der Stadt Duisburg ein, der Schule für die Jahrgänge 5 bis 8 endlich eine Mensa zur Verfügung zu stellen, die diesen Namen verdient.

Wunschtraum jäh geplatzt

Seit Schulgründung vor mehr als 25 Jahren befindet sich die Schulmensa in Neumühl in besagtem fensterlosen Kellerraum. Was zur damaligen Zeit als Übergangslösung vielleicht noch tragbar war, halten Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit der Schulpflegschaft und dem Lehrerkollegium heutzutage für unzumutbar. Viele Jahre war sich die Schule sicher, dass ihr Wunsch auf eine neue Mensa Wirklichkeit wird, wenn die benachbarte Grundschule, die Salzmannschule, einen Neubau erhält. Doch dieser „Traum“ platzte 2008 jäh, als die Baupläne des Grundschul-Neubaus bekannt gegeben wurden. Hier war kein Platz für die 600 Gesamtschülerinnen und -schüler vorgesehen.

Jetzt, fast zehn Jahre später, plant der Schulträger in diesen Wochen erneut einen Erweiterungsbau für die Salzmannschule. Deren Schulleiterin Astrid Bittroff wünscht sich, dass dieser Erweiterungsbau dem Ganztag dient, eine größere Schulaula enthält sowie die Mensa der Grundschule beherbergt. Zusammen mit dem Schulleiter der Gesamtschule Emschertal plädiert sie zudem dafür, dass in diesem Neubau auch Platz für eine Mensa Gesamtschüler vorgesehen ist.

Jetzt Nägel mit Köpfen machen

Das Amt für Schulische Bildung hat bislang lediglich zugesagt, diese Frage zu prüfen. Alle Gremien der Gesamtschule erwarten, dass diese Prüfung positiv ausfällt. Denn der bisherige Vorschlag, den auch die Schule noch vor drei Jahren ins Spiel gebracht hat, einen ehemaligen Textilraum samt Nebenraum für eine neue Mensa zu nutzen, ist längst überholt. Denn die Gesamtschule Emschertal ist dabei, von vier auf sechs Züge erweitert zu werden, so dass ein Raum, der kaum größer als ein normaler Klassenraum ist, bei Weitem zu klein für eine Mensa ist.

Alle Gremien der Schule sind sich einig, dass man nicht weitere fünf oder mehr Jahre darauf warten will, bevor man zum Essen nicht mehr in den Keller muss und fordert vom Schulträger daher ein zügiges Handeln.

Aber die Mensa ist nicht das einzige Sorgenkind der Schule, die seit Jahren unter schlechten räumlichen Bedingungen leidet. Vor vier Jahren hat das Schulamt daher in einer Krisensitzung mit der Schulaufsicht vorgeschlagen, die Schule solle einen neuen Nutzungsvorschlag für seine beiden Standorte entwickeln. Am Standort Kampstraße 23 (früheres Clauberg-Gymnasium) würde ja ein Gebäudeteil, der sogenannte fünfgeschossige „Turm“, leer stehen. Die Schule hat sich darauf eingelassen und ist in Erwartung verbesserter Arbeitsbedingungen am Standort Neumühl mit den Jahrgängen 9 und 10 in die Kampstraße umgezogen. Doch auch in diesem Fall wurde sie bislang bitter enttäuscht.

Es hat sich nichts verbessert

Denn nichts hat sich in Neumühl verbessert: Die gewünschten „Arbeitsräume“ für Medienscouts, Ersthelfer, Streitschlichter, SV-Mitglieder, Elternarbeit und Integrationshelfer sind nicht geschaffen worden, die Zusammenlegung der Lehrerzimmer ist nicht erfolgt, ebenso wenig das Zusammenziehen der Leitungsbüros in ein Gebäude, um die Kommunikationsmöglichkeiten von Lehrkräften und Schulleitungsmitgliedern zu verbessern.

„Genauso wenig hat sich etwas an der Barrierefreiheit der Schule geändert, obwohl sich mittlerweile die Stadt unserem Vorschlag angeschlossen hat, hier auch Schüler/innen unterrichten zu lassen, die im Rollstuhl sitzen“, beklagt Christoph Hönig.

Pures Unverständnis

Die Enttäuschung der Schule darüber, dass nicht von ihrem neuen Raumkonzept umgesetzt wurde, ja noch nicht einmal ernsthaft thematisiert wurde, hat sich mittlerweile zu purem Unverständnis entwickelt. Denn nicht nur, dass die Schule ihren Part erfüllt hat, seit 2014 sind als zusätzliche Herausforderungen das Gemeinsame Lernen, die Aufnahme zahlreicher neu zugewanderter Schüler/innen und die Erhöhung der Zügigkeit hinzugekommen. Außerdem hat die Gesamtschule die schwierige und auch politisch brisante Aufgabe übernommen, für die Stadt ein Modelprojekt am Standort Kampstraße zu leiten, in dem 60 zugewanderte Kinder mit fehlenden Sprachkenntnissen und fehlenden oder unterbrochenen Schulerfahrungen auf den Wechsel an eine weiterführende Schule vorbereitet werden.

Unter dem Strich lautet das ernüchternde Fazit der Schule: „Wir leisten Überdurchschnittliches, bekommen dafür aber nichts Adäquates zurück. Selbst die notwendigen Ausstattungsbedarfe werden nur schleppend erfüllt. Räumliche Verbesserungen, die mit kleinen Baumaßnahmen verbunden sind, wurden nicht in Angriff genommen, ja noch nicht einmal darüber gesprochen oder eine Rückmeldung gegeben.“

OB Link soll sich "kümmern"

Das Kollegium hat eine Resolution an Oberbürgermeister Sören Link geschrieben und ihn zum Handeln aufgefordert. Die Schulpflegschaft hat einen Beschwerdebrief für Eltern formuliert. Tenor: „Bitte kümmern Sie sich darum, dass die Zuständigen der Stadt mehr für die Gesamtschule Emschertal tun. Die Schule ist es wert.“
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