Sinan lässt sich nicht entmutigen - Wohnungssuche gestaltet sich für jungen Syrer aber schwierig

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Tag für Tag durchforsten Sinan und Keewan Othmann die gängigen Portale. Doch bislang gab's nur Absagen. Foto: cHER
 
Keewan Othman leitet die Einrichtung in Borbeck (Foto: privat)

Es vergeht kein Tag, an dem Sinan (Name von der Red. geändert) nicht die gängigen Immobilienportale durchforstet. Auch den Kleinanzeigenteil der Zeitung nimmt er sich regelmäßig vor. Der 18-Jährige ist auf der Suche nach einer Wohnung. Der ersten eigenen im neuen Land.

Sie muss nicht groß sein, die neue Bleibe. Und auch der Stadtteil ist egal. Obwohl der gebürtige Syrer gerne im Großraum Borbeck bleiben würde. "Sinan hat sich hier gut eingelebt, ein funktionierendes Netzwerk aufgebaut", erklärt Keewan Othman. Der Sozial- und Erziehungswissenschaftler kennt den jungen Syrer seit zehn Monaten.
So lange lebt der junge Mann, der vor knapp zwei Jahren als unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter nach Deutschland gekommen ist, in der Verselbständigungsgruppe "Phönix" in Borbeck. Zehn Jugendliche werden dort von dem Team um Keewan Othman auf ein eigenständiges Leben vorbereitet. Sie erhalten Unterstützung in allen Bereichen, lernen Kontoführung und Terminabsprachen.

Erfolgsgeschichte - auch in der Schule

Aktuell wohnen in den Appartements der Borbecker Gruppe, Träger ist der Verein "Vielfalt im Ruhrgebiet (ViR gGmbH) - ausschließlich jugendliche Geflüchtete. Die meisten kommen aus Syrien und Afghanistan.
Allerdings ist die Verselbständigung für alle Jugendlichen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Nationalität ausgerichtet. Trotz ihrer ganz unterschiedlichen Schicksale haben die aktuellen Bewohner eines gemeinsam: ihre ganz eigene Erfolgsgeschichte. Fünf von ihnen haben ihren Hauptschulabschluss bereits in der Tasche, Sinan besucht die 9. Klasse des Hugo-Kükelhaus-Berufskollegs. Dass er im Sommer nächsten Jahres seinen Abschluss machen wird, steht für seine Betreuer außer Frage. "Sinan ist ein superguter Schüler. Mit einem Notendurchschnitt von 1,7", freut sich Keewan Othman über die Erfolge seines Schützlings. Und die gibt es nicht nur im schulischen Bereich. Der junge Syrer ist in Deutschland angekommen. Er engagiert sich ehrenamtlich im syrisch-deutschen Förderverein, dolmetscht und hilft anderen Neuankömmlingen bei der Eingewöhnung.

In der Gruppe gelten feste Regeln

Dass hier andere Regeln gelten als in der Heimat, hat er schnell begriffen. Und auf die Einhaltung dieses Regelwerks legen die Betreuer in der Gruppe großen Wert. "Sinan hat sich alle notwendigen Kompetenzen angeeignet," freut sich sein Betreuer. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Sparsamkeit, Respekt: All das hat der 18-Jährige verinnerlicht. "Und er will etwas erreichen", so Keewan Othman. Sinan würde gerne eine Ausbildung machen. Am liebsten im KFZ-Bereich. "Auf diesem Gebiet hat er in seiner Heimat bereits erste Erfahrungen sammeln können." Ein Jahr Asyl ist dem Jugendlichen gewährt worden. Othman kann verstehen, dass viele Betriebe da mit einer Ausbildungszusage zögern. "Da in Syrien leider noch immer der Bürgerkrieg tobt, ist aber die Verlängerung fast sicher."
Das zeitlich begrenzte Asyl macht auch die Wohnungssuche schwierig. Mehr als 40 Anfragen und Besichtigungstermine haben Sinan und Keewan Othman bereits hinter sich. Überall nur Absagen. Selbst bei den großen Wohnungsbaugenossenschaften.
Dass es Schwierigkeiten mit den Mietzahlungen gibt, ist ausgeschlossen. "Die Kosten werden komplett vom JobCenter getragen", erklärt der Einrichtungsleiter.

Den nächsten Schritt in Sachen Integration

Er hofft auf eine schnelle Lösung. "Denn in den nächsten Monaten werden auch andere Jugendliche soweit sein und wie Sinan den Schritt in die Selbständigkeit wagen können."
Doch ohne Wohnung wird die Zukunft der Jungen ein Schritt zurück anstatt nach vorn. "Sie müssten zwangsläufig in ein Flüchtlingsheim", so der Sozial- und Erziehungswissenschaftler. "Und das wäre nicht im Sinne einer funktionierenden Integration. Vieles von dem, was wir erarbeitet haben, wäre dann in Frage gestellt. Wir müssen jetzt weiter denken, damit die Aufgabe auch gelingen kann."
Gesucht werden Wohnungen bis zur einer Bruttokaltmiete von 350 Euro. Vermieter oder Genossenschaften können sich gerne direkt an den Einrichtungsleiter wenden unter Tel. 0172 / 600 10 34 oder per E-Mail an k.othman@vir-ruhr.de. 
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