Keine Angst vor Übergriffen: Sauberkeit und Sicherheit sind Standard in Hesse

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Gefühl von Sicherheit: Im Freibad Hesse gilt seit Jahren die Null-Toleranz-Regel. Archivfoto: cHER

Die sexuellen Übergriffe im Grugabad ließen Erinnerungen an die Silvesternacht in Köln und anderen Städten wieder hochkochen: Zwei junge Mädchen wurden das Opfer von vier Flüchtlingen. Die Maßnahmen der Stadt Essen sind für Sven Prochnow längst überfällig, gleichzeitig warnt der Leiter des Dellwiger Freibads Hesse vor Pauschalisierungen.

„Da muss eben erst das Kind in den Brunnen fallen, bevor etwas passiert“, seufzt Sven Prochnow, Leiter des Dellwiger Freibads Hesse. Drei Mädchen im Alter von zwölf und 13 Jahren wurden am vergangenen Wochenende im Grugabad Opfer sexueller Übergriffe. Die vier Flüchtlinge waren zwischen 13 und 33, selbst der jüngste augenscheinlich an der Tat beteiligt. Das Eingreifen anderer Badegäste und des Sicherheitsdienstes setzte den Übergriffen schließlich ein Ende, hinterher nahm sich die Polizei der mutmaßlichen Täter an.

Sauberkeit und Sicherheit

Fehlten der Stadt Essen anfangs noch die Worte, haben die Verantwortlichen inzwischen Stellung bezogen: „Alle Badegäste, vor allem Minderjährige, müssen in unseren Bädern sicher sein“, fordert Oberbürgermeister Thomas Kufen. „Dafür müssen und werden wir sorgen!“ Gerade an publikumsintensiven Tagen soll das Bad- und Sicherheitspersonal verstärkt werden, für die betreffenden Personen jetzt Hausverbote in allen städtischen Schwimmbädern erlassen werden. Generell sind Sicherheitspersonal und Bademeister ab sofort aufgefordert, schon bei geringsten Anlässen Hausverbote zu erteilen. Schließlich werden die Sport- und Bäderbetriebe im Auftrag von OB Kufen prüfen, ob für die nächste Badesaison mittels Videoüberwachung die Sicherheit im Grugabad verbessert werden kann.
Solche Maßnahmen kommen für Sven Prochnow viel zu spät, gehören im Freibad Hesse unter den zwei Grundpfeilern „Sauberkeit und Sicherheit“ längst zum Standard. Seit Prochnow vor fünf Jahren Ruder im Bad übernahm, verfolgt der Badleiter eine Null-Toleranz-Politik, sortiert konsequent aus: „Wir haben unsere Schäfchen unter Kontrolle.“ Auch mit Kameras ist das Dellwiger Freibad inzwischen hochgerüstet. Die Geräte sind bewusst an wenig sichtbaren Stellen platziert, damit sie friedliche Badbesucher nicht stören und potenzielle Unruhestifter keine toten Winkel suchen können. Zusätzlich setzt Prochnow auf eingespieltes Stammpersonal, das er im Laufe der Zeit aufgebaut hat und Monate vor der Saison wieder ins Boot holt: „Hier ziehen alle Leute an einem Strang!“ Dieses familiäre Wir-Gefühl überträgt sich sogar auf die Badegäste, die eigenständig kleinere oder größere Vergehen anmahnen – auf einen Sicherheitsdienst kann Hesse deshalb verzichten.
Der Erfolg gibt Prochnow recht. Bei inzwischen immerhin 40.000 Besuchern musste der Badleiter nur dreimal die Polizei rufen: wegen einer uneinsichtigen Familie und wegen unkooperativer Jugendlicher. „Wir hatten eine ruhige Saison.“

Keine Pauschalisierung

Nach den Vorfällen wittert Prochnow aber die Gefahr, dass wieder alle Flüchtlinge über einen Kamm geschoren werden: „Es wird viel zu häufig pauschalisiert.“ Trotz der Nähe zum Zeltdorf an der Levinstraße hat er überwiegend positive Erfahrungen gemacht. So war beispielsweise eine Familie sofort einsichtig, als Prochnow ihnen erklärte, dass es nur in Badekleidung ins kühle Nass gehe. Der Vater machte sich einfach spontan auf den Weg und organisierte die nötigen Outfits. Grund für diesen reibungslosen Ablauf ist sicher auch, dass das Freibad Hesse in zehn verschiedenen Sprachen über die Regeln informiert.
Anders als die übrigen Bäder wird Hesse erst am 25. September schließen. Wer also auch die letzten warmen Tage auskosten möchte, weiß sich dort in guten Händen.
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